Unterschiede in Keratoplastik im internationalen Vergleich

Die Keratoplastik ist weltweit eine häufig durchgeführte Operation mit steigenden Zahlen. Ein Bericht zieht Zusammenhänge zwischen Hauptindikationen und Transplantationstechniken im weltweiten Vergleich und setzt den deutschen Standard der DMEK in einen internationalen Kontext.

Vergleich

Unterschiedlichste Transplantationsverfahren wurden entwickelt

Die PKP (perforierende Keratoplastik [penetrating keratoplasty]) wurde im zwanzigsten Jahrhundert zum Goldstandard der Hornhauttransplantation, doch neben diesem Verfahren wurden inzwischen lamelläre Transplantationstechniken entwickelt, die in weiten Teilen der Erde Anwendung finden.

Die DALK (tiefe anteriore lamelläre Keratoplastik [deep anterior lamellar keratoplasty]) umfasst eine Hornhauttransplantation ohne Endothel, nach Entfernung des Stromas bis zur Descemet-Membran. Die DSAEK (Descemet’s Stripping Automated Endothelial Keratoplasty) bezeichnet die Transplantation der hinteren lamellären Hornhaut und umfasst zusätzlich Stromaschicht, Descemet-Membran und Endothel. Hieraus hervorgegangen ist die DMEK (Descemet Membran Endotheliale Keratoplastik [Descemet’s membrane endothelial keratoplasty), welche eine isolierte Transplantation von Descemet-Membran und Hornhautendothel beschreibt.

Hauptindikationen für Keratoplastiken weltweit unterschiedlich

In Südamerika, großen Teilen Asiens und in Neuseeland waren unter den Hauptindikationen Keratokonus, infektiöse Keratitis, postinfektiöse Vernarbung und pseudophake bullöse Keratopathie. In Europa, Nordamerika und Australien zählt die FECD (Fuchs’sche endotheliale Hornhautdystophie [fuchs‘ endothelial corneal dystrophy]) zur Hauptindikation für eine Hornhauttransplantation.

FECD-Prävalenz wirkt sich auf Transplantationstechniken aus

In Studien konnte ein höheres Vorkommen von FECD bei Kaukasiern im Vergleich zu Asiaten beobachtet werden, was sich auf Indikation und Transplantationstechnik auswirkt. In weiten Teilen Europas und Nordamerikas gelten lamelläre Techniken wie DMEK und DSAEK zu den führenden Techniken, um FECD zu behandeln.

In Deutschland ist Verfahren der DMEK am häufigsten

Die DMEK ist das am meisten angewandte Transplantationsverfahren in Deutschland, gefolgt von der PKP, welche im letzten Jahrzehnt nur leicht zurückging. DALK und das DSAEK-Verfahren spielten in Deutschland nur eine untergeordnete Rolle. In den meisten europäischen Ländern ist DSAEK das vorherrschende Transplantationsverfahren, gefolgt von der PKP.

Trend zur DMEK in Nordamerika

In den USA und Kanada waren die meisten Hornhauttransplantationen ebenfalls posteriore lamelläre Keratoplastiken, wobei sich hier die Zahl der durchgeführten DMEK allmählich der Anzahl der DSAEK annähert, diese jedoch nicht, wie bereits in Deutschland, übersteigt.

PKP als prädominante Keratoplastiktechnik in Südamerika und Asien

Laut einem Bericht aus Kolumbien, war  die PKP mit 90% die am häufigsten durchgeführte Transplantationstechnik. Dennoch sei ein Trend zu lamellären Techniken zu vermerken. In Indien, dem Iran und China waren ebenfalls die PKP als häufigste Technik aufgelistet. Die DMEK spielte bis 2017 in asiatischen Ländern fast keine Rolle, was darauf hindeutet, dass hier noch kein Übergang zu lamellären Techniken wie in Nordamerika und Europa stattgefunden hat.

Entwicklung in Neuseeland und Australien

Das wichtigste chirurgische Verfahren in Neuseeland ist die PKP, gefolgt von DSAEK und DALK. Es wurden neunmal mehr DSAEK als DMEK-Eingriffe durchgeführt, was im starken Kontrast zur umgekehrten Entwicklung in Deutschland steht. In Australien deuten die Zahlen daraufhin, dass hier die DMEK die DSAEK überholt hat, während die PKP immer noch an vorderster Stelle der häufigsten Keratoplastikverfahren steht.

Das 21. Jahrhundert als lamelläres Zeitalter

Der Anteil der posterioren lamellären Keratoplastiken, hauptsächlich aufgrund von FECD, hat in vielen Teilen der Welt, zum Beispiel in Europa, den USA und Australien, die Zahl der Transplantationen mittels PKP übertroffen. Deutschland zeichnet sich international durch einen großen Anteil an DMEK und einem sehr geringen Anteil an DSAEK aus.

Zu einer Transplantation mittels DSAEK kann unter bestimmten Bedingungen, beispielsweise bei Augen mit flacher Vorderkammer, komplexen Vorderabschnittspathologien, Glaukom-Implantaten oder bei Kindern geraten werden.

Trend zur DMEK

In Deutschland gilt die DMEK als Standardbehandlung. Es wird berichtet, dass das DMEK-Verfahren im Vergleich zur Technik der DSAEK zu besseren Ergebnissen hinsichtlich Sehschärfe und geringeren hyperopen Verschiebungen führt. Des Weiteren wird eine geringere endotheliale Abstoßungsrate vermerkt.

Im Anbetracht dieser Aspekte, ist ein weiterer Anstieg der Behandlungen mittels DMEK weltweit zu Lasten der DSAEK zu erwarten.

Autor:
Stand:
17.10.2023
Quelle:

Flockerzi et al. (2023): Descemet’s membrane endothelial keratoplasty is the predominant keratoplasty procedure in Germany since 2016: a report of the DOG- section cornea and its keratoplasty registry. British Journal of Ophtalmology, DOI: 10.1136/bjo-2022-323162

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