Ähnliche Outcomes bei unterschiedlicher Ernährung von Frühgeborenen

Frühgeborene sind häufig mit Ernährungsproblemen konfrontiert, die ihre Entwicklung beeinträchtigen können. Obwohl internationale Leitlinien Muttermilch als optimale Ernährung empfehlen, fehlen evidenzbasierte Strategien zur Ernährungsunterstützung bis zur vollständigen Ernährung mit Muttermilch.

Frühgeborenes_parenterale Ernährung

Weltweit werden 85% aller Frühgeborenen entweder als moderate Frühgeborene (geboren zwischen der 32. und 33. Schwangerschaftswoche) oder als späte Frühgeborene (geboren zwischen der 34. und 36. Schwangerschaftswoche) klassifiziert.

Trotz hoher Überlebensraten haben diese Kinder ein erhöhtes Risiko für Entwicklungsverzögerungen, kardiometabolische Störungen und andere gesundheitliche Beeinträchtigungen. Für eine optimale gesundheitliche Entwicklung der Neugeborenen ist daher eine adäquate Ernährung von Geburt an von großer Bedeutung. Trotz der eindeutigen Vorteile von Muttermilch gibt es in der Praxis große Unterschiede im Ernährungsmanagement dieser gefährdeten Gruppe, was auf eine fehlende Evidenzbasis für spezifische Ernährungsstrategien zurückzuführen ist.

Ernährungsmanagement von Frühgeborenen

Ziel des Ernährungsmanagements bei Frühgeborenen ist die Optimierung von Wachstum und Entwicklung, die durch die Frühgeburt häufig beeinträchtigt sind. Die Sicherstellung einer adäquaten Energie- und Nährstoffzufuhr sowie die Unterstützung der gastrointestinalen und immunologischen Funktionen sind dabei von entscheidender Bedeutung.

Obwohl internationale Richtlinien die Vorteile von Muttermilch betonen, gibt es oft keine spezifischen Richtlinien für Situationen, in denen eine ausreichende Versorgung mit Muttermilch nicht umgehend verfügbar ist.

In solchen Situationen kommt speziell angepasste Frühgeborenennahrung zum Einsatz, die durch gezielte Supplementierung von Eisen, Vitaminen und Mineralstoffen ergänzt wird, um Mangelerscheinungen vorzubeugen und das Risiko von Entwicklungsverzögerungen zu minimieren.

Die American Academy of Pediatrics und die European Society of Pediatric Gastroenterology betonen die Notwendigkeit einer adäquaten Ernährungsunterstützung, um eine möglichst ähnliche Entwicklung wie bei termingerecht geborenen Säuglingen zu erreichen und gleichzeitig den spezifischen Herausforderungen der Frühgeburtlichkeit gerecht zu werden.

Die DIAMONDS-Studie

Vor diesem Hintergrund wurde die DIAMOND-Studie (Different Approaches to Moderate and Late Preterm Nutrition: Determinants of Feed Tolerance, Body Composition and Development) entwickelt.

In dieser multizentrischen, randomisierten und kontrollierten klinischen Studie, die in fünf neuseeländischen Krankenhäusern durchgeführt wurde, wurden Säuglinge, die zwischen der 32. und 35.

Schwangerschaftswoche geboren wurden, in drei verschiedene Interventionsgruppen eingeteilt. Diese beinhalteten die intravenöse Gabe einer Aminosäurelösung im Vergleich zu einer Dextrose-Lösung, die Gabe von Milchersatzprodukten (Spendermilch oder Formulanahrung) im Vergleich zu ausschließlicher Muttermilchernährung und die Exposition gegenüber Geschmack und Geruch vor der Magensondenernährung im Vergleich zu keiner sensorischen Exposition.

Endpunkte: Klinische und entwicklungsbedingte Parameter

Die primären Endpunkte umfassten den Körperfettanteil bei vier Monaten korrigiertem Gestationsalter für die parenterale Ernährung und die Milch-Supplementierung sowie die Zeit bis zur vollständigen enteralen Ernährung für die Geschmacks- und Geruchsintervention, definiert als Erreichen von 150 ml Nahrungsaufnahme pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag oder vollständiges Stillen.

Zu den sekundären Endpunkten zählten die Zeit bis zur Entfernung der nasogastralen Sonde, die Dauer des Krankenhausaufenthalts, die Nahrungsaufnahme in den ersten zwei Wochen, der Stillstatus bei Entlassung und nach vier Monaten, die Körperzusammensetzung zu diesen Zeitpunkten sowie Veränderungen der Wachstumsparameter und des Z-Scores.

Keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen

Der Körperfettanteil von Frühgeborenen, die parenterale Ernährung oder Dextrose erhielten, war vergleichbar und unterschied sich kaum von dem der Neugeborenen, die Milchzusätze oder ausschließlich Muttermilch erhielten.

Es wurden auch keine signifikanten Unterschiede in der Zeit bis zur vollständigen enteralen Ernährung zwischen Säuglingen mit und ohne Geschmacks- und Geruchsexposition festgestellt.

Die sekundären Endpunkte zeigten konsistent keine signifikanten Unterschiede zwischen der Interventions- und der Kontrollgruppe, weder bei der Entlassung aus dem Krankenhaus noch nach vier Monaten korrigiertem Gestationsalter. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die getesteten Ernährungsinterventionen keine unterschiedlichen Auswirkungen auf die wichtigsten Entwicklungsindikatoren der Frühgeborenen hatten.

Bedeutung der Muttermilchernährung in der klinischen Praxis

Die Ergebnisse der DIAMOND-Studie liefern wichtige Erkenntnisse für die klinische Praxis. Die ähnlichen Ergebnisse in den Interventions- und Kontrollgruppen unterstützen die Annahme, dass eine einfache, auf Muttermilch basierende Ernährung ausreichend ist, solange keine medizinischen Komplikationen vorliegen, die eine spezialisierte Ernährungsunterstützung erfordern. Diese Ergebnisse könnten dazu beitragen, die klinische Praxis zu vereinheitlichen.

Der Schwerpunkt des Ernährungsmanagements sollte auf der Unterstützung der natürlichen Laktation und der frühen Etablierung einer vollständigen Ernährung mit Muttermilch liegen. Zukünftige Forschung sollte sich darauf konzentrieren, Methoden zur Optimierung der Muttermilchversorgung zu entwickeln und die Unterstützung stillender Mütter in der Neonatologie zu verbessern.

Die Studie wurde unter anderem von Health Research Council of New Zealand gesponsort und ist bei Australian New Zealand Clinical Trials Registry unter ACTRN12616001199404 registriert.

Autor:
Stand:
18.06.2024
Quelle:

Alexader et al. (2024): Nutritional Support for Moderate-to-Late– Preterm Infants — A Randomized Trial. NEJM, DOI: 10.1056/NEJMoa2313942

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