Auswirkungen von Muttermilch auf die Darmflora

In den ersten sechs Lebensmonaten ist Stillen mit Muttermilch die optimale Ernährungsform und hat positive Einflüsse auf das Immunsystem und klinische Outcomes. Eine Studie untersuchte den Effekt auf die kindliche Darmflora bei Frühgeborenen.

Muttermilch

Die richtige Ernährung von Säuglingen spielt für Wachstum und Entwicklung eine große Rolle und dient zur Deckung des Energie- und Nährstoffbedarfs. Die WHO (World Health Organization) empfiehlt das Stillen mit Muttermilch in den ersten sechs Lebensmonaten.

Die Muttermilch enthält neben Kohlenhydraten, Fetten und Proteinen auch Hormone, Immun- und Stammzellen sowie ein interindividuell unterschiedliches Spektrum an Bakterien. Hierbei ist noch nicht vollends geklärt, wie diese in die Muttermilch gelangen. Diskutiert wird eine enteromammäre Verbindung, bei welcher Immunzellen im Darm Bakterien phagozytieren und im Anschluss zur Brustdrüse transportiert werden. Die in der Muttermilch enthaltenen Humanmilch-Oligosaccharide (HMO) wirken als Präbiotika für günstige Mikroorganismen in der kindlichen Darmflora. Lösliche Antikörper (Immunglobulin A) und Lactoferrin werden über das Stillen an das Kind weitergegeben und tragen ebenfalls zur Entwicklung eines gesunden Immunsystems bei.

Kommt es zu einem Mangel an Muttermilch, muss auf Säuglingsnahrung oder Spendermilch zurückgegriffen werden. Die sogenannten Formula sind in der Regel auf Kuhmilchbasis und orientieren sich in der Zusammensetzung und zugesetzten Nährstoffen und Vitaminen an der Muttermilch [1].

Muttermilch hat positiven Einfluss auf die Kindsgesundheit

Eine Ernährung mit Muttermilch ist mit geringeren Raten neonataler Morbidität, insbesondere bei Frühgeborenen, verbunden und soll das langfristige metabolische und neurokognitive Outcome positiv beeinflussen.

Außerdem wird die Ernährung mit pasteurisierter Muttermilch in vorangegangenen Studien mit geringeren Fällen von nekrotisierender Enterokolitis (NEC) assoziiert. Als Mechanismen werden die geringere Exposition zu Kuhmilch-Antigenen und die Weitergabe von HMO und Lactoferrin diskutiert. Es konnten ebenfalls Unterschiede in der Darmflora bei verschiedenen Ernährungsformen beobachtet werden.

Bisher ist die Datenlage zu dieser Thematik noch dünn. Eine Forschungsgruppe um Dr. Embleton aus England untersuchte daher die Auswirkungen der Ernährung auf die Darmflora und das klinische Outcome bei Frühgeborenen. Als Studiendesign wählten sie eine RCT (randomisiert kontrollierte Studie) und stellten die Hypothese auf, dass sich die bakterielle Vielfalt im Darm sowie Anteile spezifischer Bakterientaxa zwischen den Versuchsgruppen aufgrund der unterschiedlichen Ernährung unterscheiden, weshalb Frühgeborene von der ausschließlichen Ernährung mit Humanmilch profitieren würden [2].

Untersuchung der Darmflora bei unterschiedlicher Ernährung

In die Studie eingeschlossen wurden Kinder, die vor der 30. Schwangerschaftswoche geboren wurden und in den ersten 72 Stunden keine andere Nahrung als Muttermilch erhielten. Im Anschluss wurden die Frühgeborenen in zwei Studiengruppen aufgeteilt. Alle bekamen als Ausgangsnahrung Muttermilch und lediglich bei einem Mangel wurde auf verschiedene Alternativnahrung zurückgegriffen. In der Interventionsgruppe kam in diesem Fall ein fütterungsfertiges pasteurisiertes Humanmilchprodukt zum Einsatz. Die Kontrollgruppe bekam bei einem Mangel Formula-Babymilch.

Zur Auswertung wurden demografische Daten und Outcomes aus der National Neonatal Research Database Großbritanniens sowie lokale medizinische Daten bezogen. Es wurden Stuhlproben zu fünf verschiedenen Zeitpunkten aus den Windeln gesammelt und im Anschluss analysiert. Die erste Probe und Ausgangswert war die des Studieneintritts. Weitere Proben wurden am zehnten Lebenstag, bei voller Fütterung, am 21-28. Lebenstag und als finale Probe im postmenstruellen Alter von 34 Wochen genommen.

Als Endpunkte wurden das Profil des Darmmikrobioms einschließlich Alpha- und Beta-Diversität sowie das Vorhandensein bestimmter Bakterientaxa gewählt [2].

Ernährung mit Muttermilch ohne signifikante Auswirkungen

Insgesamt wurden 126 Frühgeborene in die Studie eingeschlossen. Das mittlere Gestationsalter lag bei 27 Wochen, mit einem mittleren Geburtsgewicht von etwa 920 g.

Die Untersuchung der Stuhlproben ergab keine signifikanten Unterschiede in der Menge oder Diversität der Bakterien der kindlichen Darmflora. Ebenfalls gab es in beiden Studiengruppen keine Unterschiede in Bezug auf die Zeit bis zu Vollkost, das Auftreten von nekrotisierender Enterokolitis oder wichtige neonatale Morbidität.

Diese Ergebnisse legen nahe, dass pasteurisierte Humanmilch (oder aus Humanmilch gewonnene Produkte) keinen signifikanten Einfluss auf die Darmbakterien ausüben, wenn sie zusätzlich zu Muttermilch verwendet werden [2].

Weitere Studien zu den Auswirkungen von Muttermilch erforderlich

Wichtig ist jedoch, dass Muttermilch in dem vorliegenden Studiendesign sowohl in der Interventions- als auch Kontrollgruppe als Basisernährung gewählt wurde. Zudem sind die Mechanismen, mit denen Muttermilch reduzierend auf Krankheiten und Morbidität wirkt, noch unzureichend erforscht. Möglicherweise hat die Säuglingsernährung Auswirkungen auf die Gesundheit oder Krankheit, ohne dass sich die Darmmikrobiota verändern, zum Beispiel durch Auswirkungen auf das Darmepithel.

Insgesamt lässt sich festhalten, dass weitere Studien notwendig sind, um metabolomische Korrelate der Ernährung untersuchen, weitere Erkenntnisse zu gewinnen und damit das optimale klinische Vorgehen zu bestimmen [2].

Autor:
Stand:
05.04.2023
Quelle:
  1. Andreas et al. (2015): Human breast milk: A review on its composition and bioactivity. Early Human Development (2015). DOI: 10.1016/j.earlhumdev.2015.08.013
  2. Embleton et al. (2023): Effect of an Exclusive Human Milk Diet on the Gut Microbiome in Preterm Infants. A Randomized Clinical Trial. Jama Network Open (2023). DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2023.1165
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