Weite Teile der sexuell aktiven Bevölkerung infizieren sich zumindest einmal im Leben mit Humanen Papillomviren (HPV). In den meisten Fällen geschieht dies recht zeitnah nach Beginn der sexuellen Aktivität. Hochrisiko-HPV-Typen können dabei zu verschiedenen Krebsarten im anogenitalen oder oropharyngealen Bereich führen. Den größten Anteil stellen dabei Zervixkarzinome bei Frauen dar.
STIKO empfiehlt HPV-Impfung
Seit einiger Zeit steht ein effektiver und verträglicher Impfstoff zum Schutz vor diesen Krebsarten zur Verfügung, der von Ständigen Impfkommission (STIKO) für Mädchen und Jungen in einem Alter von neun bis 14 Jahren empfohlen wird. Die WHO und die EU-Kommission verfolgen bis zum Jahr 2030 das Ziel, eine Impfquote von 90% bei Mädchen sowie eine merkbare Steigerung bei Jungen – jeweils im Alter von 15 Jahren – zu erreichen. Durch rechtzeitige Impfungen gegen HPV wäre es möglich, die meisten der fast 8.000 neuen durch HPV bedingten Krebsfälle jährlich in Deutschland zu verhindern [1].
Obwohl die Impfung bis zu einem Alter von 18 Jahren nachgeholt werden kann, bietet sie den besten Schutz, wenn sie frühzeitig (neun bis 14 Jahre) verabreicht wird. Die Impfquoten für vollständige Impfserien liegen in Deutschland jedoch nur bei 54% bei 15-jährigen Mädchen sowie bei 27% bei Jungen und damit noch weit unter den von der WHO angestrebten Zielen [2]. Aus diesem Grund ist es sinnvoll zu versuchen, die HPV-Impfquote in Deutschland zu steigern.
InveSt HPV untersucht Maßnahmen zur Impfquotensteigerung
Das vom Bundesministerium für Gesundheit geförderte Projekt „InveSt HPV“ (Interventionsstudie zur Steigerung der HPV-Impfquoten in Deutschland) beschäftigt sich mit verschiedenen Maßnahmen zur Steigerung der HPV-Impfquote. Dies geschieht im Rahmen von zwei Studienmodulen. Mit deren Hilfe soll bewerten werden, ob bestimmte Ansätze dafür geeignet sind, die HPV-Impfquoten zu steigern.
Erinnerungssysteme – Vorteile und Hürden
Das erste Modul versucht dabei herauszufinden, warum Erinnerungssysteme für die HPV-Impfung in Deutschland nicht flächendeckend genutzt werden – trotz der Tatsache, dass verschiedene Studien die Wirksamkeit derartiger Systeme belegen. Hierbei werden Kinderarztpraxen dahingehend befragt, wie es sich mit dem Umfang und der Art der Nutzung von Erinnerungssystemen für die HPV-Impfung verhält. Ebenso wird eruiert, welche Hürden und Anreize es für die Nutzung gibt. Zusätzlich zielt eine Befragung von Eltern mit Kindern von neun bis 14 Jahren auf die Erfahrungen mit Erinnerungs- und Einladungssystemen sowie auf Akzeptanz und Präferenzen ab.
Gesetzliche Krankenkassen werden ebenfalls einbezogen und ihre Nutzung von Erinnerungssystemen für die HPV-Impfung untersucht. Zusammen mit einer systematischen Literaturrecherche zur Wirksamkeit von Erinnerungssystemen sollen die Ergebnisse aus den Befragungen zur Entwicklung konkreter Vorschläge führen, sodass vorhandene Hürden für den Einsatz von Erinnerungssystemen beseitigt werden können und ihre Anwendung und Akzeptanz gesteigert wird.
Verbesserte Kommunikation in der Praxis
In Deutschland werden Impfungen hauptsächlich in Arztpraxen durchgeführt. Die Kommunikation zwischen Arzt und Patienten stellt somit einen ausschlaggebenden Faktor für Impfentscheidungen dar. Gerade Gespräche über die HPV-Impfung werden als herausfordernd eingeschätzt. Das Vorwissen ist oftmals geringer Natur und das Thema „sexuelle Kontakte“ ist häufig mit Scham behaftet.
Vor diesem Hintergrund untersucht Modul zwei einen speziellen, innovativen Schulungsansatz zur Gesprächsführung. Mit dem sogenannten „Motivational Interviewing“ werden Ärzte und medizinisches Fachpersonal auf das Führen von Gesprächen geschult. So kann möglichen Bedenken impfkritischer oder unsicherer Personen während der HPV-Impfaufklärung adäquat begegnet werden.
Die Effektivität des Motivational Interviewings wird anhand einer randomisierten, kontrollierten Intervention untersucht, bei welcher die teilnehmenden Praxen drei Interventionsarmen zugeteilt werden. Mögliche Impfquotensteigerungen durch Schulungen zu Motivational Interviewing können so mit klassischen Schulungen zur HPV-Impfung vor dem Hintergrund einer Kontrollgruppe verglichen werden.
Abschließender Workshop beurteilt Maßnahmen
Insgesamt soll in einem abschließenden Workshop mit verschiedenen Akteuren des Gesundheitswesens beurteilt werden, welche Maßnahmen zur Impfquotensteigerung geeignet sind und ob sich ausgehend von den Ergebnissen der Studie weitere Lösungsvorschläge ableiten lassen. Gegebenenfalls werden fortführende Projekte geplant [1].









