Hinweis auf hohe Skoliose-Prävalenz bei Kindern

Pädiatrische Vorsorge ist entscheidend für die Früherkennung von Krankheiten, es mangelt jedoch an orthopädischen Untersuchungen. Dieses Defizit wird durch die Ergebnisse des Projektes OrthoKids verdeutlicht, was den Bedarf an erweiterten Vorsorgemaßnahmen aufzeigt.

Skoliose Junge

Die regulären kinderärztlichen Vorsorgeuntersuchungen (U- und J-Untersuchungen) spielen eine zentrale Rolle in der Prävention und Früherkennung von Krankheiten und Entwicklungsstörungen bei Kindern und Jugendlichen. Bislang sind jedoch keine spezifischen orthopädischen Vorsorgeuntersuchungen in der Regelversorgung vorgesehen. Dies kann dazu führen, dass orthopädische Auffälligkeiten bei Kindern übersehen oder zu spät erkannt werden.

Das OrthoKids-Projekt

Um diese Lücke zu schließen, wurde das Präventionsprojekt OrthoKids ins Leben gerufen. Gefördert wird das Projekt durch den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) mit der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) als Konsortialführer und Projektleiter.

Ziel von OrthoKids ist es, das Angebot an Früherkennungs- und Präventionsmaßnahmen um eine orthopädische Vorsorgeuntersuchung zu erweitern. Damit soll die Gesundheitsversorgung insbesondere vor und während der Pubertät – einem kritischen Zeitraum für diagnostische und therapeutische Interventionen – verbessert werden. Durch die Früherkennung orthopädischer Probleme können rechtzeitig geeignete Behandlungen eingeleitet werden, die nicht nur spätere Therapien vermeiden, sondern auch invasive Eingriffe reduzieren und damit die Gesundheitssysteme entlasten.

Innerhalb eines Jahres wurden dafür fast 12.000 Kinder untersucht, viele davon im Rahmen von Schul- und Gruppenuntersuchungen. Zusätzlich steht eine kostenlose App für Ärzte, Kinder und Eltern zur Verfügung. In dieser können Befunde von Ärzten dokumentiert werden, Kinder und Eltern erhalten zusätzliche Informationen und Übungsangebote.

Vorläufige Ergebnisse: hohe Skoliose-Prävalenz

Die Auswertung der vorläufigen Daten deutet darauf hin, dass etwa 6% der untersuchten Kinder Anzeichen einer Skoliose aufweisen, gegenüber 3,8% in der Kontrollgruppe, die vom Institut für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie ermittelt wurde.

Prof. Thomas Wirth vom Klinikum Stuttgart, ein Kooperationspartner von OrthoKids, betont jedoch die Notwendigkeit einer gründlichen Datenanalyse, bevor definitive Schlüsse gezogen werden können. „Ob sich wirklich eine höhere Inzidenz für Skoliose als derzeit bekannt belegen lässt, können wir im Moment noch nicht sagen. Die Datenlage muss erst noch genau ausgewertet werden.“ Die endgültigen Ergebnisse werden in den nächsten Monaten erwartet und sollen Mitte des kommenden Jahres veröffentlicht werden.

Haltungsschäden mit Erwachsenen vergleichbar

Dr. Yvonne Ebel aus Wernau, eine der am Projekt OrthoKids beteiligten Orthopädinnen, hat im Rahmen des Projekts über 250 Kinder untersucht. Sie war überrascht über die vielen Haltungsschäden und die häufigen starken Verspannungen im Nacken- und Rückenbereich, die sie bei den Kindern feststellte – ähnlich den Beschwerden, die man typischerweise bei Erwachsenen sieht.

Dr. Ebel betont, wie wichtig regelmäßige orthopädische Vorsorgeuntersuchungen sind und wie wertvoll die Aufklärungsarbeit bei den Eltern war: „Ich konnte für die Prävention sensibilisieren, das wäre ohne das Projekt nicht möglich gewesen.“

Präventionsarbeit für kommende Generationen

Aufgrund der vorläufigen Daten sieht Dr. Karsten Braun, Vorstandsvorsitzender der KVBW, die Notwendigkeit, diese Untersuchungen in den Katalog der regulären U- und J-Vorsorgeuntersuchungen aufzunehmen. Derzeit verhandelt die KVBW mit den Krankenkassen in Baden-Württemberg über eine Zwischenfinanzierung dieser wichtigen Vorsorgeleistung bis zum Abschluss des Projektes.

Die Ergebnisse von OrthoKids könnten weitreichende Auswirkungen auf die zukünftige Gesundheitsversorgung von Kindern in Deutschland haben. Durch die frühzeitige Erkennung und Behandlung von Skoliosen und anderen Haltungsschäden können langfristig bessere Gesundheitsergebnisse erzielt und das Wohlbefinden der nächsten Generationen nachhaltig verbessert werden.

Autor:
Stand:
29.04.2024
Quelle:

Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW), Pressemitteilung, 26. März 2024

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