SMART NEO: Lebensrettende Innovation für die Kleinsten

Frühgeborene müssen häufig künstlich beatmet werden – ein riskanter, aber lebensnotwendiger Vorgang. Forschende der FAU Erlangen-Nürnberg entwickeln mit „SMART NEO“ ein automatisiertes Absaugsystem, das den Unterdruck selbstständig reguliert und so Lungenschäden verhindern soll.

Frühgeburt

Frühgeborene sind oft zu schwach, um eigenständig zu atmen, und benötigen eine künstliche Beatmung. Dabei müssen ihre empfindlichen Atemwege regelmäßig von Schleim und Flüssigkeit befreit werden – ein Eingriff, der derzeit manuell erfolgt und höchste Präzision verlangt. Forschende der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und des Universitätsklinikums Erlangen (UKER) entwickeln mit „SMART NEO“ ein System, das diesen Vorgang automatisch und schonend reguliert. Gefördert mit 300.000 Euro vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie soll bis 2027 ein klinisch erprobter Prototyp entstehen.

Risiken der bisherigen Praxis

Das manuelle Absaugen birgt erhebliche Gefahren für die noch unreifen Lungen der Frühgeborenen. Bereits minimale Schwankungen im Unterdruck können zu Gewebeschäden oder Blutungen führen, die bleibende Lungenschäden hinterlassen. Dr. Navid Bonakdar vom Lehrstuhl für Biophysik der FAU möchte mit SMART NEO das Pflegepersonal entlasten und die Sicherheit der Babys erhöhen. Das Ziel ist, das Risiko für lebenslange Komplikationen deutlich zu senken und die Versorgungsqualität auf Intensivstationen nachhaltig zu verbessern.

Technologie, die mitdenkt

Bisher wird der Druck beim Absaugen weder gemessen noch automatisch reguliert – ein Zustand, der sich seit Jahrzehnten kaum verändert hat. SMART NEO soll diesen Prozess revolutionieren, indem es den Unterdruck in Echtzeit überwacht und intelligent steuert. Das System erkennt, ob Luft oder Flüssigkeit abgesaugt wird, und passt die Saugkraft entsprechend an, um gefährliche Druckspitzen zu vermeiden. Dadurch sinkt die Belastung des empfindlichen Lungengewebes erheblich, während gleichzeitig die Arbeitsabläufe des medizinischen Personals optimiert werden.

Interdisziplinäre Forschung als Schlüssel

Die Entwicklung von SMART NEO beruht auf enger Zusammenarbeit zwischen Medizin, Technik und künstlicher Intelligenz. Neben Dr. Bonakdar, Prof. Dr. Patrick Morhart und Dr. Frederick Krischke vom UKER sind Fachleute aus der Regelungstechnik, Strömungsmechanik, Biomedizin und Neonatologie beteiligt. Das Projektteam um Prof. Knut Graichen, Prof. Andreas Kist, Prof. Stefan Becker, Prof. Joachim Wölfle und Prof. Heiko Reutter vereint unterschiedliche Disziplinen zu einer innovativen Gesamtlösung. Nur durch das Zusammenspiel von klinischem Wissen, technischer Innovation und künstlicher Intelligenz ist es möglich, diese neue Generation medizinischer Geräte zu realisieren.  

Ein Schritt in die Zukunft der Neonatologie

Mit SMART NEO wollen die Forschenden eine Lücke schließen, die bisher aus wirtschaftlichen Gründen kaum adressiert wurde. Die automatisierte Druckregulierung könnte zum neuen Standard in der Intensivversorgung von Frühgeborenen werden. Sie verspricht nicht nur eine höhere Patientensicherheit, sondern auch eine spürbare Entlastung des Pflegepersonals. Damit setzt das Erlanger Team ein starkes Zeichen für den verantwortungsvollen Einsatz moderner Medizintechnik im Dienst der kleinsten Patienten.

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