Was bringt eine „Zuckersteuer“?
Immer wieder werden auch in Deutschland Stimmen laut, die eine Steuer auf stark gezuckerte Lebensmittel fordern, um Kinder vor übermäßigem Verzehr zu schützen. Ob diese Maßnahmen die Gesundheit von Kindern tatsächlich positiv beeinflussen würden, ist umstritten. Umso interessanter sind die Ergebnisse einer amerikanischen Kohortenstudie an 6313 Kindern aus Seattle, die untersuchte, wie die dortige Steuer auf Softdrinks sich auf den Body-Mass-Index (BMI) von Kindern auswirkt. Umgerechnet 1,61 Eurocent pro 30 ml müssen Verbraucher dort zusätzlich entrichten. Das erhöht den Preis für 600 ml eines Softdrinks um ca. 32 Eurocent.
Die Studie im Einzelnen
Die untersuchten Kinder lebten konstant im Stadtgebiet Seattle, waren zwischen 2 und 18 Jahren alt und mussten im Zeitraum zwischen 2015 und 2019 mindestens einmal jährlich gewogen worden sein. Als Kontrollgruppe wurden Kinder aus dem unmittelbaren Umland herangezogen, in dem keine Steuer auf Softdrinks entfiel. Als Ausschlusskriterien galten extrem hohe oder niedrige initiale Messwerte für Größe und/oder Gewicht zu Beginn des Beobachtungszeitraums, Schwangerschaften, Krebserkrankungen oder eine bariatrische Operation. Die Ergebnisse wurden um zahlreiche Faktoren wie Geschlecht, Alter, ethnische Zugehörigkeit, Versicherungsstatus sowie Armut in der Nachbarschaft und komplexe pädiatrische Vorerkrankungen bereinigt.
Als Messparameter für die Gewichtsentwicklung diente der sog. BMIp95-Wert. Dabei wird das 95. Perzentil des BMI für das Alter und Geschlecht des Kindes anhand der CDC-Wachstumskurven (Clinical Growth Charts) bestimmt und der BMI des Kindes dazu ins Verhältnis gesetzt.
Signifikanter, wenn auch kleiner Unterschied
Die untersuchten 6313 Kinder waren im Schnitt 7,7 Jahre alt. Die Steuer auf gesüßte Getränke in Seattle war mit einem durchschnittlichen Rückgang des BMIp95 um 0,90 Prozentpunkte verbunden im Vergleich zur Kontrollgruppe. Der Rückgang war somit zwar klein, aber statistisch signifikant (95%-KI −1,20 bis −0,60; p<0,001).
Frühere Studien in Philadelphia, San Francisco und Oakland hatten ebenfalls über einen durchschnittlichen Rückgang des BMI von Kindern nach der Einführung einer Getränkesteuer berichtet. In Seattle und Philadelphia ging das Verkaufsvolumen durch diese Maßnahme um 21% zurück. Zudem wurde den Getränken dort im Verlauf weniger Zucker zugesetzt.
Die Forschenden sehen in ihren Ergebnissen einen Hinweis darauf, dass Steuern auf gesüßte Getränke eine wirksame Maßnahme zur Verbesserung des BMI von Kindern sein können.










