Reduziert vielfältige Beikost das Risiko für Nahrungsmittelallergien?

Nahrungsmittelallergien sind ein wachsendes Gesundheitsproblem, das bereits im frühen Kindesalter beginnt. Welche Rolle spielt die Ernährung im ersten Lebensjahr für die Entstehung von Allergien? Eine aktuelle Studie untersucht den Einfluss der Beikostvielfalt auf das Allergierisiko.

Beikost

Ernährung könnte die Entwicklung von Nahrungsmittelallergien beeinflussen

Nahrungsmittelallergien sind ein zunehmendes gesundheitliches Problem. Sie können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen und stellen eine große Herausforderung für die Betroffenen und deren Familien dar. Die mögliche Prävention einer Nahrungsmittelallergie ist daher von großem Interesse. Obwohl die Allergieprädisposition vererbt wird, könnte die Ernährung im Kleinkindalter einen großen Einfluss auf die Entwicklung des adaptiven Immunsystems und auf Allergien haben. Dies konnte in früheren Studien bereits für Eier und Erdnüsse gezeigt werden. 

Welchen Einfluss hat die Beikost auf das Allergierisiko?

Der Einfluss einer vielfältigen Beikost auf das Allergierisiko ist hingegen weniger gut untersucht. Eine größere Ernährungsvielfalt im ersten Lebensjahr könnte zur Vorbeugung von Nahrungsmittelallergien bei Kindern beitragen. Auch der Zeitpunkt der Einführung, die Menge, das Intervall und die Regelmäßigkeit des Verzehrs eines Allergens spielen hierbei eine Rolle.

Aktuelle Studie untersuchte den Einfluss der Beikost-Diversität auf das Allergierisiko

Daher untersuchte eine aktuelle schwedische bevölkerungsbasierte Geburtskohortenstudie, ob eine vielfältige Beikost im Alter von neun Monaten das Risiko für Nahrungsmittelallergien im Alter von 18 Monaten beeinflusst. Hierfür baten die Wissenschaftler die Eltern von 2.060 Säuglingen, Fragebögen zur Häufigkeit des Verzehrs und zum Zeitpunkt der Einführung bestimmter Lebensmittel auszufüllen. Sie ermittelten den gewichteten Diversitäts-Score, der die Häufigkeit des Verzehrs von 14 Lebensmittelgruppen im neunten Lebensmonat berücksichtigt. Die Diagnose einer Nahrungsmittelallergie galt als gestellt, wenn die Eltern eine ärztlich bestätigte Allergie im Alter von neun oder 18 Monaten angaben.

5 % der Kinder hatten im Alter von 18 Monaten eine Lebensmittelallergie

Bei 4,9 % der Kinder (n=100) lag im Alter von 18 Monaten die Diagnose „Lebensmittelallergie“ vor. 69 von ihnen litten an einer Kuhmilchallergie, 35 an einer Eiallergie, sieben an einer Weizenallergie, sieben an einer Erdnussallergie, vier an einer Allergie auf Soja, drei an einer Nussallergie, einer an einer Fischallergie und 30 der Kinder zeigten multiple Allergien. 

Verringert eine vielfältigere Beikost das Allergierisiko?

Bei den Kindern, die ohne Allergiediagnose blieben, berichteten die Eltern vier bis sechs Allergene um den neunten Lebensmonat eingeführt zu haben (98,9 %). Säuglinge, die bis zu diesem Alter einen höheren Diversitätsscore hatten, entwickelten 61 % weniger wahrscheinlich eine Nahrungsmittelallergie bis zum Alter von 18 Monaten verglichen mit Säuglingen, die eine weniger abwechslungsreiche Beikost bekamen. 

Die Einführung von 13–14 verschiedenen Lebensmitteln bis zum neunten Lebensmonat war mit einer 45 %-igen Reduktion des Allergierisikos assoziiert, verglichen mit Kindern, bei denen null bis zehn Lebensmittel in die Ernährung integriert wurden. 

H2: Eine frühere Einführung der Beikost scheint keinen schützenden Effekt zu haben.

Bei den Kindern, bei denen Lebensmittelallergene um den sechsten Lebensmonat eingeführt wurden, zeigte sich keine Assoziation zum Risiko für Lebensmittelallergien im Alter von 18 Monaten.

Welche Kinder profitierten am meisten von vielfältiger Ernährung?

Der schützende Effekt einer hohen Ernährungsvielfalt war besonders bei Kindern mit Ekzemen und bei Kindern ohne familiäre Allergieanamnese ausgeprägt

Erhöht kommerzielle Säuglingsmilch das Allergierisiko?

Die Studie zeigte, dass Kinder, die sowohl gestillt als auch mit gekaufter Säuglingsmilch ernährt wurden, sowie Kinder, die ausschließlich kommerzielle Säuglingsmilch erhielten, ein höheres Allergierisiko hatten als ausschließlich gestillte Kinder.

Fazit für die Klinik: Einführung vielfältiger Beikost ab dem neunten Lebensmonat zur Allergieprävention

Die Studienautoren kamen zu dem Ergebnis, dass eine vielfältige Beikost ab dem Alter von neun Monaten das Risiko für die Entwicklung von Nahrungsmittelallergien reduziert. Dies könnte durch die Förderung der oralen Toleranzentwicklung erklärt werden, bei der das Immunsystem lernt, harmlose Nahrungsmittelproteine zu tolerieren. Es scheint also vorteilhaft zu sein, eine vielfältige Beikost ab dem neunten Lebensmonat einzuführen. Hiervon scheinen Kinder mit Ekzemen besonders zu profitieren.

Autor:
Stand:
04.04.2025
Quelle:

Boden et al. (2025): Diversity of complementary diet and early food allergy risk. Pediatric Allergy and Immunology.

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