Asthma bronchiale ist eine entzündliche Atemwegserkrankung. Es ist bekannt, dass sich Asthmasymptome über Nacht verschlechtern. Zudem haben Menschen, die nachts arbeiten, verglichen mit Menschen, die tagsüber arbeiten, ein höheres Risiko für ein moderat bis schweres Asthma – vermutlich aufgrund des unterbrochenen Tag-Nacht-Rhythmus.
Frauen häufiger von Asthma betroffen als Männer
Frauen sind zudem häufiger und stärker von der Erkrankung betroffen als Männer. Studien zeigten, dass bei Frauen die Hormone in der Pathogenese eine Rolle spielen könnten. Auch Östrogene regulieren die zirkadiane Uhr. Zeitverschiebung durch Schichtarbeit kann zirkadiane Rhythmen und Hormonhaushalte stören.
Gibt es geschlechterspezifische Unterschiede in der Assoziation zwischen Schichtarbeit und Asthma?
Obwohl Nachtarbeit mit Asthma assoziiert ist, war bislang unklar, ob Frauen anders betroffen sind als Männer. Diese Frage zu beantworten, setzte sich die hier vorgestellte Studie zum Ziel und prüfte zusätzlich den Einfluss von Chronotyp, Hormonstatus und Menopause. Hierfür wurden insgesamt 274.541 erwerbstätige Studienteilnehmer der UK Biobank (Alter 40–69 Jahre) untersucht. Von ihnen litten 13.589 (5,3 %) an Asthma. Von diesen wurden 4.549 (1,9 %) als moderat bis schwer betroffen klassifiziert.
Weibliche Probanden mit Nacharbeit hatten höheres Risiko für Asthma - Männer nicht
Die Wissenschaftler fanden heraus, dass Frauen mit regelmäßigen Nachtschichten im Vergleich zu Studienteilnehmerinnen, die tagsüber arbeiteten, ein höheres Risiko hatten, ein Asthma zu entwickeln. Zudem war ihr Risiko erhöht, ein moderat-schweres Asthma zu haben. Außerdem erhöhte sich das Risiko mit der Anzahl der monatlichen Nachtschichten. Bei Männern konnte hingegen keine entsprechende Assoziation festgestellt werden.
Postmenopausale Frauen hatten höheres Risiko für moderat-schweres Asthma – Hormonersatztherapie wirkte protektiv
Ähnliche Assoziationen fanden sich bei postmenopausalen Frauen, die keine Hormonersatztherapie nutzten. Frauen, die eine Hormonersatztherapie bekamen, zeigten hingegen kein erhöhtes Risiko mehr. Eine Hormonersatztherapie scheint somit bei postmenopausalen Frauen einen protektiven Effekt zu haben.
Testosteron und Sexualhormonbindendes Globulin scheinen protektiven Effekt gegenüber moderat-schwerem Asthma zu haben
Die Forscher erachteten insbesondere Unterschiede in den Geschlechtshormonen als ursächlich für die beobachteten Studienergebnisse. Höhere Spiegel von Testosteron und Sexualhormonbindendem Globulin scheinen einen protektiven Effekt zu haben. Zwischen dem Östradiollevel und dem Vorhandensein eines moderat-schweren Asthma hingegen konnten die Studienautoren keine Assoziation finden. Allerdings gab es diesbezüglich einige Einschränkungen, wie beispielsweise niedrige Östradiollevel aufgrund des Alters der untersuchten Frauen.
Bedeutung der Studienergebnisse für die Klinik
Als mögliche klinische Konsequenz aus den Studienergebnissen sollte insbesondere bei Frauen im Nacht- oder Schichtdienst das erhöhte Asthmarisiko beachtet werden. Postmenopausale Frauen scheinen besonders gefährdet zu sein. Eine hormonelle Therapie könnte das Risiko reduzieren – dies sollte in prospektiven und randomisierten kontrollierten Studien geprüft werden. Eine Anpassung von Dienstplänen (z. B. rotierend statt permanent nachts) könnte präventiv einer Asthmaentwicklung bei Frauen entgegenwirken.








