Studie: Einweg-E-Zigaretten machen offenbar schneller von Nikotin abhängig

Die Nutzung von Einweg-E-Zigaretten führt bei jungen Erwachsenen offenbar deutlich schneller in die Abhängigkeit als bisher angenommen. Experten warnen: Der Trend zu E-Zigaretten und Nikotinprodukten unter Jugendlichen nimmt bedenkliche Ausmaße an. Auch die Zahl der Tabaksüchtigen steigt drastisch an.

Junge Frau vaping

Meldung

Der Konsum von Einweg-E-Zigaretten hat sich unter jungen Menschen zu einem großen Trend entwickelt. E-Zigaretten, Vapes und ähnliche Produkte werden oft als vermeintlich harmlose Lifestyle-Produkte wahrgenommen. Dem widersprechen aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse. Eine Studie des LMU-Klinikums München zeigt, dass Einweg-E-Zigaretten junge Erwachsene schneller und stärker nikotinabhängig machen könnten als bislang angenommen.

LMU-Studie: Schneller Einstieg in die Sucht

In der Untersuchung wurden 18 junge Erwachsene zwischen 19 und 28 Jahren gebeten, verschiedene Produkte zu testen: Zwei Sorten Einweg-E-Zigaretten, eine nachfüllbare E-Zigarette und eine normale Tabakzigarette. Dabei wurde gemessen, wie viel Nikotin in welchem Zeitraum ins Blut gelangt. 

Das Ergebnis war überraschend: Einweg-E-Zigaretten führten zu Nikotinkonzentrationen im Blutplasma von bis zu 7,1 ng/ml. Das entspricht dem Niveau herkömmlicher Zigaretten (8,1 ng/ml). Der Nikotinspiegel stieg bei den Einwegprodukten bereits in der ersten Minute nach Konsumbeginn am stärksten an. Die maximale Nikotinkonzentration wurde bei den E-Zigaretten bereits nach fünf bzw. sechs Minuten erreicht. Bei klassischen Zigaretten wird die höchste Nikotinkonzentration erst nach acht Minuten gemessen.

Autoren: Ergebnis „überrascht nicht nur, es beunruhigt uns sehr“ 

„Dass die neuen Einweg-E-Zigaretten eine so schnelle und hohe Nikotinabgabe bieten, überrascht nicht nur, es beunruhigt uns sehr“, so PD Dr. Tobias Rüther, Oberarzt am LMU-Klinikum und Letztautor der Studie. In der Tabakambulanz der LMU fallen demnach zunehmend junge Erwachsene aus, die von Tabakersatzprodukten stark abhängig seien und vorher nicht geraucht hätten.

Nach Einschätzung der Forschergruppe fördern die niedrigschwellige Verfügbarkeit, das ansprechende Design und die Vielfalt an süßen oder fruchtigen Geschmacksrichtungen die Verharmlosung der E-Zigaretten und tragen entscheidend zur schnellen Suchtentwicklung bei. Die Forscher fordern eine verstärkte Beobachtung von Verkaufs- und Konsumtrends sowie eine Verschärfung der Regulierungen, beispielsweise durch Beschränkungen bei Aromen, Verpackungsgestaltung und Werbeformen inklusive Social Media. Zusätzlich empfiehlt das Forschungsteam flächendeckende Aufklärungskampagnen über die Risiken von Einweg- E-Zigaretten. „Nur mit klaren Regeln und gezielter Prävention können wir verhindern, dass eine neue Generation ungewollt in die Nikotinsucht abrutscht", so Rüther.

Kardiologen schlagen Alarm

Auch die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) warnt eindringlich vor dem steigenden Nikotinkonsum unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Die DGK weist darauf hin, dass auch moderne Nikotinprodukte wie Vapes, Nikotinbeutel oder E-Zigaretten fatale Folgen für die Herz-Kreislauf-Gesundheit mit sich bringen. „Nikotin wirkt toxisch auf die Gefäße und erhöht das Risiko für Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall“, so Professor Dr. med. Heribert Schunkert, Vorsitzender der DGK. „Besonders dramatisch ist, dass viele junge Menschen nicht realisieren, dass auch moderne Produkte wie Vapes gesundheitsschädlich und süchtig machend sind.“ Auch die DGK fordert daher strengere gesetzliche Regelungen, eine klare Kennzeichnung der Inhaltsstoffe und ein Verbot von Werbung, die sich gezielt an Jugendliche richtet.

KKH meldet dramatischen Anstieg von Tabaksucht

Die Kaufmännische Krankenkasse (KKH) belegt die Problematik der Nikotinabhängigkeit mit konkreten Zahlen. Innerhalb von nur fünf Jahren sei die Zahl der tabaksüchtigen Versicherten um rund 40 Prozent gestiegen. Besonders junge Erwachsene zwischen 18 und 25 Jahren sind betroffen. „Diese Entwicklung ist alarmierend“, sagt Michael Gärtner, Präventionsexperte bei der KKH. „Wir sehen, dass der Trend zu neuen Konsumformen zur massiven Verbreitung der Nikotinabhängigkeit beiträgt.“ Nach Angaben der KKH leidet inzwischen etwa jeder Zehnte in der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen unter den gesundheitlichen Folgen von regelmäßigem Nikotinkonsum. Die Krankenkasse fordert mehr Prävention, bessere Aufklärung und politische Maßnahmen, um insbesondere junge Menschen vor der Sucht zu schützen.

Autor:
Stand:
21.07.2025
Quelle:
  1. LMU München: Einweg-E-Zigaretten bringen junge Erwachsene schneller in die Nikotinabhängigkeit als bisher angenommen
  2. Deutsche Gesellschaft für Kardiologie: Nikotinkonsum bei jungen Menschen gibt Anlass zur Sorge. DOI: https://herzmedizin.de/meta/presse/pressemitteilungen/2025/weltnichtrauchertag-nikotinkonsum-bei-jungen-menschen.html
  3. Kaufmännische Krankenkasse (KKH):  Bald atemlos? Zahl der Tabaksüchtigen stark gestiegen. DOI: https://www.kkh.de/presse/pressemeldungen/rauchenundcopd
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