In der europäischen Tabakkontrollskala ist Deutschland vom Schlusslicht in 2020 auf Platz 34 von 37 im Jahr 2021 gerückt.
Die Gründe für das immer noch so schlechte Abschneiden sind vielfältig, erklärte Professor Dr. Daniel Kotz vom Institut für Allgemeinmedizin des Universitätsklinikums Düsseldorf [1]:
- zu billiger Tabak,
- keine komplett rauchfreien Lebenswelten,
- zu niedrige Ausgaben für Aufklärungskampagnen,
- kein vollständiges Verbot von Werbung und Promotion,
- kein „Plain-Packaging“,
- keine flächendeckenden Therapieangebote,
- keine vollständige Erstattung der Therapiekosten.
Bei Rauchkontrolle ist Großbritannien Vorbild
Dass es anders geht, zeigt Großbritannien, derzeit mit Irland auf Platz 1 des europäischen Rankings. Dort gibt es seit 2007 eine Tabakkontrollstrategie mit konsequenteren Rauch- und Werbeverboten. Die Packung Zigaretten kostet 15 Euro. Es gibt ein flächendeckendes Angebot von Stop-Smoking-Services und Therapie- und Medikamentenkosten im Rahmen des Rauchstopps werden bezahlt. Das Resultat: In Großbritannien liegt die Rauchprävalenz nach Smoking in England derzeit bei 15%, in Deutschland nach der aktuellen DEBRA-Studie bei etwa 30%, sagte Kotz anlässlich des Pneumologie-Kongresses 2023 in Düsseldorf [2, 3]. Von den 14-17-Jährigen geben 15,9% an, Tabak zu rauchen, von den 18-24-Jährigen 40,8%, von den über 25-Jährigen 35,6%.
Die DEBRA-Studie
Die Deutsche Befragung zum Rauchverhalten (DEBRA) Studie ist eine zweimonatliche, repräsentative, persönlich-mündliche Befragung zum Konsum von Tabak und alternativen Nikotinabgabesystemen in der deutschen Bevölkerung. Sie wird von Kotz und Kollegen seit 2016 durchgeführt. Alle zwei Monate wird eine Zufallsstichprobe von etwa 2.000 Menschen im Alter ab 14 Jahren persönlich befragt. Dabei werden auch sozioökonomische Daten erhoben, erläuterte Kotz. Letztes Jahr wurde aufgrund der Legalisierungspläne der Bundesregierung auch der Cannabis-Gebrauch in die Abfrage aufgenommen.
E-Zigarette
2022 lag der Anteil der Befragten, die E-Zigaretten nutzten, bei 3%. Auffällig war ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr bei den 14-17-Jährigen von 0,5 auf 2,5% und bei den 18-24-Jährigen von 2,4% auf 4,0%. Das war vor allem auf eine vermehrte Nutzung von Einweg-E-Zigaretten zurückzuführen, z.B. die Elfbar. Dieses Nikotinprodukt gibt es in vielen Geschmacksrichtungen. „Das ist total ‚in‘ bei Jugendlichen“, meinte Kotz. Dabei werden klar Jugendliche adressiert und nicht etwa Raucher, die mit Hilfe der E-Zigarette ihren Tabakkonsum reduzieren oder stoppen wollen – ein lange von der Tabakindustrie verbreitetes Argument für die E-Zigarette. So kommen junge Menschen schnell in die Situation der Nikotinabhängigkeit und der Weg zur Tabakzigarette ist relativ kurz, sagte Kotz.
Alternative Nikotinprodukte
Zu den alternativen Nikotinabgabesystemen zählen neben den E-Zigaretten auch Tabakerhitzer, Nikotinbeutel und Wasserpfeife. Tabakerhitzer wie ICOS von Philipp Morris sind bislang trotz auffälliger Werbemaßnahmen eher ein Nischenprodukt, ergänzte er. Es geben zwar viele Befragte an, das „Dampfen“ irgendwann probiert zu haben, aber bislang hat es sich nicht als dauerhafte Alternative zur Zigarette oder E-Zigarette durchgesetzt, die aktuelle Nutzungsrate liegt bei 0,6%. Ebenfalls nur selten genutzt werden hierzulande Tabak-Pouches (aktuelle Konsumrate 0,1%), die sich in Skandinavien größerer Beliebtheit erfreuen. Das Wasserpfeife-Rauchen nimmt dagegen zu, die Rate des aktuellen Konsums liegt nach der DEBRA-Studie bei 2,7%. Häufig glauben die Anwender, dass durch das Wasser die Inhalation von verbranntem Tabak gesünder sei. Das ist aber nicht der Fall, betonte Kotz.
Cannabis-Konsum
In den letzten zwölf Monaten haben 4,6% der Befragten auch Cannabis konsumiert. Überraschend war, dass dieser Konsum bei den Jüngsten am höchsten war. 11,4% der 14-24-Jährigne gaben an im letzten Jahr Cannabis konsumiert zu haben, bei den 25-29-Jährigen waren es 8,2%, bei den 40- bis 64-Jährigen 3,1%, bei den über 65-Jährigen 0,4%. Bevorzugter Einnahmeweg war mit 83,4% das Rauchen – hier treffen also die Probleme des Tabakrauchens mit denen des Cannabis-Konsums zusammen. Die Legalisierung von Cannabis konterkariert damit auch Bemühungen um eine bessere Tabakkontrolle, glaubt Kotz.









