Die Regelmäßigkeit des Schlaf-Wachrhythmus beeinflusst exekutive Funktionen

Zwischen Schlaf, akuten Stressereignissen und exekutiven Funktionen bestehen Zusammenhänge. Akute Stressereignisse reduzieren insbesondere die Inhibition von neutralen und selbstrelevanten negativen Stimuli bei Menschen mit regelmäßigem Schlaf/Wach-Rhythmus.

zirkadianer Rhythmus

Schlaf und Stress beeinflussen exekutive Funktionen

Schlaf und Stress sind komplexe biobehaviorale Prozesse, die die exekutiven Funktionen und damit psychosoziale Interaktionen beeinflussen. Vor allem eine schlechte Schlafregulation kann zu Beeinträchtigungen der exekutiven Funktion führen.

Aber auch psychologischer Stress führt häufig zu Schlafbeschwerden und kann unabhängig davon die exekutiven Funktionen negativ beeinflussen.

Was sind exekutive Funktionen?

Exekutive Funktionen können in organisatorische und regulatorische Prozesse eingeteilt werden. Beispiele für organisatorische Funktionen umfassen die Aufmerksamkeit, das Arbeitsgedächtnis, die kognitive Flexibilität und das Planen. Die regulatorischen Funktionen beinhalten die Initiation oder Inhibition der Kognition, Selbstkontrolle und Regulation von Emotionen.

Beeinflusst die Regelmäßigkeit des Schlaf-/Wachrhythmus exekutive Funktionen?

Studien gaben Hinweise darauf, dass eine höhere Variabilität des Schlaf-/Wachrhythmus die inhibitorische Funktion und das Arbeitsgedächtnis negativ beeinflussen können.

Andere exekutive Funktionen, wie die Aufmerksamkeit, scheinen hingegen nicht so empfindlich gegenüber der Regelmäßigkeit des Schlaf-/Wachrhythmus zu sein.

Stress und Schlaf beeinflussen sich bidirektional

Stress führt über verlängerte Einschlaflatenzen und die Reduktion von Schlafdauer und -qualität oft zu einem Schlafmangel. Auf der anderen Seite führt auch ein dysfunktionaler Schlaf zu Stress.

Wie Stress, Schlaf und exekutive Funktionen zusammenhängen

Die Rate an wahrgenommenem Stress und schlechtem Schlaf ist in den letzten Jahren erheblich gestiegen. Um die Zusammenhänge zwischen Stressexposition, Schlaf und exekutiven Funktionen besser zu verstehen, untersuchte ein US-Team kürzlich 227 Freiwillige. 163 von ihnen waren männlich. Das durchschnittliche Alter betrug 52,51 Jahre.

In der 21 Tage andauernden APP-basierten Studie machten die Probanden dreimal täglich - vormittags zwischen sechs und zehn Uhr, nachmittags zwischen zwölf und 15 Uhr, abends zwischen 18 und 22 Uhr - Angaben zu ihrem Schlaf und Stresslevel.

Zudem führten sie zu den gleichen Uhrzeiten drei Aufgaben zur Prüfung exekutiver Funktionen aus. Die affektive Regulation und kognitive Inhibition wurden mit Hilfe des emotionalen Stroop Tests, die kognitive Flexibilität mit dem Trail Making Test (TMT) A und B sowie das Arbeitsgedächtnis über die Backwards Digit Span evaluiert.

Weniger akute Stressereignisse bei regelmäßigem Schlaf-/Wachrhythmus

Studienteilnehmer mit regelmäßigem Schlaf-Wach-Schema berichteten über weniger akute Stressereignisse verglichen mit denen mit inkonsistentem Schlaf/Wachrhythmus (p=0,046). Dazu passend antworteten die Probanden mit regelmäßigem Schlaf/Wach-Rhythmus schneller im Stroop Test (p=0,049). Teilnehmer mit mehr Stressereignissen antworteten langsamer im Test, was auf eine geringere Inhibition hindeutete.

Akute Stressereignisse beeinflussen kognitive Inhibition negativ

Die Studienautoren zeigten zudem, dass mit zunehmender Anzahl der akuten Stressereignisse Studienteilnehmer mit regelmäßigeren Schlafrhythmen eine längere Antwortzeit im Stroop Test hatten. Die kognitive Inhibition scheint also eine exekutive Funktion zu sein, die wohl besonders empfindlich auf die kombinierten Einflüsse von Stress und Schlaf reagiert.

Die Studienautoren erklärten dies damit, dass diese Teilnehmer unter dem Stresseinfluss wahrscheinlich vermehrt nachdenken müssen, so dass ihre Leistung sich verlangsamte. Ein durch höhere Stressexposition vermehrtes Nachdenken hatte allerdings keine höhere Genauigkeit induziert.

Durch regelmäßigen Schlaf Körperantwort auf Stress reduzieren

Die Studie deutet darauf hin, dass eine geringere Regelmäßigkeit des Schlaf-/Wachrhythmus zu einer verminderten Antwort gegenüber einer Stressexposition führt.  So zeigten die Teilnehmer mit irregulärem Schlaf/Wachrhythmus unabhängig von der Stressexposition keine Veränderung ihrer Leistung. Eine Schlafregelmäßigkeit könnte daher helfen, unsere natürliche Körperantwort gegenüber Stress zu erhalten.

Arbeitsgedächtnis und kognitive Flexibilität durch Stress nicht beeinflusst

Anders als bei der kognitiven Inhibition scheint die Anzahl der akuten Stressereignisse oder die Intensität des Stresses keinen Einfluss auf das Arbeitsgedächtnis und die kognitive Flexibilität zu haben.

Autor:
Stand:
10.06.2024
Quelle:

Gilmore et al. (2024): Sleep/wake regularity influences how stress shapes executive function. Frontiers in Sleep. DOI: https://doi.org/10.3389/frsle.2024.1359723

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