Haustest als Alternative zur Polysomnographie bei Verdacht auf obstruktive Schlafapnoe
Die obstruktive Schlafapnoe (OSA) betrifft etwa 5 % der Frauen und bis zu 14 % der Männer. Unbehandelt führt sie oft zu einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen und einer reduzierten Lebensqualität. Als diagnostischer Goldstandard gilt derzeit die Polysomnographie (PSG). Aufgrund der Komplexität und der Kosten ist sie nicht überall verfügbar. Eine Alternative stellt die Nutzung von häuslichen Tests dar, insbesondere bei Verdacht auf eine moderate bis schwere OSA. Die Haustestung bietet einige Vorteile, wie beispielsweise einen höheren Patientenkomfort, geringere Kosten und eine bessere Verfügbarkeit. Sie steht meist als Einzelkanal oder Multikanalgerät zur Verfügung, wird vom Patienten getragen und misst Parameter wie den Luftstrom, die Thoraxbewegung und die Sauerstoffsättigung.
Studie evaluiert Performance einer kontaktlosen OSA-Diagnostik mittels Doppler-Radar-Technologie
Eine Forschergruppe untersuchte nun ein kontaktloses OSA-Diagnostikgerät: „SleepizOne+“. Im Gegensatz zu den herkömmlichen Haustest-Geräten erfordert es keinen direkten Patientenkontakt, was den Komfort erhöht und potenziell die Akzeptanz verbessert. Es analysiert thorakale Bewegungen mittels Doppler-Radar-Technologie, um Atemmuster zu erkennen. Eine aktuelle prospektive Studie evaluierte kürzlich die diagnostische Performance des Gerätes zur Detektion einer OSA. Hierfür wurden 102 Patienten mit klinischem Verdacht auf OSA eingeschlossen. Zur Überprüfung des SleepizOne+ erhielten die Patienten auch eine PSG. Die Auswertung der PSG erfolgte durch zertifizierte Schlafmediziner, während die Daten des SleepizOne+ automatisiert ausgewertet wurden.
Hohe Diagnosesicherheit bei moderater bis schwerer OSA
Das SleepizOne+ zeigte eine 89,8 %-ige Übereinstimmung mit den PSG-Ergebnissen für alle OSA-Diagnosen. Die Sensitivität bzw. Spezifität des Gerätes lag bei einem Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) ≥ 5/h bei 89 % bzw. 88 %. Der negative prädiktive Wert betrug 0,62, während der positive prädiktive Wert 0,97 war. Die Studienautoren weisen darauf hin, dass die Untersuchung mit dem SleepizOne+ möglicherweise nicht ausreicht, um eine OSA sicher auszuschließen. Bei Patienten mit einer moderaten bis schweren OSA im SleepizOne+ Gerät (Apnoe-Hypopnoe Index ≥ 15 /h) lag die diagnostische Übereinstimmung mit der PSG bei 100 %. Bei einem AHI-Wert von ≥ 5 /h in der PSG betrug die diagnostische Übereinstimmung mit dem kontaktlosen Gerät knapp 90 %.
Einschränkungen bei der korrekten Erfassung des OSA-Schweregrades mit SleepiZone+
Betrachtete man die Übereinstimmung der OSA-Schweregrade zwischen den Ergebnissen der PSG und denen des SleepizOne+ Geräts betrug diese bei Patienten mit schwerer OSA 76 %, bei moderater OSA nur 38 % und bei leichter OSA 50 %.
SleepizOne+ - Potential und Limitationen
Die Studienergebnisse betonen das Potenzial des SleepizOne+ in der kontaktlosen Detektion von OSA, insbesondere bei einem Cut-Off AHI-Wert von ≥ 15 /h. Die geringere Genauigkeit bei der Schweregradeinstufung stellt jedoch eine klinisch relevante Einschränkung dar, da sie entscheidend für die Therapieentscheidung ist. Beachtet werden muss weiterhin, dass das SleepizOne+ Gerät nicht zwischen zentralen und obstruktiven Apnoen differenzieren kann. Die Integration zusätzlicher Parameter, wie der Sauerstoffsättigung, könnte die diagnostische Genauigkeit weiter verbessern, wie die Studienautoren zeigten. Für eine umfassende Diagnostik und Therapieplanung bleibt die Polysomnographie derzeit unerlässlich.









