Die führenden Verbände der Gesundheitsversorgung, ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekenverbände, die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG), die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) sowie die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV), haben eine Allianz für ein starkes und resilientes Gesundheitssystem gegründet. In einem gemeinsamen Positionspapier betonen sie die Bedeutung einer leistungsfähigen Gesundheitsversorgung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Stabilität der Demokratie.
Kritik an der bisherigen Gesundheitspolitik
Die Verbände ziehen eine ernüchternde Bilanz der Gesundheitspolitik der vergangenen Jahre. Die aktuellen politischen Rahmenbedingungen hätten die Versorgung nicht gestärkt, sondern ausgebremst. So heißt es in dem Papier rückblickend zur vergangenen Legislaturperiode, dass diese „geprägt durch ein bisher nicht gekanntes Maß an Misstrauen und fehlendem Respekt gegenüber der Arbeit der Selbstverwaltung, aber auch gegenüber den Leistungserbringern in Arztpraxen, Krankenhäusern und Apotheken“ gewesen sei.
Zeit für einen Neuanfang
Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV, zieht als Resümee: „Die vergangenen Jahre waren gesundheitspolitisch verlorene Jahre.“ Die Rahmenbedingungen hätten sich in fast allen Bereichen eher noch weiter verschlechtert. „Wir setzen auf einen Neuanfang, denn Politik ist gut beraten, mit uns zu sprechen, also denjenigen, die am besten wissen, wie Versorgung vor Ort organisiert wird – und die vor allem nah bei den Patientinnen und Patienten sind“, so Gassen.
Forderungen für eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung
Die Verbände fordern einen politischen Kurswechsel und bieten ihre Expertise und ihre Zusammenarbeit an, um das Gesundheitssystem nachhaltig zu verbessern. Sie setzen auf eine enge Kooperation mit der Politik, um praxisnahe, bürokratiearme Reformen umzusetzen. Dr. Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzender der DKG, betont, dass nach „drei Jahren der Sprachlosigkeit“ ein konstruktiver und ehrlicher Dialog notwendig sei, damit nachhaltige Lösungen für die Gesundheitsversorgung entstehen können.
Gaß weist daraufhin, dass die Herausforderungen zu groß seien, als dass diese in einem Gegeneinander zu lösen wären. „Politik muss Entscheidungen treffen, aber dazu braucht es im Vorfeld den Austausch mit der Selbstverwaltung und den Praktikern im System“, so Gaß.
Kernforderungen der Allianz:
Die vier Verbände halten in Ihrem Positionspapier die folgenden Maßnahmen für dringend erforderlich:
- Nachhaltige Finanzierung: Die Gesundheitsversorgung muss stabil, gerecht und planbar finanziert werden. Arbeitgeber, Versicherte und der Staat tragen gemeinsam Verantwortung für eine tragfähige Finanzierungsstruktur.
- Bürokratieabbau: Übermäßige Verwaltungsaufgaben binden wertvolle Ressourcen und belasten Fachkräfte. Schon eine Reduzierung um eine Stunde täglich könnte erhebliche Entlastungen schaffen.
- Digitalisierung als Chance nutzen: Moderne Technologien können Prozesse optimieren und Fachkräfte entlasten.
- Prävention stärken: Früherkennung und Gesundheitsförderung senken langfristig Kosten und verbessern die Lebensqualität.
Stimmen zum Schulterschluss
Thomas Preis, Präsident der ABDA, kommentiert die Forderungen wie folgt: „Mit unserem gemeinsamen Papier senden wir ein deutliches Signal der Geschlossenheit an die neue Bundesregierung. Die neue Koalition muss mit Blick auf den demographischen Wandel die gesamte wohnortnahe Gesundheitsversorgung schnell stabilisieren, anstatt sie – wie es seit Jahren beispielsweise bei den Apotheken der Fall ist – von der wirtschaftlichen Gesamtentwicklung abzukoppeln. Ein ‚Weiter so!‘ würde zwangsläufig zu einer Verschlechterung der Arzneimittel- und Gesundheitsversorgung aller Bürgerinnen und Bürgern führen.“
Martin Hendges, Vorstandsvorsitzender der KZBV, ergänzt: „Der gesundheitspolitische Kurs der letzten drei Jahre war geprägt von kurzsichtiger Kostendämpfung und weitestgehender Ignoranz gegenüber den Selbstverwaltungspartnern.“ Um die großen Herausforderungen im Gesundheitswesen wirklich zu meistern, müsse die Prävention Leitbild der Gesundheitsversorgung sein.









