ABDA: Aufruf zu bundesweiten Protesten

Steigende Betriebskosten, stagnierendes Fixum und umstrittene Reformpläne haben die Debatte um die wirtschaftliche Stabilität der Apotheken neu entfacht. Die ABDA reagiert mit einem bundesweiten Protesttag am 23. März 2026, einer Online-Petition und einer Resolution.

Protest Apotheke

Die Apothekerschaft verschärft ihren Protest gegen die aus ihrer Sicht chronische Unterfinanzierung der öffentlichen Apotheken. Die außerordentliche Mitgliederversammlung der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände hat am 25. Februar 2026 einen bundesweiten Protesttag für den 23. März 2026 beschlossen. Die Landesapothekerverbände wollen an diesem Tag alle Apotheken zur Schließung aufrufen, die Versorgung soll über Notdienst-Apotheken abgesichert werden. Zentrale Kundgebungen und Demonstrationen sind in Berlin, Hannover, München und Düsseldorf geplant. Mit dem Protest will die Standesvertretung den Druck auf die Bundesregierung erhöhen, die im Koalitionsvertrag zugesagte Honoraranpassung endlich umzusetzen.

„Apothekensterben stoppen – Koalitionsvertrag jetzt umsetzen!“

Bereits am 23. Februar startete die ABDA eine bundesweite Online-Petition auf der Plattform OpenPetition. Unter dem Titel „Apothekensterben stoppen – Koalitionsvertrag jetzt umsetzen!“ können Bürger ihre Unterstützung für eine wirtschaftliche Stabilisierung der Apotheken bekunden.

ABDA-Präsident Thomas Preis betont, man wolle Patienten eine Stimme geben, um die Politik zum Handeln zu bewegen. Täglich suchten rund drei Millionen Menschen eine Apotheke vor Ort auf. Sie hätten Anspruch auf eine kompetente und schnelle Arzneimittelversorgung in Wohnortnähe. Konkret fordert die ABDA eine Anhebung des Fixums auf 9,50 Euro pro rezeptpflichtiger Packung sowie perspektivisch eine jährliche Dynamisierung.

Die Petition ist Teil der Kampagne „Uns gibt’s nicht zum Nulltarif!“, die Ende Januar als Reaktion auf den Kabinettsbeschluss zur Apothekenreform gestartet wurde. Apothekenteams sollen über Plakate, Handzettel, Social-Media-Beiträge und QR-Codes aktiv für Unterstützung werben.

65 % Kostensteigerung, aber Fixum unverändert

Hintergrund der Proteste ist die wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen Jahre. Das Apothekenhonorar wurde zuletzt 2013 auf 8,35 Euro pro abgegebener Packung festgelegt. Nach Angaben der ABDA sind die Betriebskosten seither um 65 % gestiegen. Seit 2013 mussten nahezu 20 % der Apotheken schließen, rechnerisch schließt inzwischen etwa alle 20 Stunden ein Standort.

Die außerordentliche Mitgliederversammlung warnt in ihrer Resolution vor einem „kritischen Wendepunkt“ der wohnortnahen Arzneimittelversorgung. Apotheken seien ein tragender Pfeiler der Gesundheitsversorgung, das gelte besonders für Krisenzeiten. Eine weitere Verzögerung der zugesagten finanziellen Stabilisierung gefährde die Versorgungsstrukturen irreversibel.

Kritik am Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz

Scharfe Kritik übt die ABDA zudem an Reformelementen des geplanten Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetzes (ApoVWG), das in dieser Woche erstmals im Bundestag beraten werden soll. Vorgesehen ist unter anderem, dass Apotheken zeitweise ohne anwesende Apotheker geführt werden können. Die Mitgliederversammlung bekräftigt in ihrer Resolution, dass die persönliche Verantwortung und Präsenz approbierter Apotheker unverzichtbare Voraussetzungen für die Arzneimitteltherapiesicherheit seien. Modelle einer „Apotheke ohne Apotheker“ lehnt die Standesvertretung entschieden ab und warnt vor einer Entprofessionalisierung mit Risiken für Patienten.

Politischer Appell an die Bundesregierung

In einer Videobotschaft hatte Preis die Apothekenteams bereits Mitte Februar zur Beteiligung an den Kampagnenaktionen aufgerufen. Die im Koalitionsvertrag vereinbarte Erhöhung auf 9,50 Euro sei eine politische Verpflichtung. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken habe in Gesprächen ihre Unterstützung für dieses Ziel signalisiert. Ob der kombinierte Druck aus verschiedenen Protestaktionen ausreicht, um die Honorardebatte kurzfristig zu entscheiden, dürfte sich in den kommenden Wochen zeigen.

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