Kassen-Anteil der Praxisumsätze deutlich gesunken – Privateinnahmen steigen

Kassenanteil auf Rekordtief: 2023 haben deutsche Arztpraxen im Durchschnitt nur noch 67 Prozent ihrer Einkünfte aus der gesetzlichen Krankenversicherung erhalten. Gleichzeitig wuchs der Anteil der Privatabrechnungen auf 28,0 Prozent, hinzu kommen etwa fünf Prozent aus sonstiger ärztlicher Tätigkeit.

IGeL-Leistungen

Wiesbaden. Immer mehr Arztpraxen in Deutschland erzielen ihre Einnahmen außerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). 2023 stammten nach Angaben des Statistischen Bundesamts nur noch 67 Prozent der Praxisumsätze aus der Abrechnung mit den gesetzlichen Krankenkassen. Damit fiel der sogenannte Kassenanteil auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2000. 

Gleichzeitig nahm die Bedeutung privat abgerechneter ärztlicher Leistungen weiter zu: Ihr Anteil an den Gesamteinnahmen stieg auf 28 Prozent. Zusätzlich entfielen rund fünf Prozent der Umsätze auf sonstige selbstständige ärztliche Tätigkeiten, etwa Gutachten, betriebsärztliche Leistungen oder Tätigkeiten als Durchgangsarzt.

Zunehmende Bedeutung privat finanzierter Leistungen

Noch zu Beginn der 2000er-Jahre lag der Anteil der Einnahmen aus der Krankenversicherung bei deutlich über 70 Prozent. Zuletzt fiel der Rückgang besonders deutlich aus: von 71,1 Prozent der Gesamteinnahmen (2022) auf 67 Prozent 2023. 

Der Anstieg der Privatabrechnungen auf 28 Prozent der Gesamteinnahmen ist nach Einschätzung des Bundesamtes auf mehrere Faktoren zurückzuführen. Dazu zählen demnach die wachsende Zahl privatversicherter Patienten, aber auch der zunehmende Umfang individuell vereinbarter Leistungen (IGeL), die nicht von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen werden. Solche Leistungen werden von gesetzlich Versicherten selbst bezahlt oder über private Zusatzversicherungen abgedeckt.

Mehr reine Privatpraxen in Deutschland

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Entwicklung ist die steigende Zahl reiner Privatpraxen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts erwirtschafteten 2023 bereits 6,5 Prozent der Arztpraxen ihre Einnahmen ausschließlich oder nahezu ausschließlich aus Privatabrechnungen. Diese Praxen erzielen keine oder kaum noch Umsätze über die gesetzliche Krankenversicherung. Noch wenige Jahre zuvor lag dieser Anteil deutlich niedriger.

Zugleich zeigt sich auch bei Praxen, die weiterhin gesetzlich Versicherte behandeln, eine Verschiebung der Einnahmestruktur. Der Anteil der Kassenumsätze sinkt, während der Anteil privat finanzierter Leistungen steigt. 

Praxen mit vielen Wahlleistungen rechnen besonders häufig privat ab 

Der Einnahmenanteil aus Kassen- beziehungsweise Privatabrechnung unterscheidet sich stark je nach medizinischem Fachgebiet. Besonders hoch ist der Anteil der Privatabrechnungen in Fachrichtungen, in denen viele wahlärztliche oder ästhetische Leistungen erbracht werden. So erzielen Praxen für Haut- und Geschlechtskrankheiten mehr als die Hälfte ihrer Einnahmen aus Privatabrechnungen. Auch in der Orthopädie und Unfallchirurgie, in der Urologie sowie in chirurgischen Fachrichtungen liegt der Privatanteil deutlich über dem Durchschnitt.

Ein ähnlicher Trend zeigt sich auch bei den Zahnarztpraxen. Der Anteil der Einnahmen aus der gesetzlichen Krankenversicherung hat sich dort ebenfalls weiter verringert. 2023 stammte nur noch gut die Hälfte der Umsätze aus der Kassenabrechnung, während der Anteil privater Leistungen weiter zulegte. Damit nimmt auch in der zahnärztlichen Versorgung die Bedeutung der Selbstzahler-Leistungen weiter zu.

Klassische Versorgungsfächer schneiden schwächer ab

Deutlich niedriger ist der Anteil privat finanzierter Leistungen hingegen in klassischen Versorgungsfächern. In der Allgemeinmedizin, der Kinder- und Jugendmedizin sowie in der Neurologie stammen die Einnahmen weiterhin überwiegend aus der Abrechnung mit den gesetzlichen Krankenkassen. Dort liegt der Privatanteil teils nur im niedrigen zweistelligen Prozentbereich.

Psychotherapeutische Praxen nehmen eine Sonderrolle ein. In diesem Bereich stammt der überwiegende Teil der Einnahmen (nahezu 90 Prozent) weiterhin aus der gesetzlichen Krankenversicherung. Der Anteil der Privatabrechnungen bleibt gering.

Sonstige selbstständige ärztliche Tätigkeiten bleiben stabil

Neben der gesetzlichen und der privaten Abrechnung spielen auch sonstige selbstständige ärztliche Tätigkeiten weiterhin eine Rolle. Rund fünf Prozent der Einnahmen entfielen 2023 auf Tätigkeiten außerhalb der klassischen kurativen Versorgung. Dazu gehören unter anderem Gutachtertätigkeiten, betriebsärztliche Leistungen, Tätigkeiten als Durchgangsarzt oder als Notarzt. Dieser Anteil hat sich im Vergleich zu den Vorjahren nur geringfügig verändert und bleibt damit ein relativ stabiler Bestandteil der ärztlichen Einkünfte.

Autor:
Stand:
15.12.2025
Quelle:

Destatis (Statistisches Bundesamt): Arztpraxen erzielten 2023 zwei Drittel ihrer Einnahmen aus Kassenabrechnung, zuletzt abgerufen am 8. Dezember 2025

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