Arztgehälter auf dem Land besser als in der Stadt – Gender Pay Gap bei bis zu 28 Prozent

Eine aktuelle Umfrage der apoBank und DocCheck Research zeigt: Angestellte Fachärzte verdienen auf dem Land im Schnitt ein Jahresgehalt von rund 105.000 Euro – deutlich mehr als in Großstädten. Parallel erhalten Ärztinnen ein Fünftel (21 %) weniger als ihre männlichen Kollegen.

Gender-Pay Ärzte

Düsseldorf. Angestellte Mediziner erzielen auf dem Land und in kleinen Städten oft deutlich höhere Einkünfte als ihre Kollegen in Großstädten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank) in Zusammenarbeit mit DocCheck Research. Demnach erhalten angestellte Fachärzte in Gemeinden und Städten mit bis zu 100.000 Einwohnern ein Durchschnittsgehalt von rund 105.000 Euro pro Jahr. Das sind 10.000 Euro mehr als in Großstädten. Ähnlich groß ist der Unterschied bei angestellten Hausärzten. Sie erhalten im Schnitt 8.500 Euro mehr: etwa 96.700 Euro auf dem Land statt 88.200 Euro in der Großstadt.

Diese Verdienstvorteile rühren nach Einschätzung der apoBank nicht zuletzt daher, dass viele Praxisinhaber im ländlichen Raum kurz vor dem Ruhestand stehen. Nicole Wortmann, Leiterin des Bereichs Gesundheitsmarkt bei der apoBank, spricht von einer zukunftsweisenden Chance für Mediziner: Der Bedarf an jungen Ärzten auf dem Land sowie in Klein- und Mittelstädten werde weiter steigen – und mit ihm auch die Gehälter. 

Einkommen variiert je nach Fachgebiet und Vergütungsmodell

In der Stadt gilt wie auf dem Land: Die Höhe der Bezüge hängt stark von der Fachrichtung und vom Vergütungsmodell ab. Ärzte in Fächern wie Chirurgie, Orthopädie oder HNO stehen mit bis zu durchschnittlich 110.000 Euro Jahresgehalt weit oben. Pädiater erhalten laut apoBank mit etwa 76.400 Euro das geringste Gehalt.

Spitzenreiter im Gehaltsranking sind angestellte Ärzte in Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) mit Umsatzbeteiligung. Sie erzielen laut Umfrage im Schnitt ein um rund ein Drittel höheres Jahresbruttogehalt als Kollegen mit Festgehalt. Umsatzbeteiligungen gibt es bei etwa einem Drittel der befragten Ärzte.

Gender Pay Gap bei Frauen auf dem Land größer als im Durchschnitt

Laut Umfrage  ist der Gender Pay Gap auf dem Land größer als im bundesweiten Durchschnitt. Laut apoBank-Umfrage profitieren Ärztinnen von der positiven Entwicklung der Gehälter auf dem Land deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen. Der Gender Pay Gap, also der Abstand in der Bezahlung von Männern und Frauen, fällt bei den angestellten Ärzten im ländlichen Raum besonders groß aus. Er liegt bei bis zu 28 Prozent für Hausärztinnen – und bei 21 Prozent im Durchschnitt der Fachgruppen. In ganz Deutschland und über alle Berufe hinweg liegt der Gender Pay Gap laut Statistischem Bundesamt bei rund 16 Prozent (2024). 

Die Differenz lässt sich durch die durchschnittlich zwei Stunden Mehrarbeit pro Woche nicht allein erklären. Nicole Wortmann führt mögliche Ursachen an: Frauen könnten eher nicht-monetäre Leistungen wie flexible Arbeitszeitmodelle höher gewichten und deshalb geringer vergütete Positionen akzeptieren. Es komme hinzu, dass Männer im Durchschnitt über längere Berufserfahrung verfügten, da sie seltener wegen familiärer Verpflichtungen zeitweise aussetzen. 

Ärzte nur eingeschränkt zufrieden mit Vergütung und Arbeitsbedingungen

Trotz der besseren Bezahlung im Vergleich mit Kollegen in Großstädten ist die Mehrheit der Befragten mit Gehalt und Arbeitsbedingungen nicht zufrieden. 62 Prozent der Ärztinnen und 53 Prozent der Ärzte wünschen sich mehr Geld. Für mehr als zwei Drittel der Befragten spielt die Bezahlung eine zentrale Rolle für die Arbeitszufriedenheit, bwohl nur rund 30 Prozent der Praxen regelmäßige Gespräche über Vergütung anbieten.

Neben dem Gehalt sind für Ärztinnen und Ärzte Benefits wie betriebliche Altersvorsorge, Fort- und Weiterbildung sowie flexible Arbeitszeitmodelle nahezu gleichermaßen relevant (mit jeweils rund 80 % Zustimmung).

Über die Studie: Die apoBank hat DocCheck Research (Köln) mit der Online-Befragung beauftragt. Befragt wurden 700 ambulant angestellte Humanmediziner. Die Stichprobe wurde aus dem DocCheck Panel gezogen, das nach Angaben von DocCheck Research aufgrund seiner Datengüte und hoher Repräsentativität ein gutes Abbild der Grundgesamtheit der Ärzteschaft in Deutschland abbildet. Insgesamt sind gegenwärtig etwa 64.000 Mediziner in Praxen, Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) und Berufsausübungsgemeinschaften (BAG) beschäftigt.

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