Arzneimittel: Ausgaben der gesetzlichen Kassen steigen auf Rekordwert

Die Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Krankenkassen sind 2024 erneut deutlich gestiegen. Nach Angaben der AOK spielen höhere Preise dabei nur eine untergeordnete Rolle. Die Ausgaben steigen demnach vor allem, weil innerhalb vieler Wirkstoffgruppen häufiger höherpreisige Präparate verordnet werden.

Anstieg

Die Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sind 2024 erneut stark angestiegen. Nach Berechnungen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) summierten sich die Ausgaben für Arznei- und Verbandmittel auf rund 61,6 Milliarden Euro. Das entspricht einem Anstieg von gut 5,2 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr und damit einer Zunahme um 9,2 Prozent.

Die Entwicklung zeigt sich auch in den Nettokosten: Diese stiegen 2024 auf etwa 59,3 Milliarden Euro und damit um knapp 10 Prozent im Vergleich zu 2023. Während sich die Zahl der Verordnungen ebenfalls erhöhte, trugen Preisentwicklungen sowie strukturelle Veränderungen innerhalb des Arzneimittelmarktes zu den Mehrkosten bei. 

Höhere Nettokosten trotz geringerer gesetzlicher Abschläge

Für die Berechnung der Nettokosten werden die gesetzlichen Abschläge von Herstellern und Apotheken berücksichtigt. Diese lagen nach Angaben der AOK 2024 bei rund 3,6 Milliarden Euro und damit deutlich unter dem Vorjahresniveau. Vor allem der Herstellerabschlag verringerte sich erheblich. Gleichzeitig fiel der Eigenanteil der Versicherten aus Zuzahlungen und festbetragsbedingten Mehrkosten mit rund 2,9 Milliarden Euro etwas höher aus als im Vorjahr. Die Versicherten leisteten damit rund 50 Millionen Euro mehr an Zuzahlungen als 2023.

Auch die Aufzahlungen spielten erneut eine Rolle: Für 1.171 Arzneimittel mussten Versicherte Mehrkosten tragen, sofern diese nicht durch Rabattverträge abgefedert wurden. Insgesamt beliefen sich diese Aufzahlungen 2024 auf etwa 93 Millionen Euro.

Anstieg: Reine Preisänderungen spielen eine untergeordnete Rolle

Ein wichtiger Grund für den Ausgabenanstieg ist laut Analyse des WIdO, dass 2024 innerhalb vieler Wirkstoffgruppen häufiger teurere Präparate verordnet wurden als im Vorjahr. Dieser sogenannte Struktureffekt führte allein zu einem Ausgabenplus von rund 6 Prozent und war damit der stärkste Einzelbeitrag zum Gesamtanstieg.

Maßgeblich war dabei die Verschiebung zu anderen Arzneimitteln innerhalb derselben therapeutischen Gruppen, die meist deutlich höhere Preise aufweisen. Diese Veränderung machte gut 5 Prozentpunkte des Anstiegs aus. Zusätzlich wirkten sich Änderungen bei Stärken, Darreichungsformen und Packungsgrößen innerhalb einzelner Präparate kostensteigernd aus.

Reine Preisänderungen spielten hingegen eine untergeordnete Rolle. Wenn ausschließlich die Packungspreise berücksichtigt würden, wäre der Umsatz rechnerisch sogar leicht zurückgegangen. Auch Veränderungen im Warenkorb – etwa durch neue oder entfallene Präparate – hätten isoliert betrachtet zu einem geringfügigen Minus geführt.

Hohe Bedeutung von Rezepturen und patientenindividuellen Zubereitungen

Rezepturen und patientenindividuelle Zubereitungen machten 2024 Nettokosten in Höhe von rund 6,7 Milliarden Euro aus. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Anstieg von knapp 7 Prozent. Da in diesem Segment besonders viele hochpreisige Wirkstoffe eingesetzt werden, können bereits geringe Mengensteigerungen zu spürbaren Budgetwirkungen führen.

Verordnungsverhalten der Fachgruppen

Ein Blick auf die Verordnungsdaten zeigt deutliche Unterschiede zwischen den Fachgruppen. Hausärzte und hausärztlich tätige Internisten verordneten 2024 die größte Menge an definierten Tagesdosen. Insgesamt entfielen auf diese beiden Gruppen über 37 Milliarden Tagesdosen. Wegen der hohen Wirkstoffkosten verursachten Fachärzte in der Hämatologie und der Onkologie die höchsten Nettokosten pro Arzt, nämlich rund 5,5 Millionen Euro.

Datenbasis: über 757 Millionen Verordnungen im Jahr 2024

Im Jahr 2024 wurden rund 757 Millionen Verordnungen in der ambulanten Versorgung ausgestellt. Die Datengrundlage umfasst alle GKV-Abrechnungsdaten nach §300 SGB V, aus denen personenbezogene Angaben zuvor entfernt wurden. Über 195.000 Fertigarzneimittel sind darin enthalten. Da die gesetzliche Krankenversicherung rund 90 Prozent der Bevölkerung abdeckt, gelten die Ergebnisse als umfassend und repräsentativ.

Die kontinuierliche Erweiterung der Datenbasis ermöglicht inzwischen auch monatliche Zeitreihenanalysen und eine detaillierte Auswertung besonderer Arzneimittelgruppen wie Zytostatika oder individueller Zubereitungen.

Autor:
Stand:
01.12.2025
Quelle:

Wissenschaftliches Institut der AOK (WIDO) Der GKV-Arzneimittelmarkt: Klassifikation, Methodik und Ergebnisse 2025, zuletzt abgerufen am 27. November.

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