BKK verzeichnet Krankenstand auf Rekordniveau

Die BKK-Auswertung der Arbeitsunfähigkeitsdaten 2024 zeigt: Der Krankenstand verharrt auf Rekordniveau bei 6,1 Prozent. Im Schnitt waren Beschäftigte an 22,3 Tagen krankgeschrieben. Atemwegserkrankungen dominieren weiter das Bild.

Arbeitsunfaehigkeitsbescheinigung

Berlin. Der Krankenstand in Deutschland bleibt auf einem historisch hohen Niveau. Mit 6,1 Prozent stagniert er damit nach Angaben des Dachverbands der Betriebskrankenkassen (BKK Dachverband) auf dem Wert des Vorjahres. Damit bestätige sich eine Entwicklung, die sich in den vergangenen Jahren abgezeichnet habe: „Zwei Krankschreibungen pro Jahr sind der neue Standard“, so der Tenor des BKK Dachverbands.

Berufstätige BKK-Versicherte: 22,3 Fehltage und zwei Krankschreibungen pro Kopf

Im Durchschnitt war jedes beschäftigte Mitglied einer Betriebskrankenkasse 1,96-mal krankgeschrieben, mit durchschnittlich 22,3 Tagen Fehltagen. Die durchschnittliche Dauer pro Krankheitsfall liegt bei 11,4 Tagen. Das lasse auf viele Kurzzeiterkrankungen schließen. Laut BKK könnte dieser Effekt auch durch die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) verstärkt werden, die kurze Fehlzeiten präziser abbildet.

Atemwegsinfekte besonders häufig – Muskel-Skelett-Erkrankungen besonders langwierig 

Muskel-Skelett-Erkrankungen, Atemwegserkrankungen und psychische Erkrankungen machen zusammen weit mehr als die Hälfte (57,4 Prozent) aller Arbeitsunfähigkeitstage aus.

Atemwegsinfekte stellten laut BKK-Auswertung mit mehr als einem Drittel (35,9 Prozent) aller Krankheitsfälle die mit Abstand häufigste Diagnosegruppe dar. Sie führten allerdings im Schnitt nur zu 6,3 Tagen Ausfallzeit pro Fall. Dennoch machen sie fast ein Fünftel aller Fehltage (19,7 Prozent) aus. Die BKK-Analyse bestätigt damit die anhaltenden Auswirkungen von Grippe-, Erkältungs- und RSV-Wellen. Corona-Infektionen machen hingegen nur noch rund 1 Prozent der Fälle aus.

Ein Fünftel aller Fehltage (20,3 Prozent) entfällt laut BKK auf Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems. Damit belegen Rückenschmerzen und andere Erkrankungen des Bewegungsapparates Platz eins bei den lang andauernden Diagnosen. Obwohl sie nur 12,4 Prozent der Krankheitsfälle ausmachen, verursachen sie den höchsten Anteil an Ausfalltagen. 

Psychische Erkrankungen: wenige Fälle, lange Ausfälle

Psychische Erkrankungen machen nur 5,2 Prozent der Krankheitsfälle aus, sind aber für 17,4 Prozent der Fehltage verantwortlich. Die durchschnittliche Ausfallzeit pro Fall beträgt mehr als fünf Wochen.

Krankschreibungen: große regionale Unterschiede

Auch 2024 zeigen sich erhebliche regionale Differenzen im Krankenstand: Die geringste Quote an Fehltagen verzeichnet Baden-Württemberg mit 18,7 Fehltagen pro Jahr. In Mecklenburg-Vorpommern ist der Durchschnitt der Fehltage von BKK-Versicherten mit 29,1 am größten. 

Auf Kreisebene sind die Unterschiede noch deutlicher: Im Landkreis Starnberg (Bayern) liegt die Zahl der Fehltage bei 14,6 Tagen, im Salzlandkreis (Sachsen-Anhalt) bei 32,5 Tagen. „Die regionalen Unterschiede von teilweise mehr als fünfzehn Arbeitstagen pro Jahr verdeutlichen, dass Gesundheit am Arbeitsplatz nicht ausschließlich eine individuelle, sondern auch eine strukturelle und regionale Herausforderung darstellt“, so Anne-Kathrin Klemm, Vorständin des BKK Dachverbands. 

Klemm geht angesichts der Stabilisierung des Krankenstands auf hohem Niveau davon aus, dass sich Unternehmen auf eine neue Realität einstellen müssten. Hohe Krankenstände seien aber „nicht in Beton gegossen.“ Sie verweist darauf, dass betriebliche Gesundheitsförderung und Prävention nachweislich zu niedrigeren Krankenständen führe. Das belege die erfolgreiche Zusammenarbeit der Betriebskrankenkassen mit zahlreichen Unternehmen.

BKK-Krankenstandsquote größer als bei anderen großen Krankenversicherungen

Die vom BKK Dachverband ermittelten Krankenstandsquoten fallen höher aus als bei anderen großen Anbietern der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Die Techniker Krankenkasse (TK) beispielsweise verzeichnet für 2024 eine im Jahresvergleich nahezu unveränderte Krankenstandsquote in Höhe von 5,23 Prozent (2023: 5,31). Die Zahl der Fehltage pro Versicherten beziffert die TK auf 19,1 Tage in 2024 (2023: 19,4).

Die DAK errechnet für 2024 eine ebenfalls kaum veränderte Krankenstandsquote von 5,4 Prozent (2023: 5,5). Die Zahl der Ausfalltage verringerte sich leicht von 20,2 auf 19,7 Fehltage pro DAK-Versicherten.

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