BMG fördert Forschung zur Frauengesundheit mit 10 Mio. Euro

Das Bundesgesundheitsministerium hat eine neue Forschungsförderung zur Frauengesundheit auf den Weg gebracht. Zwei Förderrichtlinien mit einem Gesamtvolumen von bis zu zehn Millionen Euro sollen dazu beitragen, bestehende Wissenslücken zu schließen und die gesundheitliche Versorgung von Frauen gezielt zu verbessern.

Fördermittel

Berlin. Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) hat den offiziellen Startschuss für eine neue Forschungsförderung im Bereich der Frauengesundheit gegeben. Mit einem Gesamtvolumen von bis zu zehn Millionen Euro bietet das Ministerium interessierten Forschenden ab sofort die Möglichkeit, Anträge für entsprechende Forschungsvorhaben einzureichen. Hierfür wurden zwei Förderrichtlinien veröffentlicht, die unterschiedliche Schwerpunkte im gesundheitlichen Kontext von Frauen adressieren.

Unterschiede in der Gesundheitsversorgung von Frauen und Männern besser verstehen

Die Initiative zielt darauf ab, Wissenslücken zu schließen und strukturelle Unterschiede in der Gesundheitsversorgung zwischen Frauen und Männern besser zu verstehen. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums haben Frauen andere Beschwerden, Symptome und Belastungen als Männer, die in Forschung und Versorgung bislang nicht ausreichend berücksichtigt worden seien. Durch die Förderung sollen wissenschaftliche Erkenntnisse generiert werden, die zu konkreten Verbesserungen der Versorgungssituation von Frauen in Deutschland beitragen.

Zwei Förderrichtlinien mit klaren Zielsetzungen

Die beiden Förderrichtlinien haben jeweils ein Fördervolumen von bis zu fünf Millionen Euro. Sie richten sich an unterschiedliche Forschungsvorhaben und tragen damit verschiedenen Aspekten der Frauengesundheit Rechnung.

  • Die erste Förderrichtlinie fokussiert auf patientinnenzentrierte Versorgungsforschung. Sie soll Projekte unterstützen, die wissenschaftliche Evidenz für eine verbesserte Versorgung von Frauen in Deutschland erbringen. Ziel ist es, datenbasierte Erkenntnisse über Versorgungsprobleme und -potenziale zu gewinnen, um die Qualität der Gesundheitsleistungen für Frauen nachhaltig zu verbessern.
  • Die zweite Förderrichtlinie ist auf den Aufbau von Nachwuchsgruppen ausgerichtet, die an Hochschulen oder außeruniversitären Forschungseinrichtungen zu Fragestellungen der Frauengesundheit forschen sollen. Dabei soll nicht nur Wissen erzeugt werden, sondern auch institutionelle Kapazitäten aufgebaut werden, die die Versorgungsforschung langfristig stärken. Diese Forschungsgruppen können über einen Zeitraum von bis zu fünf Jahren gefördert werden.

Thematische Schwerpunkte der Förderung

Beide Förderrichtlinien umfassen eine Reihe von thematischen Schwerpunkten. Dazu gehören unter anderem die Versorgung von Frauen mit frauenspezifischen Erkrankungen sowie von Erkrankungen mit frauenspezifischen Ausprägungen, etwa im Hinblick auf Häufigkeit, Symptomatik oder Krankheitsverläufe.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den Auswirkungen sozialer Ungleichheit auf die Gesundheitsversorgung von Frauen. Dabei stehen sowohl Zugangsbedingungen zum Gesundheitssystem als auch Unterschiede in der Qualität der medizinischen Versorgung im Fokus. Ebenso sollen Forschungsprojekte zur gesundheitlichen Versorgung von Frauen in besonderen Lebensphasen berücksichtigt werden, etwa in der Zeit rund um Kinderwunsch, Schwangerschaft und Geburt oder während der Wechseljahre.

Klinische Studien nach dem Arzneimittelgesetz oder große Versorgungsvergleiche ausgeschlossen

Darüber hinaus sind psychosoziale Aspekte bei Erkrankungen, die Frauen besonders häufig betreffen, Teil der vorgesehenen Förderthemen. Nach Angaben des Ministeriums können auch weitere relevante Fragestellungen eingebracht werden, sofern sie den Zielsetzungen der Förderrichtlinien entsprechen. Ausgeschlossen sind jedoch bestimmte Forschungsbereiche, darunter klinische Studien nach dem Arzneimittelgesetz oder groß angelegte Versorgungsvergleiche mit etablierten Standardansätzen.

Hintergrund: Frauengesundheit stärker im Blick

Das verstärkte Engagement des Bundesgesundheitsministeriums im Bereich Frauengesundheit folgt dem Ziel, geschlechtsspezifische Unterschiede in der medizinischen Versorgung systematisch zu erfassen und wissenschaftlich zu untersuchen. Nach Angaben des Ministeriums orientieren sich viele diagnostische und therapeutische Standards historisch an männlichen Referenzwerten, was sich nachteilig auf die Versorgung von Frauen auswirken kann.

Frauenspezifische Lebensphasen wie Menstruation, Schwangerschaft, Geburt oder Wechseljahre gehen mit besonderen gesundheitlichen Herausforderungen einher. Zudem treten bestimmte Erkrankungen bei Frauen häufiger auf oder zeigen andere Verläufe als bei Männern. Daraus ergibt sich nach Einschätzung des Ministeriums ein erheblicher Forschungsbedarf, dem mit der neuen Förderinitiative begegnet werden soll.

Ergänzend: Dialogprozess zu den Wechseljahren

Schon im vergangenen Jahr hatte Ministerin Warken angekündigt, dass sich ihr Ministerium stärker der Frauengesundheit widmen werde und hatte einen Dialogprozess zum Thema Wechseljahre starten werden. Ziel des Dialogs ist es, Defizite und Bedarfe im Umgang mit den Wechseljahren zu identifizieren. Dabei stehen insbesondere Forschung und Datenlage, Information und Aufklärung sowie Fragen der medizinischen Versorgung und der Vereinbarkeit mit dem Arbeitsleben im Mittelpunkt. Laut Bundesgesundheitsministerium sollen auf dieser Basis konkrete Maßnahmen entwickelt werden, um die Situation von Frauen in dieser Lebensphase zu verbessern.

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Stand:
15.01.2026
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