Augenärzte warnen vor nicht-ärztlichen Augenscreenings

Der Berufsverband der Augenärzte (BVA) warnt vor einem wachsenden Markt an KI-gestützten Augenscreenings durch Drittanbieter. Diese Untersuchungen außerhalb ärztlicher Praxen seien nicht geregelt, könnten zu Fehldiagnosen führen und dürften die augenärztliche Untersuchung nicht ersetzen.

Augenuntersuchung

Düsseldorf. Der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA) warnt vor KI-gestützten Augenscreenings in Drogerien, Apotheken oder spezialisierten Gesundheitszentren. Diese Screenings seien häufig auf wenige Tests beschränkt und würden mit unklaren KI-Begriffen beworben. Für alle Angebote gelte aber, dass sie eine augenärztliche Untersuchung nicht ersetzen könnten. 

Gefahr von Fehldiagnosen: KI-Screenings bergen Risiken für Patienten

„Wir beobachten aktuell eine Vielzahl von Unternehmen, die in den Markt drängen und damit werben, Augenkrankheiten telemedizinisch feststellen zu können und laut deren Aussage so ein niedrigschwelliges Angebot zur Krankheitsvorsorge geschafft werden soll“, so der BVA-Vorsitzende Daniel Pleger. Seiner Einschätzung nach bergen diese Angebote für Patienten mehrere Risiken. Einerseits könnten Erkrankungen übersehen werden, wenn die Technik zu ungenau arbeitet oder wichtige Krankheitszeichen außerhalb des Bildausschnitts liegen. Andererseits bestehe das Risiko, dass unklare oder fälschlich auffällige Befunde erzeugt werden, die Patienten unnötig beunruhigen und weitere Abklärungen erzwingen. Damit entstünden nicht nur Mehrkosten, sondern auch zusätzliche Belastungen für die ohnehin angespannten augenärztlichen Kapazitäten.

Ebenso kritisch sei es, wenn vermeintlich negative Screening-Ergebnisse Patienten in trügerischer Sicherheit wiegen – und dadurch Schäden entstehen, die bei einer augenärztlichen Untersuchung hätten vermieden werden können. 

BVA: Profiteure der Augenscreenings sind in erster Linie die Anbieter

Die Gefahr solcher Doppelstrukturen ist nach Ansicht des BVA zentral: Wer ein Screening bei einem Drittanbieter mache, müsse bei Auffälligkeiten ohnehin zum Augenarzt gehen. Komme es zu unklaren Ergebnissen, erfolge ebenfalls eine ärztliche Nachuntersuchung. 

Profiteure der Augenscreenings sind aus Sicht des Verbandes in erster Linie die Anbieter, die mit vermeintlich innovativen Services einen neuen Markt erschließen wollten. Für Patienten und das Gesundheitssystem hingegen drohten zusätzliche Kosten und Risiken. Der erhoffte Spareffekt gehe ins Leere. Zudem könne das Vertrauen in ärztliche Diagnostik geschwächt werden, wenn parallele Untersuchungswege etabliert werden.

KI-Screenings bleiben unklar definiert

Nach BVA-Angaben werben viele Anbieter mit Begriffen wie „KI-gestützte Auswertung“ oder „ärztliche Validierung“. Diese Begriffe seien jedoch nicht ausreichend definiert. Es bleibe offen, auf welche Bildausschnitte oder Datengrundlagen sich die Algorithmen stützen, wie sie trainiert wurden und wie zuverlässig ihre Ergebnisse sind. Ohne nachvollziehbare Standards sei die Qualität dieser Screenings nicht beurteilbar.

Künstliche Intelligenz könne zwar eine Unterstützung sein, gelte aber bislang weder in der Medizin noch speziell in der Augenheilkunde allgemein als Standard. Auch deshalb könne ein KI-Screening die fachärztliche Untersuchung nicht ersetzen.

Ethikpapier von BVA und DOG

Bereits Anfang 2025 haben der BVA und die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) ein gemeinsames Ethikpapier vorgelegt. Es legt Grundsätze fest, wie KI in der Augenheilkunde verantwortungsvoll eingesetzt werden sollte. Das Papier betont, dass KI-gestützte Verfahren nur als Ergänzung, niemals als Ersatz für ärztliche Diagnostik verstanden werden dürften. Der aktuelle Markt an Screenings durch Drittanbieter zeige aber, dass diese Abgrenzung vielfach missachtet werde.

KI-Screenings bilden Komplexität von Augenerkrankungen nicht ausreichend ab

Außerdem verweist der BVA darauf, dass Augenerkrankungen wie Glaukom, Netzhautveränderungen bei Diabetes oder Makuladegeneration nicht allein durch ein Foto der Netzhaut sicher erfasst werden können. Oft seien umfassende Untersuchungen mit Spaltlampe, Gesichtsfeldanalyse oder optischer Kohärenztomografie notwendig, um eine korrekte Diagnose zu stellen. Ein KI-Screening, das sich auf einzelne Tests beschränkt, könne diese Komplexität nicht abbilden.

Daher bewertet der BVA die Augenscreenings durch Drittanbieter eher als Risiko – und nicht als sinnvolle Innovation. Ohne ärztliche Expertise und klare Standards bleibe die Aussagekraft fraglich. Patienten dürften sich nicht auf Screenings außerhalb ärztlicher Praxen verlassen. Eine echte Augenvorsorge sei nur durch den Besuch beim Augenarzt gewährleistet. 

Autor:
Stand:
01.09.2025
Quelle:

Bundesverband der Augenärzte (BVA): Nur mal kurz die Augen checken lassen...? BVA kritisiert Augenscreening-Angebote von Drittanbietern, zuletzt abgerufen am 26. August 2025

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