Nach Teillegalisierung: Jugendliche kiffen weniger, junge Erwachsene mehr

Befürchtungen über einen steigenden Drogenkonsum von Jugendlichen nach der Teillegalisierung von Cannabis (2024) haben sich bislang nicht bestätigt. Vielmehr ist der Cannabiskonsum junger Menschen zwischen 12 und 17 Jahren sogar leicht gesunken. Allerdings kiffen junge Erwachsene inzwischen deutlich mehr als 2023.

Cannabisblatt

Berlin. Das Gesetz über die Teillegalisierung von Cannabis hat bislang offenbar praktisch keinen Einfluss auf das Konsumverhalten von Jugendlichen. Wie das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) in seiner repräsentativen Drogenaffinitätsstudie 2025 mitteilt, hat sich der Anteil der Cannabis-Konsumenten unten den 12- bis 17-Jährigen seit 2023 leicht verringert. 

Entwicklung bei Jugendlichen: stabil, teils rückläufig

In der Gruppe der männlichen Jugendlichen ist im längerfristigen Vergleich seit 2019 sogar ein Rückgang des Cannabiskonsums zu beobachten, während sich die Werte bei den weiblichen Jugendlichen seit 2012 kaum verändert haben. Die 12-Monats-Prävalenz lag 2025 bei 7,2 Prozent der Jungen und 4,6 Prozent der Mädchen. Auch bei der subjektiven Verfügbarkeit von Cannabis ergab sich für Jugendliche zuletzt keine Änderung: Der Anteil der 12- bis 17-Jährigen, die meinen, innerhalb von 24 Stunden „sehr leicht“ an Cannabis kommen zu können, blieb unverändert niedrig. Zudem berichten Jugendliche seltener als noch vor einigen Jahren, dass in ihrem Freundes- oder Bekanntenkreis viele Personen Cannabis konsumieren. Diese Befunde deuten darauf hin, dass sich die soziale Nähe zum Cannabiskonsum im Jugendalter eher verringert hat, obwohl Cannabis für Erwachsene seit 2024 teilweise legal ist.

Junge Erwachsene: höhere Verfügbarkeit, Anstieg bei Männern

Für die 18- bis 25-jährigen jungen Erwachsenen zeichnet sich ein anderes Bild ab. Zwischen 2023 und 2025 stieg der Anteil jener, die Cannabis innerhalb von 24 Stunden „sehr leicht“ beschaffen können, von 31,4 auf 39,2 Prozent. Beim eigenen Konsum zeigen die Daten einen deutlichen Geschlechterunterschied: 31,6 Prozent der jungen Männer gaben 2025 an, in den vergangenen zwölf Monaten Cannabis konsumiert zu haben, gegenüber 26,9 Prozent im Jahr 2023. Bei den jungen Frauen blieb die 12-Monats-Prävalenz mit 18,8 Prozent auf dem Niveau der Vorjahre. 

Auch in längerfristiger Perspektive setzt sich bei jungen Männern ein seit 2008 beobachteter Trend steigender Konsumprävalenzen fort, der nur in einzelnen Erhebungsjahren kurzfristig unterbrochen war. Bei jungen Frauen hatten die Prävalenzen vor allem zwischen 2015 und 2018 zugenommen und stabilisierten sich danach. Unverändert blieb der Anteil jener jungen Erwachsenen, in deren Freundes- oder Bekanntenkreis der Cannabiskonsum weit verbreitet ist; hier zeigen die Zeitreihen zuletzt eher rückläufige Werte.

17,1 Jahre: Alter des Erstkonsums unverändert

Das durchschnittliche Alter des ersten Cannabiskonsums lag 2025 – unter den 12- bis 25-Jährigen mit Konsumerfahrung – bei 17,1 Jahren. Im Vergleich zu 2023 ergaben sich dadurch keine nennenswerten Veränderungen für die Gesamtgruppe. Bei männlichen Befragten verschob sich das Erstkonsumalter geringfügig nach hinten, bei weiblichen geringfügig nach vorn. Langfristig betrachtet war das durchschnittliche Erstkonsumalter in den 2000er-Jahren am niedrigsten und hat sich seither leicht erhöht.

Problematischer Konsum bleibt relevantes Thema

Neben der reinen Konsumverbreitung erfasst die Studie auch Anzeichen eines problematischen Konsums mittels eines standardisierten Screening-Instruments. Unter den Jugendlichen, die in den letzten zwölf Monaten konsumiert hatten, wiesen 2025 rund 10,7 Prozent einen problematischen Cannabiskonsum auf. Bei den konsumierenden jungen Erwachsenen betraf dies etwa 13,2 Prozent. Diese Anteile haben sich im Vergleich zu 2023 nicht verändert und unterstreichen die Bedeutung passgenauer Präventions- und Beratungsangebote – unabhängig davon, ob die Gesamtprävalenzen steigen oder stabil bleiben.

Über die Studie: 

Die Drogenaffinitätsstudie 2025 stützt sich auf eine repräsentative Stichprobe von 7.001 Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 12 bis 25 Jahren. Die Befragungen erfolgten zwischen dem 22. April und dem 3. Juli 2025 per computergestütztem Telefoninterview im Dual-Frame-Ansatz über Festnetz- und Mobiltelefonnummern. Durch geeignete Gewichtungen werden unterschiedliche Auswahlwahrscheinlichkeiten und die amtliche Bevölkerungsstruktur berücksichtigt, sodass belastbare Aussagen für die Zielgruppe möglich sind. Wie bei Befragungsstudien üblich, beruhen die Angaben zum Cannabiskonsum auf Selbstauskünften. Ein sozialer Erwünschtheitseffekt kann nicht vollständig ausgeschlossen werden; durch Anonymität, standardisierte Instrumente und Gewichtungen werden mögliche Verzerrungen begrenzt. 

Autor:
Stand:
13.10.2025
Quelle:
  1. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG): BIÖG-Forschungsbericht - Die Drogenaffinität Jugendlicher und junger Erwachsener in Deutschland 2025 (PDF-Download)
  2. Robert-Koch-Institut: Cannabiskonsum Jugendlicher und junger Erwachsener in Deutschland, zuletzt abgerufen am 26. September 2025
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