In der Kritik: Über 30 Verbände fordern grundlegende Reform der DAkkS

Akkreditierte Prüf- und Zertifizierungsstellen sorgen dafür, dass Lebensmittel sicher, Arzneimittel wirksam und technische Geräte zuverlässig sind. Die Deutsche Akkreditierungsstelle kontrolliert diese Prüfstellen in Deutschland und gerät zunehmend in die Kritik.

Akkreditierung

Die Deutsche Akkreditierungsstelle (DAkkS) steht in der Kritik. Über 30 deutsche Verbände aus Wirtschaft, Medizin, Landwirtschaft und Technik fordern in einem gemeinsamen Positionspapier eine zügige und umfassende Verbesserung ihrer Leistungen. Die zentrale Instanz für die Qualitätssicherung in Deutschland ist aus ihrer Sicht zum Flaschenhals geworden. Dies kann Folgen für Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und Versorgungssicherheit haben.

Prüfinstitution der Kontrollstellen

Die DAkkS prüft und akkreditiert sogenannte Konformitätsbewertungsstellen – also Labore, Zertifizierungsstellen und Inspektionsstellen, die Produkte und Prozesse auf ihre Sicherheit, Qualität und Zuverlässigkeit kontrollieren. Sie vergibt damit nicht nur ein Gütesiegel, sondern schafft zugleich rechtliche Voraussetzungen für Marktzugang und Verbraucherschutz. Ihre Kunden reichen vom Lebensmittelhersteller über Diagnostikunternehmen bis hin zu Pharma- und Medizintechnikfirmen.

Mängel im Servicebereich

Doch laut der unterzeichnenden Verbände häufen sich Probleme: lange Verfahren, hohe und intransparente Kosten, fehlende Kundenorientierung und eine aus Sicht der Unternehmen zunehmend praxisferne Regelauslegung. Diese Defizite gefährden nicht nur den wirtschaftlichen Erfolg einzelner Branchen, sie schwächen auch das gesamte System der Qualitätssicherung „Made in Germany“.

„Die Produktion von hochwertigen Arzneimitteln und Medizinprodukten beruht auch immer auf der exakten Einhaltung von Prozessschritten“, sagt Dorothee Brakmann, Hauptgeschäftsführerin von Pharma Deutschland. Die Pharmabranche erwarte von den Prüf- und Zertifizierungsstellen Verlässlichkeit und sei von den stockenden Zertifizierungen indirekt betroffen. Daher habe sich der Pharmaverband den Forderungen nach einer serviceorientierteren, stärker auf Europa fokussierten und mittelstandsfreundlicheren Prüfung der Prüfer angeschlossen.

Reform der DAkks gefordert

Die Unterzeichner des Positionspapiers, darunter Labordachverbände, der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed), der Verband der Diagnostika-Industrie (VDGH) sowie zahlreiche Industrieverbindungen, fordern eine Neuaufstellung der DAkkS. Dazu zählen die folgenden Punkte

  • Kulturwandel bei der DAkkS hin zu mehr Dienstleistungsverständnis, Augenhöhe und Transparenz
  • Bürokratieabbau durch schnellere, digitalere Prozesse
  • klare Ausrichtung an europäischen Vorgaben, um nationale Sonderwege („Gold Plating“) zu vermeiden
  • Überarbeitung der gesetzlichen Grundlagen, insbesondere des Akkreditierungsstellengesetzes
  • reformiertes Gebührenmodell

Dienstleistungsorientierung verbessern

Die Verbände plädieren zudem für eine bessere Finanzierung der DAkkS durch öffentliche Mittel, um Qualitätsprüfungen gerade für den Mittelstand bezahlbar und zugänglich zu halten. Ein „Memorandum of Understanding“ zwischen DAkkS und Stakeholdern soll die Grundlagen für eine neue, partnerschaftliche Zusammenarbeit schaffen.

Die Kritik an sich ist nicht neu, doch mit dieser ungewöhnlich breiten Allianz gewinnt sie neues Gewicht. Die Verbände warnen: Bleibt eine Reform aus, drohen Abwanderung von Prüfstellen ins Ausland, Rückzug maßgeblicher Standardsetzer aus dem Akkreditierungssystem und ein fläckendeckender Innovationsstau.

Autor:
Stand:
10.07.2025
Quelle:
  1. Pharma Deutschland: Pressemitteilung, 24.06.2025
  2. Positionspapier: 24.06.2025 
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