Der Zusammenschluss der Apotheker in der Europäischen Union (ZAEU) hat sein neues Zukunftspapier „A Vision for community pharmacy in Europe“ vorgestellt. Darin skizziert der europäische Apothekerverband, wie sich öffentliche Apotheken bis 2040 als patientennahe Gesundheitsakteure, integrierte Versorgungszentren und tragende Säulen krisenfester Gesundheitssysteme weiterentwickeln sollen.
Europas Apothekennetz als strategischer Gesundheitsfaktor
Über 500.000 Apotheker arbeiten europaweit in rund 200.000 öffentlichen Apotheken und versorgen täglich mehr als 500 Millionen Menschen. Damit bilden Apotheken die am dichtesten vernetzte und am niedrigschwelligsten erreichbare Gesundheitsinfrastruktur Europas. Angesichts demografischer Alterung, zunehmender chronischer Erkrankungen, Arzneimittelengpässen sowie geopolitischer und klimabedingter Krisen sieht die ZAEU dieses Netz als zentralen Stabilitätsfaktor für die Versorgungssicherheit.
Die Erfahrungen aus der COVID-19-Pandemie hätten eindrucksvoll gezeigt, welche Rolle Apotheken als erste Anlaufstelle, Vertrauensinstanz und logistisches Rückgrat im Gesundheitssystem übernehmen können. Sie stellten unter anderem die Arzneimittelversorgung sicher, führten Impfkampagnen durch und bekämpften Fehlinformationen.
Apotheke 2040: Mehr als Abgabe von Arzneimitteln
Das Zukunftspapier zeichnet das Bild der Apotheke als integrierten Health Hub. Schon heute gehe laut dem Zukunftspapier die Tätigkeit vieler Apotheken weit über die klassische Arzneimittelabgabe hinaus. Künftig sollen Prävention, Screening, Impfungen, die Betreuung chronisch Kranker, strukturierte Adhärenzprogramme sowie die Behandlung leichter Erkrankungen noch stärker in den Versorgungsalltag eingebettet werden. Wichtig ist das vor allem dort, wo andere Gesundheitsangebote fehlen.
Darüber stellt sich der ZAEU ein erweitertes klinisches Rollenverständnis vor. Apotheker sollen als First-Line-Experten agieren, Therapien innerhalb definierter Protokolle begleiten, Medikationsanpassungen unterstützen und neue Felder wie pharmakogenomische Beratung erschließen. Ziel ist eine stärker personalisierte, kontinuierliche und sichere Arzneimitteltherapie.
Digitalisierung mit Augenmaß
Ein zentrales Element der Vision ist die digitale Transformation „mit menschlichem Gesicht“. Elektronische Verordnungen, der Zugang zu Gesundheitsdaten, digitale Entscheidungsunterstützung und KI-basierte Systeme sollen Versorgungsprozesse sicherer und effizienter machen und zugleich Zeit für persönliche Beratung schaffen. Voraussetzung dafür sind interoperable Systeme, robuste Cybersicherheit und klare europäische Rahmenbedingungen.
Vorbereitung auf Krisen als Kernaufgabe
Der europäische Apothekerverband positioniert sich auch beim Thema Krisenresilienz. Öffentliche Apotheken sollen als dezentrales Sicherheitsnetz systematisch in nationale und europäische Krisen- und Notfallpläne integriert werden. Dazu gehören klar definierte Aufgaben bei Arzneimittelengpässen, der Verteilung essenzieller Medikamente, der Gesundheitsaufklärung sowie der Versorgung in Ausnahmesituationen. Entsprechende Schulungen und strukturierte Abläufe seien dafür unerlässlich.
Nachhaltige Rahmenbedingungen
Damit Apotheken diese Aufgaben langfristig erfüllen können, fordert der ZAEU tragfähige wirtschaftliche und strukturelle Grundlagen. Faire Vergütungssysteme, moderne Ausbildungskonzepte, attraktive Karrierewege und eine Stärkung des pharmazeutischen Nachwuchses seien ebenso notwendig wie Investitionen in Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Auch ökologische Verantwortung, etwa durch verantwortungsvollen Umgang mit Arzneimitteln und Abfallvermeidung, wird explizit als Zukunftsaufgabe benannt.
ABDA begrüßt europäische Vision
Die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände – hat den Entstehungsprozess des Papiers begleitet und begrüßt die Veröffentlichung. Besonders die Betonung der proaktiven Gesundheitsvorsorge entspreche der Rolle öffentlicher Apotheken in Deutschland und Europa. Präventionsangebote, Aufklärungskampagnen und niedrigschwellige Vorsorge seien entscheidend für ein flächendeckendes, belastbares Gesundheitssystem.
Das ABDA-Positionspapier „In eine gesunde Zukunft mit der Apotheke“ knüpft thematisch an die europäische Vision an und unterstreicht die Bedeutung der Apotheke als unverzichtbaren Akteur der Gesundheitsversorgung.










