ABDA unterstützt Erklärung zum Fremdbesitzverbot

Vor den Beratungen zum Neunten Steuerberatungsänderungsgesetz fordern ABDA, Steuerberater, Ärzte und Zahnärzte eine klare Absicherung des Fremdbesitzverbots. Aus Sicht der freien Berufe geht es um Vertrauen, Qualität und die Stabilität mittelständischer Strukturen.

Apothekerin berät älteren Mann

Im Vorfeld der Beratungen zum Neunten Steuerberatungsänderungsgesetz (StBÄndG) im Finanzausschuss des Bundesrates am 19. Februar 2026 schließt sich die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände der Bundessteuerberaterkammer an. Gemeinsam mit weiteren Organisationen der Freien Berufe fordert sie, das Fremdbesitzverbot klarer und rechtssicher auszugestalten.

Neben der Steuerberaterkammer und der ABDA haben auch die Bundesärztekammer, die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung sowie der Bundesverband der Freien Berufe eine entsprechende Erklärung unterzeichnet. Die Verbände sehen im aktuellen Regierungsentwurf keine ausreichende Absicherung gegen Umgehungskonstruktionen, über die internationale Finanzinvestoren Einfluss auf freiberufliche Strukturen nehmen könnten.

Unabhängigkeit als Kernprinzip

Im Zentrum der gemeinsamen Stellungnahme steht die Forderung, Fremdbesitz eindeutig auszuschließen. Die Freien Berufe stünden für persönliche Verantwortung, fachliche Unabhängigkeit und Gemeinwohlorientierung. Diese Prinzipien gerieten unter Druck, wenn wirtschaftliche Interessen der Kapitalgeber Vorrang vor fachlichen Entscheidungen erhielten.

Rückendeckung sehen die Verbände auch in der aktuellen Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs, der die besondere Schutzwürdigkeit der freiberuflichen Unabhängigkeit betont habe. Das Fremdbesitzverbot sei daher kein überholtes Relikt, sondern ein wichtiges Instrument, um berufliche Integrität zu sichern.

Vertrauen, Verschwiegenheit, Verbraucherschutz

Ein weiteres Argument betrifft das besondere Vertrauensverhältnis zwischen Berufsträgern und Mandanten, Patienten oder Kunden. Sensible Daten und persönliche Informationen erfordern ein Höchstmaß an Verschwiegenheit. Berufsfremde Investoren unterlägen jedoch keiner berufsrechtlichen Schweigepflicht. In dieser Perspektive sei das Fremdbesitzverbot nicht nur Berufsrecht, sondern zugleich Daten- und Verbraucherschutz.

Zugleich warnen die Organisationen vor einem möglichen Zielkonflikt zwischen Renditeerwartungen und Versorgungsqualität. Freiberufliche Leistungen seien langfristig angelegt und am Bedarf der Menschen orientiert und nicht an kurzfristigen Gewinnerwartungen

Mittelstand und regionale Versorgung sichern

Mehr als 90 % der Kanzleien, Praxen und Apotheken in Deutschland sind kleine und mittlere Betriebe. Sie sind regional verwurzelt, wichtige Arbeitgeber vor Ort und investieren erheblich in Ausbildung. Ein verstärkter Einstieg internationaler Investoren könne zu Marktkonzentration führen, so die Unterzeichner. Große, investorengetriebene Einheiten könnten kleinere, inhabergeführte Strukturen verdrängen. Das bringt Risiken insbesondere für ländliche Regionen mit sich.

Die Verbände betonen zudem, dass kein struktureller Kapitalmangel bestehe, der eine Öffnung für Fremdbesitz erforderlich mache. Investitionen in Digitalisierung und Infrastruktur ließen sich über etablierte Finanzierungswege wie Bankkredite oder Förderprogramme realisieren.

Appell an den Gesetzgeber

Mit Blick auf das laufende Gesetzgebungsverfahren fordern die unterzeichnenden Organisationen, klare Regelungen zur Absicherung des Fremdbesitzverbots in das Neunte Steuerberatungsänderungsgesetz aufzunehmen und Umgehungsmöglichkeiten zu schließen. Nur so ließen sich Unabhängigkeit, Qualität und Vielfalt der Freien Berufe dauerhaft als tragende Säule von Rechtsstaat, Gesundheitswesen und mittelständischer Wirtschaft sichern.

Autor:
Stand:
23.02.2026
Quelle:
  1. ABDA: Pressemitteilung, 16.02.2026.
  2. Gemeinsame Erklärung: Fremdbesitzverbot stärken  Umgehungen verhindern, 12.02.2026.
  • Teilen
  • Teilen
  • Teilen
  • Drucken
  • Senden
Orphan Disease Finder
Orphan Disease Finder

Hier können Sie seltene Erkrankungen nach Symptomen suchen: