Salt Lake City. Das Internet gilt oft als unerschöpfliche Quelle von unseriösen Informationen über gesundheitliche Fragen. Tatsächlich machen die zweifelhaften Informationen aber nur einen kleinen Teil der Gesundheitsinformationen aus – und die Reichweite dieser Inhalte ist darüber hinaus gering. Zu diesem Ergebnis kommt eine Forschungsgruppe der Universität von Utah (Salt Lake City).
Für die Studie wertete das Team die Browserdaten von ungefähr 1.000 US-Amerikanern über einen Zeitraum von vier Wochen aus. Erfasst wurde, welche Internetseiten tatsächlich besucht wurden und wie viel Zeit dort verbracht wurde. Anders als bei Befragungen beruhen die Ergebnisse somit auf beobachtetem Verhalten und nicht auf Selbstauskünften.
Die Forschenden kombinierten diese Nutzungsdaten mit Bewertungen zur Glaubwürdigkeit von Internetseiten. Externe Organisationen hatten zuvor Medienangebote danach eingestuft, ob sie journalistische Standards einhalten, transparent arbeiten und ihre Informationen belegen. Seiten, die diese Kriterien nicht erfüllten, wurden als niedrig glaubwürdig klassifiziert.
Nur ein Prozent der Online-Nutzung entfällt auf wenig glaubhafte Quellen
Bei der Auswertung zeigte sich, dass Gesundheitsinformationen im Internet sehr beliebt sind. Drei Viertel der Teilnehmenden (77 Prozent) besuchten während der Beobachtungsdauer entsprechende Seiten – mit durchschnittlich 34 Seitenaufrufen.
Nur etwa fünf Prozent der Teilnehmenden sahen laut Studie Gesundheitsinformationen aus wenig glaubwürdigen Quellen. Diese Aufrufe machten weniger als ein Prozent der gesamten Online-Nutzung aus. Damit blieb die Reichweite solcher Inhalte nach Angaben der Autoren deutlich hinter der öffentlichen Wahrnehmung zurück, wonach Falschinformationen im Gesundheitsbereich große Teile der Bevölkerung erreichen.
Unseriöse Gesundheitsseiten werden vor allem von Menschen über 65 genutzt
Als auffällig bezeichnen die Forschenden den Altersunterschied unter den Besuchern von Seiten mit zweifelhaften Gesundheitsinhalten. Demnach greift vor allem in der Altersgruppe ab 65 Jahren ein höherer Anteil der Nutzer auf niedrig glaubwürdige Gesundheitsseiten zu, nämlich neun Prozent. Das ist nahezu doppelt so viel wie im Durchschnitt.
In jüngeren Altersgruppen lag der Anteil deutlich niedriger. Bei den unter 30-Jährigen war er laut Studie verschwindend gering. Die große Mehrheit der jüngeren Studienteilnehmer rief keine Seiten mit zweifelhaften Gesundheitsinhalten auf. Auch in den mittleren Altersgruppen blieb der Anteil niedrig.
Die Studie zeigt zudem, dass sich die Nutzung stark auf eine kleine Gruppe konzentrierte. Ein Großteil der Besuche niedrig glaubwürdiger Gesundheitsseiten entfiel auf wenige Personen, die solche Inhalte wiederholt aufriefen. Die Mehrheit der Bevölkerung kam entweder gar nicht oder nur sehr vereinzelt damit in Kontakt.
Niedrig glaubwürdige Inhalte vor allem bei kontrovers diskutierten Themen
Untersucht wurden verschiedene gesundheitsbezogene Themenfelder, darunter Informationen zu Impfungen, chronischen Erkrankungen und allgemeinen Gesundheitstipps. Niedrig glaubwürdige Inhalte fanden sich vor allem bei kontrovers diskutierten Themen. Dennoch blieb auch dort der Anteil an der gesamten Informationsnutzung gering.
Die meisten Nutzer griffen überwiegend auf etablierte Nachrichtenangebote, offizielle Informationsseiten oder bekannte Gesundheitsportale zurück. Die Verfügbarkeit fragwürdiger Inhalte im Netz führte demnach nicht automatisch zu einer breiten Nutzung.
Studie hat Wirkung der Inhalte auf Teilnehmer nicht untersucht
Die Untersuchung beschränkt sich auf die Frage, wie häufig entsprechende Seiten aufgerufen wurden. Sie trifft keine Aussagen darüber, ob die Nutzer den Inhalten Glauben schenken oder ihr Verhalten aufgrund dieser Informationen ändern. Auch mögliche gesundheitliche Folgen wurden nicht untersucht.
Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, lassen sich zudem keine direkten Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge ableiten. Zwar zeigt sich ein Zusammenhang zwischen höherem Alter und häufigerem Besuch wenig glaubwürdiger Gesundheitsseiten, doch bleibt offen, welche Faktoren dabei im Einzelnen eine Rolle spielen.
Die Autoren betonen, dass ihre Ergebnisse die Diskussion über Gesundheitsdesinformation im Internet auf eine empirische Grundlage stellen. Zwar seien fragwürdige Inhalte online präsent, ihre tatsächliche Nutzung sei jedoch insgesamt begrenzt und konzentriere sich auf bestimmte Bevölkerungsgruppen.










