Vor dem Ärztetag: Hitzige Debatte um die GOÄneu

Die geplante Neufassung der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄneu) sorgt für hitzige Debatten. Während einige Fachverbände sie als zeitgemäße Reform befürworten, warnen andere vor massiven Einschnitten in die Versorgung und fordern eine Überarbeitung.

Goä Ärzte

Die geplante Neuregelung der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄneu) steht kurz vor der Abstimmung beim Deutschen Ärztetag und sorgt für kontroverse Diskussionen. Während beispielsweise der Spitzenverband ZNS und hausärztliche Vertreter sie als wichtigen Schritt zur Anerkennung der sprechenden Medizin befürworten, äußern andere ärztliche Organisationen massive Kritik an Inhalt und Verfahren.

Pro GOÄneu: Reform als überfälliger Schritt in die Gegenwart

Befürworter der Reform betonen, dass die bestehende GOÄ seit mehr als 25 Jahren kaum angepasst wurde und den modernen medizinischen Alltag nicht mehr abbildet. Der Spitzenverband ZNS (SPIZ), in dem Neurologen, Psychiater und Psychosomatiker organisiert sind, unterstützt die Reform ausdrücklich. Er hebt hervor, dass mit der neuen GOÄ erstmals eine differenziertere Bewertung ärztlicher Leistungen möglich sei – insbesondere im Bereich der Zuwendungsmedizin.

Laut SPIZ wurden in den Verhandlungen mit der privaten Krankenversicherung (PKV) wichtige Neuerungen vereinbart. So sei eine bessere Honorierung zeitaufwendiger ärztlicher Gespräche vorgesehen – ein Aspekt, der besonders in der Behandlung chronisch kranker oder psychisch belasteter Patienten relevant sei. Der Verband befürchtet, dass ein Scheitern der GOÄneu zu einem jahrelangen Stillstand führen könnte – ein Zustand, der insbesondere ärztliche Praxen mit hohem Gesprächsanteil benachteiligen würde.

Auch Hausärzte bewerten GOÄneu als Fortschritt

Auch bei der Frühjahrstagung des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes (HÄV) wurde die GOÄneu positiv bewertet. Die geplante Reform ermögliche eine realistischere Abbildung der alltäglichen ärztlichen Leistungen und trage damit zur wirtschaftlichen Stabilität bei. Insbesondere das HZV-Modell profitiere von einer Abrechnungssystematik, die sprechende Medizin nicht länger benachteilige.

Kritik an Intransparenz, Abwertungen und fehlender Abstimmung

Dem gegenüber stehen zahlreiche ärztliche Organisationen und Fachgesellschaften, die die GOÄneu in der derzeitigen Fassung entschieden ablehnen. In der Kampagne „GOÄneu – So nicht!“ fordern mehr als 30 Fachgesellschaften die Bundesärztekammer auf, die Reform nicht wie geplant zur Abstimmung zu bringen.

Die Hauptkritikpunkte: Der Entwurf sei ohne ausreichende Beteiligung der betroffenen Fachgruppen entwickelt worden. Die Fachärzte bemängeln demnach insbesondere fehlende betriebswirtschaftliche Kalkulationen und die unverhältnismäßige Abwertung wichtiger ärztlicher Leistungen. Die Deutsche Röntgengesellschaft (DRG) kritisiert demnach, dass radiologische Leistungen sowie apparative Diagnostik in der neuen Gebührenordnung ohne transparente Begründung teils drastisch reduziert werden sollten. 
Auch der Verband Akkreditierte Labore in der Medizin (ALM e.V.) meldet sich mit Kritik zu Wort. In einer Pressekonferenz zur Bilanz der Laborreform machte der Verband deutlich, dass die geplante GOÄneu gemeinsam mit der bereits umgesetzten EBM-Laborreform fatale Folgen für die Qualität der Patientenversorgung haben könnte. Die ALM-Vertreter warnen vor einem „Abbau bewährter Strukturen“ und einer „nachhaltigen Schwächung fachärztlicher Labore“.

Besonders besorgniserregend sei die geplante Vergütungsstruktur für labormedizinische Leistungen. Diese Leistungen sind laut ALM von Kürzungen betroffen, die in keinem Verhältnis zu ihrem Versorgungswert stünden. Auch die fehlende Einbindung der Fachvertreter in die Reformbemühungen sei nicht hinnehmbar.

Abstimmung auf dem Deutschen Ärztetag: Einigung oder Zerreißprobe?

Auf dem Deutschen Ärztetag Ende Mai in Leipzig wird sich zeigen, ob die Ärzteschaft in der Lage ist, einen gemeinsamen Weg in der Frage der GOÄneu zu finden. Die Abstimmung gilt als richtungsweisend: Kommt es zur Annahme der neuen GOÄ, könnte sie noch 2025 politisch eingebracht und in Kraft gesetzt werden – sofern da Bundesgesundheitsministerium zustimmt.

Die Gegner der GOÄneu fordern die Verschiebung der Abstimmung beim 129. Deutschen Ärztetag. Nur so könne der nötige Raum für eine breite Diskussion, Nachbesserungen und letztlich einen tragfähigen Kompromiss geschaffen werden. Sie pochen auf eine Gebührenordnung, die nicht nur sprechende Leistungen berücksichtige, sondern auch apparative, technische und diagnostische Leistungen angemessen abbilde. Nur eine ausgewogene GOÄ wird in der gesamten Ärzteschaft Akzeptanz und könne langfristig rechtssicher und belastbar sein.

Die Befürworter betonen auch die politische Dimension: Nach jahrzehntelangem Reformstau habe sich nun ein konsensfähiges Paket ergeben. Eine Verschiebung berge die Gefahr, dass die GOÄneu auf unbestimmte Zeit in der politischen Warteschleife verschwinde – mit allen negativen Folgen für die ärztliche Selbstverwaltung und das Vertrauen in die Reformfähigkeit der ärztlichen Selbstverwaltung.

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