Berlin/Lübeck. Hausärzte schließen mehr als drei Viertel der Akutfälle ohne Überweisung oder Klinikaufnahme in der Praxis ab. Knapp ein Viertel der Fälle wird an Fachärzte überwiesen, vor allem an die Gastroenterologie oder Orthopädie. Nur 3,4 Prozent der Akutfälle enden mit einer stationären Aufnahme. Das sind die zentralen Ergebnisse einer Studie des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) in Zusammenarbeit mit dem Institut für Allgemeinmedizin der Universität zu Lübeck zur ambulanten Akutversorgung durch Hausarztpraxen. Für die Studie analysierten die Autoren mehr als 870.000 hausärztliche Behandlungsfälle. In mehr als 620.000 Fällen (71,4 Prozent) ging es um akute Beschwerden.
Hausarztpraxen entlasten Kliniken und Notfallaufnahmen erheblich
Hochgerechnet auf das gesamte hausärztliche Fallaufkommen ergibt sich ein jährliches Volumen von etwa 134 Millionen akuten Behandlungsfällen in Hausarztpraxen. Zum Vergleich: Notaufnahmen verzeichneten während der Sprechstundenzeiten zuletzt rund 4,9 Millionen Akut- und Notfälle ab. Die Studie macht damit die Größenordnung sichtbar, in der Hausärzte tagtäglich zur Akutversorgung beitragen. „Jetzt wird durch die Studie deutlich, dass der größte Anteil der in den Hausarztpraxen auftretenden Akutfälle abschließend ambulant versorgt wird“, so der Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried. Damit werde klar, dass die Hausarztpraxen eine Schlüsselrolle bei der Versorgung übernehmen und gleichzeitig Kliniken entlasten.
Die Untersuchung verdeutlicht, dass Hausärzte als erste Anlaufstelle für akute Beschwerden unverzichtbar sind. Sie filtern den größten Teil der Fälle, versorgen die überwiegende Mehrheit eigenständig und stellen nur in einem kleinen Teil der Fälle eine Überweisung oder Einweisung aus. Ohne diese Filter- und Versorgungsfunktion wären Notaufnahmen und Spezialambulanzen erheblich stärker belastet.
Ergebnisse könnten Debatte um Notfallzentren und Primärversorgung beeinflussen
Laut Studienautor Dr. Christoph Strumann vom Institut für Allgemeinmedizin der Universität zu Lübeck zeigen die Ergebnisse, dass die hausärztliche Versorgung akuter Beschwerden weitgehend eigenständig erfolge. Prof. Dr. Jost Steinhäuser, ebenfalls von der Universität Lübeck, bezeichnet Hausarztpraxen daher als entscheidende Versorger für akute Anliegen.
Die Studie liefert Zahlen, die in aktuelle gesundheitspolitische Reformdebatten hineinwirken könnten. Vor allem die Frage nach der Rolle von Integrierten Notfallzentren werde durch die Daten neu gestellt. „Im Rahmen der kommenden Notfallreform sollten daher nicht zusätzliche Angebote eröffnet, sondern vorhandene Versorgungsstrukturen sinnvoll zusammengebracht werden“, so der Zi-Vorstandsvorsitzende von Stillfried.
Über die Studie: Die Studie stützt sich auf Daten aus mehr als 870.000 Behandlungsfällen sowie auf Befragungen zu mehr als 550 Konsultationen in Hausarztpraxen. Untersucht wurden Inanspruchnahme, Behandlungsverlauf und mögliche Überweisungen. Ziel war es, ein umfassendes Bild darüber zu gewinnen, wie häufig Patienten mit akuten Beschwerden direkt beim Hausarzt Hilfe suchen und wie diese Fälle verlaufen.










