Hausärzte: Bestellsystem für Grippeimpfstoffe bremst Impfkampagne

Nach Angaben des Deutschen Hausärzteverbandes wird die jährliche Grippe-Impfkampagne durch das bestehende Bestellsystem für Impfstoffe frühzeitig ausgebremst. Eine Neuregelung ohne wirtschaftliche Risiken für die Ärzte könne die Impfquote erhöhen

Influenza-Impfstoff

Berlin. Der Deutsche Hausärzteverband kritisiert das Bestellsystem für Grippeimpfstoffe und sieht darin einen wesentlichen Grund dafür, dass die Influenza-Impfkampagne vielerorts frühzeitig an Dynamik verliert. Die Hausärzte kritisieren insbesondere das Regressrisiko bei der Bestellung von Grippeimpfstoffen. Nach Darstellung des Hausärzteverbandes entsteht dieses Risiko durch die Abrechnungs- und Kontrollmechanismen der Krankenkassen. Demnach können die Kosten für ungenutzte Impfstoffe nicht immer vollständig erstattet werden. In der Folge bestehe für die Praxen das Risiko, dass sie Ausgaben für nicht verimpfte Dosen selbst tragen müssten. 

„Dieser Winter hat eindrücklich gezeigt, wie stark das Regressrisiko die Impfkampagne behindert. Wer die Impfquote steigern will, muss unseren Praxen ermöglichen, eine höhere Impfnachfrage bedienen zu können und voranzutreiben – dafür müssen die Impfregresse unbedingt abgeschafft werden,“ schreibt der Verband in einer Presserklärung.

Mit dieser Einschätzung macht der Verband deutlich, dass es sich nicht um ein theoretisches Risiko handelt, sondern um ein Problem, das sich unmittelbar auf den Ablauf der Impfkampagne auswirkt. Nach Darstellung des Hausärzteverbandes sind viele Praxen gezwungen, ihre Impfangebote frühzeitig zu begrenzen, um wirtschaftliche Nachteile zu vermeiden.

Regressrisiko als zentrales Hemmnis

Der Verband spricht in diesem Zusammenhang von einem strukturellen Problem, das die Impfkampagne bereits in der Planungsphase beeinflusst. Das Regressrisiko dämpfe die Impfbereitschaft in den Praxen. Ärzte seien gezwungen, ihre Bestellmengen vorsichtig zu kalkulieren, um mögliche finanzielle Verluste zu vermeiden. Dies führe dazu, dass häufig eher zu wenig als zu viel Impfstoff bestellt werde.

Der Verband verweist darauf, dass die Nachfrage nach der Grippeimpfung schwer vorhersehbar ist. Sie kann je nach Infektionslage, öffentlicher Wahrnehmung und individueller Risikoeinschätzung stark schwanken. Praxen müssten ihre Bestellungen jedoch bereits Monate vor Beginn der eigentlichen Impfsaison abgeben. Zu diesem Zeitpunkt sei nicht absehbar, wie viele Menschen sich tatsächlich impfen lassen wollen. Das wirtschaftliche Risiko liege dabei vollständig bei den Praxen.

Auswirkungen auf den Verlauf der Impfkampagne

Nach Angaben des Hausärzteverbandes zeigt sich die Wirkung dieses Systems im Verlauf der Impfkampagne. Wenn Praxen aus Vorsicht geringere Mengen bestellen, kann es im weiteren Verlauf der Saison zu Engpässen kommen. Steigt die Nachfrage unerwartet an, stehen nicht immer ausreichend Impfstoffe zur Verfügung. Nachbestellungen sind häufig nur eingeschränkt oder gar nicht möglich, da die Liefermengen begrenzt sind.

Der Verband sieht darin einen wesentlichen Grund dafür, dass die Impfkampagne vielerorts vorzeitig an Schwung verliert. Menschen, die sich erst später im Herbst oder Winter impfen lassen wollen, könnten dann nicht mehr überall ein entsprechendes Angebot vorfinden. Aus Sicht des Hausärzteverbandes wirkt sich dies negativ auf die Impfquote aus.

Forderung nach einer Neuregelung

Vor diesem Hintergrund fordert der Hausärzteverband eine Reform des Bestellsystems für Grippeimpfstoffe. Nach Ansicht des Verbandes müsse das Regressrisiko reduziert oder ganz abgeschafft werden, damit Praxen bedarfsgerechter bestellen können. Ziel sei es, die Impfkampagne planbarer und stabiler zu gestalten.

Eine Neuregelung könnte nach Darstellung des Verbandes dazu beitragen, dass Praxen ausreichend Impfstoff bevorraten, ohne wirtschaftliche Nachteile befürchten zu müssen. Dies würde es ermöglichen, auch bei einer steigenden Nachfrage im Verlauf der Saison weiterhin Impfungen anzubieten. Gleichzeitig könnten finanzielle Belastungen für die Praxen vermieden werden.

Autor:
Stand:
26.01.2026
Quelle:

Hausärzteverband: Regresse bremsen Grippe-Impfkampagne frühzeitig aus, zuletzt abgerufen am 26. Januar 2026 

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