ABDA warnt vor höheren Zuzahlungen für Arzneimittel

Die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung gerät zunehmend unter Druck. Eine deutliche Anhebung der Zuzahlungen auch für Medikamente wird als Lösung diskutiert. Die ABDA lehnt diese Pläne ab.

Apothekentüte

Der Druck auf die Politik ist groß. Union und SPD haben sich darauf verständigt, die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung im Jahr 2026 stabil zu halten. Gleichzeitig wird das Defizit der gesetzlichen Krankenversicherung aktuell auf rund zwei Milliarden Euro geschätzt. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) brachte zuletzt höhere Zuzahlungen ins Gespräch, um die Krankenkassen zu entlasten. Widerspruch kommt nun von der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. Die Apothekerschaft lehnt eine Anhebung der Zuzahlungen ab und warnt vor den Folgen für Patienten und Apotheken.

ABDA: soziale Schieflage droht

Aus Sicht der ABDA steht bei dem Vorschlag vor allem die soziale Dimension auf dem Spiel. „Gesundheit darf keine Frage des Geldbeutels sein“, sagt ABDA-Präsident Thomas Preis. Höhere Zuzahlungen würden das Risiko erhöhen, dass sich Menschen medizinisch notwendige Arzneimittel nicht mehr leisten können. Mögliche Folgen seien Therapieabbrüche, verzögerte Arztbesuche und eine Verschleppung von Erkrankungen. Am Ende, so Preis, drohten dadurch sogar höhere Kosten für das Gesundheitssystem und damit genau das Gegenteil der erhofften Entlastung der Krankenkassen.

Konkret geplante Mehrbelastungen

Bundesgesundheitsministerin Warken erwägt, die Zuzahlungen der gesetzlich Versicherten generell um 50 % anzuheben. Für Arzneimittel würde das bedeuten, dass Versicherte künftig 15 statt bislang 10 % des Preises selbst tragen müssten. Der Mindestbetrag stiege von 5 auf 7,50 Euro, der Höchstbetrag von 10 auf 15 Euro. Ob diese Pläne politisch umgesetzt werden, ist jedoch offen. In der Koalition gilt der Vorschlag als umstritten.

Zuzahlungen seit 2004 unverändert

Hintergrund der Überlegungen ist die angespannte Finanzlage der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Zuzahlungen der Versicherten haben derzeit ein Volumen von rund fünf Milliarden Euro pro Jahr, etwa die Hälfte davon entfällt auf Arzneimittel. Die geltenden Regelungen wurden bereits 2004 eingeführt und seitdem nicht angepasst.

Allerdings würde eine Anhebung der Zuzahlungen nicht automatisch zu entsprechend höheren Einnahmen führen. Denn es gilt eine gesetzliche Belastungsgrenze. Versicherte müssen maximal 2 % ihres jährlichen Bruttoeinkommens selbst zuzahlen, chronisch Kranke nur 1 %. Wird diese Grenze überschritten, sind sie von weiteren Zuzahlungen befreit. Bei steigenden Eigenanteilen könnten daher mehr Versicherte schneller diese Grenze erreichen.

Apotheken als Inkassostelle unter Druck

Neben den sozialen Auswirkungen sieht die ABDA auch Belastungen für die Apotheken vor Ort. Diese fungieren bereits heute faktisch als Inkassostellen für die Krankenkassen, indem sie Zuzahlungen direkt bei den Versicherten einziehen. Dabei tragen sie nicht nur das Risiko von Zahlungsausfällen, sondern auch die Kosten für Kartenzahlungen. Eine Erhöhung der Zuzahlungen würde diesen Effekt nach Einschätzung der ABDA weiter verschärfen. Sowohl der bargeldlose Zahlungsverkehr als auch das finanzielle Risiko für die Apotheken nähmen weiter zu und das in einer Situation, in der viele Betriebe wirtschaftlich ohnehin angespannt sind.

ABDA fordert andere Lösungen

Für die ABDA sind höhere Zuzahlungen der falsche Weg. Zuzahlungen kämen ausschließlich den Krankenkassen zugute, betont Präsident Preis. Wenn die Politik an diesem Instrument festhalte, müssten die Kassen zumindest selbst für den Einzug bei ihren Versicherten verantwortlich sein. Die Apotheken dürften nicht weiter als verlängerter Arm der Kostenträger herangezogen werden. Stattdessen fordert der Verband nachhaltige und solidarische Konzepte zur Finanzierung des Gesundheitssystems ohne zusätzliche Hürden für Patienten und die wohnortnahe Arzneimittelversorgung.

Autor:
Stand:
12.01.2026
Quelle:
  1. ABDA: Pressemitteilung, 23.12.2025  
  2. RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND): Zuzahlungen für Medikamente könnten deutlich steigen, 09.10.2025
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