Geburt: Quote der Kaiserschnitte nimmt weiter zu

Nach aktuellen KKH-Zahlen erfolgten im Jahr 2024 nahezu 34 % aller Geburten per Kaiserschnitt. Seit 2020 liegt die Sectio-Quote konstant über 30 %.

Frau neugeborenes Baby

Hannover. In Deutschland findet mittlerweile ein Drittel aller Geburten nicht im Kreißsaal, sondern im OP-Saal statt. Laut aktuellen Zahlen der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) wurden im Jahr 2024 rund 33,9 % aller Neugeborenen per Sectio entbunden. Konkret zählt die KKH in einer Stichprobe von 9.394 Geburten 3.180 Kaiserschnitte. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes hat sich die Zahl der Kaiserschnitte seit Anfang der 1990er Jahre verdoppelt.

Trend seit Jahren stabil über der 30-Prozent-Marke

Die KKH hebt hervor, dass diese hohe Quote kein Einzelfall ist. Demnach liegt der Anteil der Kaiserschnitte seit 2020 konstant über 30 %. Auch eine erste Auswertung des ersten Halbjahres 2025 deute darauf hin, dass sich dieser Trend fortsetzt. Die Sectio ist damit keine Ausnahme, sondern gehört für viele Frauen zur standardmäßigen Geburtsplanung.

Indikationen: medizinische Notwendigkeit und persönliche Präferenzen

„Häufig liegt eine klare medizinische Indikation für einen Kaiserschnitt vor – zum Beispiel bei einer ungünstigen Lage des Kindes, einem Geburtsstillstand oder auffälligen Herztönen. In solchen Fällen ist der Eingriff die sicherste Option für Mutter und Kind“, so Vijitha Sanjivkumar, Expertin für Kinder und Frauengesundheit bei der KKH. Häufig sei der Kaiserschnitt also ärztlich indiziert.

Darüber hinaus spielten persönliche und gesellschaftliche Aspekte eine wesentliche Rolle bei der Entscheidung für einen Kaiserschnitt. Laut Sanjivkumar wünschen sich Frauen eine planbare Geburt, wollen Risiken und Komplikationen einer vaginalen Entbindung umgehen sowie Schmerzen oder Kontrollverlust vermeiden. Ein weiterer Aspekt sei, dass Frauen heute im Durchschnitt später Mutter werden als früher – und wegen des höheren Alters mit vermehrten Risiken rechnen müssten.

„Spontane Geburt hat einen positiven Einfluss auf die Gesundheit des Babys“

Sanjivkumar rät, die Entscheidung für einen Kaiserschnitt nur nach sorgfältiger Abwägung zu treffen. Der Kaiserschnitt sei die bessere Wahl, „wenn eine natürliche Geburt eine gesundheitliche Gefahr für Mutter oder Kind darstellt. Eine spontane Geburt ist in der Regel deutlich weniger invasiv und hat einen positiven Einfluss auf die Gesundheit des Babys“, so die Expertin. Ein Kaiserschnitt gehe, wie jede Operation, mit Risiken einher. Als Beispiele nennt Sanjivkumar das Infektionsrisiko, eine langsamere körperliche Erholung und mögliche Auswirkungen auf zukünftige Geburten.

Zahl der Kaiserschnitte im regionalen und internationalen Vergleich

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts kamen in Deutschland 2023 gut 218.000 Kinder per Kaiserschnitt zur Welt. Das entspricht 32,6 % der Geburten. Dabei verzeichnete das Bundesamt große regionale Unterschiede. Die meisten Kaiserschnitte gibt es demnach im Saarland (36,4 %), die wenigsten in Sachsen (25,6 %).

Im Durchschnitt der entwickelten Industrienationen (OECD-Länder) liegt die deutsche Quote im Mittelfeld. Spitzenreiter ist die Türkei: Dort kommen 60 Kaiserschnitte auf 100 Lebendgeburten. In Israel, Island (je 15) und Norwegen (16) sind Kaiserschnitte laut Bundesamt hingegen besonders selten.

Autor:
Stand:
25.08.2025
Quelle:
  1. Kaufmännische Krankenkasse (KKH): Jedes dritte Kind 2024 per Kaiserschnitt geboren, zuletzt abgerufen am 18. August 2025
  2. Statistisches Bundesamt: Fast ein Drittel aller Geburten im Jahr 2023 durch Kaiserschnitt, zuletzt abgerufen am 18. August 2025
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