Jüngere setzen bei Gesundheitsfragen häufiger auf „Dr. Google“

Nach einer repräsentativen forsa-Umfrage im Auftrag der KKH greifen besonders junge Erwachsene bei gesundheitlichen Beschwerden auf das Internet zurück. Ein erheblicher Teil stellt sich selbst Diagnosen oder vermeidet Arztbesuche. Die Kasse mahnt, Ergebnisse der eigenen Webrecherche nicht zu überschätzen.

Umfrage

Bei gesundheitlichen Beschwerden greifen viele Menschen zuerst zu Smartphone oder Computer. Nach Angaben der KKH Kaufmännische Krankenkasse zeigt eine aktuelle repräsentative forsa-Umfrage, dass dieses Verhalten vor allem bei jüngeren Menschen mit besonderen Risiken verbunden ist. Während die Mehrheit der Bevölkerung grundsätzlich medizinische Informationen im Internet sucht, neigen jüngere Nutzer deutlich häufiger dazu, die gefundenen Inhalte als Grundlage für eigene Diagnosen zu verwenden.

Jüngere Menschen stellen sich deutlich häufiger selbst eine Diagnose

Laut der Befragung haben 91 Prozent der 1.000 befragten Personen im Alter von 16 bis 70 Jahren schon einmal im Internet nach Informationen zu Krankheiten und Symptomen recherchiert. Auffällig ist jedoch der hohe Anteil junger Menschen, die aus diesen Informationen konkrete Schlüsse für ihr eigenes Krankheitsbild ziehen. Nach Angaben der KKH haben sich insgesamt 13 Prozent der Befragten bereits selbst eine Diagnose gestellt. In der Altersgruppe der 16- bis 34-Jährigen liegt dieser Wert deutlich höher: Hier gab jede fünfte Person an, sich schon einmal selbst diagnostiziert zu haben. Das entspricht 20 Prozent.

Befragte möchten durch die Internetrecherchen Arztbesuch und Wartezeiten vermeiden

Die Umfrage zeigt zudem, dass das Internet für gut ein Drittel der Befragten nicht nur eine Informationsquelle ist, sondern eine Alternative zum Arztbesuch darstellt. Nach Angaben der KKH gaben 32 Prozent der Befragten an, im Netz zu medizinischen Fragen zu recherchieren oder dies zu tun, um sich einen Arztbesuch zu ersparen. Als Gründe werden unter anderem volle Arztpraxen und lange Wartezeiten auf einen Termin genannt.

Auch hier zeigen sich Unterschiede zwischen den Altersgruppen. Jüngere Menschen, die mit digitalen Medien aufgewachsen sind, nutzen Suchmaschinen und Gesundheitsportale besonders selbstverständlich. Sie greifen häufiger auf Online-Informationen zurück, um Beschwerden einzuordnen, und ziehen daraus Konsequenzen für ihr weiteres Vorgehen. Ältere Befragte nutzen das Internet zwar ebenfalls, suchen jedoch häufiger ergänzend ärztlichen Rat.

Jeder Vierte verzichtet nach Online-Recherche auf den Arzt

Welche Folgen die Internetrecherche für das Verhalten der Menschen hat, verdeutlicht ein weiteres Ergebnis der Befragung. Rund jede vierte Person, die sich bereits online über Krankheiten und Behandlungsmöglichkeiten informiert hat, gab an, sich dadurch selbst geholfen zu haben und deshalb auf einen Arztbesuch verzichtet zu haben. Dieser Anteil liegt laut KKH bei 23 Prozent.

Damit wird deutlich, dass die Recherche im Netz für viele nicht nur der Vorbereitung auf einen Arzttermin dient, sondern als ausreichend empfunden wird, um Beschwerden eigenständig zu bewerten. Besonders bei jüngeren Befragten ist diese Haltung verbreitet. Sie verlassen sich häufiger auf die eigene Einschätzung und sehen den Gang in die Praxis nicht zwingend als notwendig an, solange sich die Symptome nicht verschlimmern.

Selbstdiagnose: KKH mahnt zur Vorsicht bei der eigenen Einschätzung

In der Auswertung der Umfrage warnt die KKH davor, die Ergebnisse der eigenen Webrecherche zu überschätzen. Informationen aus dem Internet könnten zwar eine erste Orientierung bieten, eine ärztliche Diagnose jedoch nicht ersetzen. Medizinische Einschätzungen erforderten neben der Kenntnis typischer Symptome auch körperliche Untersuchungen, Laborwerte und die Berücksichtigung der individuellen Krankengeschichte.

Nach Angaben der Krankenkasse bestehe insbesondere bei jüngeren Nutzern die Gefahr, dass Beschwerden falsch interpretiert werden. Wer Symptome im Internet recherchiert, stoße häufig auf allgemeine Beschreibungen, die auf unterschiedliche Krankheitsbilder zutreffen könnten. Dies könne dazu führen, dass harmlose Beschwerden als schwerwiegend eingeschätzt werden oder umgekehrt ernste Anzeichen nicht ernst genug genommen werden.

Große Qualitätsunterschiede bei Gesundheitsinformationen im Netz

Ein weiteres Risiko sieht die KKH in der Qualität der verfügbaren Online-Informationen. Neben fachlich geprüften Gesundheitsportalen existieren zahlreiche private Webseiten, Blogs und Inhalte in sozialen Netzwerken, die nicht auf medizinischer Expertise beruhen. Diese Quellen könnten laut Krankenkasse unvollständige oder verzerrte Darstellungen liefern.

Die Umfrage macht deutlich, dass viele Menschen Schwierigkeiten haben, seriöse von unseriösen Informationen zu unterscheiden. Gerade jüngere Nutzerinnen und Nutzer, die sich routiniert im Internet bewegen, neigen dazu, verschiedene Quellen schnell zu überfliegen und daraus eigene Schlüsse zu ziehen. Die KKH sieht darin ein erhöhtes Risiko für Fehlinterpretationen und falsche Entscheidungen im Umgang mit der eigenen Gesundheit.

Über die Umfrage: Die forsa-Umfrage im Auftrag der KKH basiert auf der Befragung von 1.000 Personen im Alter zwischen 16 und 70 Jahren und gilt als repräsentativ.

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