Deutschland gewinnt an Attraktivität für klinische Studien

Der Studienstandort-Barometer signalisiert eine wachsende Attraktivität Deutschlands für industrieveranlasste klinische Prüfungen. Regulatorische Anpassungen wirken, doch bremsen weiterhin Fachkräftemangel und Defizite bei der Digitalisierung.

Klinische Studie

Der Studienstandort Deutschland legt zu. Das zeigt die aktuelle Erhebung des „Studienstandort-Barometers“, das im Auftrag des Bundesverbands Medizinischer Auftragsinstitute (BVMA), des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) und des Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) durchgeführt wurde. Die Befragung, realisiert von der Unternehmensberatung Vintura, zeigt, dass sich seit Juli 2025 die Attraktivität Deutschlands für industrieinitiierte klinische Arzneimittelstudien verbessert hat. Es besteht sogar weiteres Potenzial nach oben.

Deutliches Plus im Barometer-Wert

Im Januar 2026 bewerteten 26 Pharmaunternehmen und 29 Auftragsforschungsinstitute (CROs) die aktuelle Lage auf einer Skala von -100 bis +100 mit durchschnittlich +27. Auch die Erwartungen für die kommenden Monate fallen optimistisch aus (+34). Daraus ergibt sich ein Gesamtwert von +31.

Zum Vergleich lag im Juli 2025 der Gesamtwert noch bei +9. Dieser Wert war getragen von einer leicht negativen Lageeinschätzung (-3) und einem vorsichtig positiven Trend (+24). Die aktuelle Entwicklung signalisiert somit einen klaren Aufwärtstrend. Als wesentlicher Impulsgeber gilt das Medizinforschungsgesetz. Verpflichtende Standardvertragsklauseln sowie Neuregelungen im Strahlenschutz trugen zur Planbarkeit und Beschleunigung klinischer Prüfungen bei.

Personalmangel bremst die Dynamik

Trotz der positiven Entwicklung sehen die Akteure weiterhin strukturelle Hürden. Als wichtiges Hemmnis gilt der Mangel an qualifiziertem Studienpersonal. Kliniken und Arztpraxen berichten, dass fehlende personelle Ressourcen die Beteiligung an klinischen Prüfungen limitieren. Gefordert werden daher zusätzliche Ausbildungs- und Studienmodule mit Studienbezug in MINT-Fächern, klar definierte Karrierewege sowie attraktive Vergütungsmodelle für Studienpersonal. Ohne gezielte Nachwuchsförderung drohe die positive Entwicklung ins Stocken zu geraten.

Digitalisierung bleibt Schwachstelle

Ein weiterer Engpass ist die digitale Infrastruktur. Nach Einschätzung der Verbände fehlen vielerorts interoperable Systeme, die klinische Studien effizienter unterstützen. Praxis- und Kliniksoftware zur Verwaltung elektronischer Patientenakten sollte künftig standardmäßig auch studienspezifische Funktionen enthalten. Zudem bestehen weiterhin rechtliche Unsicherheiten, etwa bei der Frage, welche Form der elektronischen Signatur für die Einwilligung in klinische Studien zulässig ist. Solche Unklarheiten können Prozesse verzögern und Investitionen hemmen.

169 Studienzentren befragt

Neben Industrie und CROs wurden auch Studienzentren in die Analyse einbezogen. Es beteiligten sich 169 Universitätsklinika, nicht-universitäre Kliniken und Arztpraxen an der Erhebung über bestehende Hindernisse. Die Ergebnisse unterstreichen, dass strukturelle Defizite, vor allem Personalengpässe und digitale Lücken, im Versorgungsalltag unmittelbar spürbar sind.

Handlungsempfehlungen

Die beteiligten Verbände haben ihre Forderungen in „Handlungsempfehlungen 2.0“ gebündelt. Fünf Handlungsfelder stehen im Fokus: 

  1. Fachkräftemangel bekämpfen
  2. bürokratische Prozesse reduzieren und die Forschung beschleunigen
  3. klinische Prüfungen sichtbarer machen 
  4. Digitalisierung nicht als Stolperstein, sondern als Sprungbrett verstehen und gestalten
  5. Forschung für mehr Innovationen und Wettbewerbsfähigkeit fördern

Das nächste Update des Studienstandort-Barometers ist für Sommer 2026 angekündigt. Bis dahin wird sich zeigen, ob der aktuelle Aufwärtstrend nachhaltig ist oder ob strukturelle Engpässe das Wachstum erneut ausbremsen.

Autor:
Stand:
16.02.2026
Quelle:

Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie e.V. (BPI), Bundesverband Medizinischer Auftragsinstitute (BVMA), Verband Forschender Arzneimittelhersteller e.V. (vfa).: Pressemitteilung, 10.02.2026.

  • Teilen
  • Teilen
  • Teilen
  • Drucken
  • Senden
Orphan Disease Finder
Orphan Disease Finder

Hier können Sie seltene Erkrankungen nach Symptomen suchen: