WiDO: Kosten für Pflegepersonal im Krankenhaus stark gestiegen

Die Ausgaben für Pflegepersonal in deutschen Krankenhäusern sind in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen. Das zeigt eine Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK. Vor allem seit Einführung des Pflegebudgets haben sich die Kosten für das Pflegepersonal demnach deutlich erhöht.

Pflegekraft Krankenhaus

Berlin. Die Kosten für Pflegepersonal in deutschen Krankenhäusern sind seit Einführung des sogenannten Pflegebudgets (2020) deutlich gestiegen. Das geht nach Angaben des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WiDO) aus einer Auswertung der Abrechnungs- und Budgetdaten aus den Krankenhäusern hervor. Demnach sind sowohl das Gesamtvolumen der Pflegepersonalkosten als auch der durchschnittliche Aufwand je Krankenhaus gestiegen. Das WiDO weist darauf hin, dass die Analyse sich auf die Darstellung der Kostenentwicklung bezieht und keine Aussage zur Wirtschaftlichkeit einzelner Einrichtungen trifft. 

Einführung des Pflegebudgets als Zäsur

Das Pflegebudget wurde 2020 mit dem Pflegepersonal-Stärkungsgesetz eingeführt. Ziel war es, die Finanzierung der Pflegepersonalkosten aus dem pauschalierenden Fallpauschalensystem herauszulösen und stattdessen krankenhausindividuell zu vergüten. Die tatsächlichen Kosten für Pflegepersonal am Bett werden seither gesondert refinanziert.

Laut WiDO markiert diese Reform einen deutlichen Einschnitt in der Finanzierungssystematik. Während zuvor Pflegepersonalkosten über die diagnosebezogenen Fallpauschalen abgebildet wurden, erfolgt nun eine separate Budgetverhandlung zwischen Krankenhäusern und Kostenträgern. Die Analyse zeigt, dass sich das vereinbarte Pflegebudget seit der Einführung kontinuierlich erhöht hat. Dabei seien nicht nur Tarifsteigerungen, sondern auch strukturelle Veränderungen der Personalorganisation.

Gesamtvolumen der Pflegebudgets auf neuem Höchststand 

Wie aus der WiDO-Auswertung hervorgeht, stiegen die Pflegepersonalkosten in den Jahren nach Einführung des Pflegebudgets stark an. Nach Darstellung des Instituts betrifft dies sowohl große Klinikkonzerne als auch kleinere Häuser. Das Gesamtvolumen der vereinbarten Pflegebudgets erreichte demnach in den jüngsten ausgewerteten Jahren einen neuen Höchststand.

Laut WiDO sind mehrere Faktoren für diese Entwicklung verantwortlich. Neben allgemeinen Tarifsteigerungen im öffentlichen Dienst und bei kirchlichen Trägern wirken sich auch Neueinstellungen und veränderte Personalstrukturen aus. Zudem habe die gesetzliche Herauslösung der Pflegepersonalkosten aus dem DRG-System dazu geführt, dass diese transparenter und vollständiger ausgewiesen werden.

Das Institut weist darauf hin, dass die Refinanzierung über das Pflegebudget grundsätzlich kostendeckend angelegt ist. Dadurch werden steigende Personalkosten unmittelbar in den Budgets abgebildet.

Dynamik der Steigerungen: regionale und strukturelle Unterschiede

Die WiDO-Analyse zeigt nach eigenen Angaben auch Unterschiede zwischen einzelnen Krankenhäusern und Regionen. Während einige Krankenhäuser besonders hohe Steigerungsraten aufweisen, fällt der Anstieg in anderen Einrichtungen moderater aus. Gründe hierfür können laut WiDO unterschiedliche Ausgangsniveaus, Tarifbindungen oder die jeweilige Versorgungsstruktur sein.

So unterscheiden sich beispielsweise Universitätskliniken, Maximalversorger und kleinere Grund- und Regelversorger in ihrer Personalstruktur und im Umfang der pflegerischen Leistungen. Entsprechend variieren auch die vereinbarten Budgets. Eine einheitliche Entwicklung über alle Häuser hinweg lasse sich zwar erkennen, die Dynamik sei jedoch unterschiedlich ausgeprägt.

Zusammenhang mit Personalentwicklung

Nach Angaben des WiDO ist der Kostenanstieg auch vor dem Hintergrund der Personalentwicklung zu sehen. Ziel der Reform war es unter anderem, mehr Pflegepersonal in den Krankenhäusern zu beschäftigen und die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Die separate Finanzierung sollte sicherstellen, dass zusätzliche Stellen nicht zulasten anderer Leistungsbereiche gehen.

Die Auswertung macht deutlich, dass die Personalkostenentwicklung eng mit tariflichen Anpassungen und Neueinstellungen verknüpft ist. Gleichzeitig weist das Institut darauf hin, dass die reine Budgethöhe keine unmittelbare Aussage über die tatsächliche Personalausstattung pro Station oder Fachabteilung erlaubt.

Mit dem Anstieg der Pflegepersonalkosten wächst auch die Bedeutung des Pflegebudgets im Gesamtgefüge der Krankenhausfinanzierung. Laut WiDO hat sich der Anteil der Pflegepersonalkosten an den Gesamterlösen der Krankenhäuser seit 2020 erhöht.

Autor:
Stand:
23.02.2026
Quelle:

Wissenschaftliches Institut der AOK (WiDO): Das Pflegebudget: eine empirische Zwischenbilanz, zuletzt abgerufen am 19. Februar 2026.

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