Nach Einschätzung der beteiligten Fachgesellschaften droht ohne strukturelle Nachbesserungen ein erheblicher Abbau schmerzmedizinischer Versorgungsangebote. Bis zu 40 % der stationären multimodalen Schmerztherapieplätze könnten wegfallen – mit weitreichenden Folgen für rund 4,8 Millionen Menschen mit schweren chronischen Schmerzen in Deutschland.
Hintergrund ist die aktuelle Systematik der Leistungsgruppen im Rahmen der Krankenhausreform. Diese sieht bislang keine eigenständige Zuordnung für die spezialisierte Schmerzmedizin vor. Stattdessen werden schmerzmedizinische Einrichtungen fachfremden Leistungsgruppen wie der Inneren Medizin oder der Chirurgie zugeordnet. Die dort geltenden Struktur- und Ausstattungsanforderungen sind aus Sicht der Fachgesellschaften weder medizinisch sinnvoll noch wirtschaftlich umsetzbar. Erste stationäre Schmerztherapieangebote wurden bereits geschlossen oder stehen vor dem Aus.
In ihrem Brandbrief fordern die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS), der Berufsverband der Schmerztherapeuten Deutschlands (BVSD), die Deutsche Schmerzgesellschaft und die IGOST den Gesundheitsausschuss des Bundestags auf, im parlamentarischen Verfahren eine eigenständige Leistungsgruppe „Spezielle Schmerzmedizin“ zu verankern. Die dafür erforderlichen Qualitätskriterien existieren nach Angaben der Verbände bereits und könnten kurzfristig bundesweit umgesetzt werden.
Eine eigenständige Leistungsgruppe würde aus Sicht der Fachgesellschaften Planungssicherheit für Länder und Kliniken schaffen, Folgekosten reduzieren und die Versorgung chronisch schmerzkranker Patienten langfristig sichern. Gleichzeitig wäre sie ein wichtiges Signal an die interdisziplinären Behandlungsteams, deren Arbeit durch die Reform derzeit erheblich unter Druck gerät.
Auch auf den Deutschen Schmerz- und Palliativtagen 2026 wird das Thema eine zentrale Rolle spielen. Die DGS kündigte an, den Dialog mit der Bundespolitik weiterzuführen und die gesundheitspolitischen Auswirkungen der Krankenhausreform im Rahmen des Kongresses intensiv zu diskutieren.










