Gütersloh. Länder, die überdurchschnittlich viele Medizin-Studienplätze anbieten, stehen bei der ärztlichen Versorgung langfristig messbar besser da. Das zeigt eine neue Auswertung des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE). Demnach verfügen Regionen mit medizinischer Fakultät häufig über eine höhere Ärztedichte je Einwohner.
Zahl der Medizinstudienplätze: Große Unterschiede zwischen den Ländern
Die Untersuchung offenbart zugleich große Unterschiede der Bundesländer beim Ausbau der Studienplätze für Medizin. Im Verhältnis zur Bevölkerung liegt das Saarland mit rund 29 Studienanfängerplätzen je 100.000 Einwohner vorn, Mecklenburg-Vorpommern folgt mit etwa 26. Weitere überdurchschnittliche Werte zeigen sich für Sachsen-Anhalt, Hamburg, Hessen und Berlin. Brandenburg und Bremen hingegen bieten bislang kein staatliches Medizinstudium an. In Brandenburg soll allerdings die neu gegründete Medizinische Universität Lausitz zum Wintersemester 2026/27 den Studienbetrieb aufnehmen.
Heute teure Studienplätze schaffen – und morgen von Versorgungssicherheit profitieren
Ein Medizinstudienplatz ist kostspielig. Laut amtlichen Daten betragen die laufenden Ausgaben im Bereich Humanmedizin im Durchschnitt 25.000 Euro jährlich je Studienplatz. Dazu kommen Investitionen in Kliniken, Lehrpraxen und Hochschulgebäude, die das Budget der dafür verantwortlichen Länder über Jahre binden. Aber: Die CHE-Auswertung macht deutlich, dass diese Ausgaben mehr sind als reine Kosten. Sie schaffen ein Fundament für Versorgungssicherheit, das in Zeiten des Ärztemangels und alternder Bevölkerung an Bedeutung gewinnt. Wer heute Kapazitäten schaffe, stärke damit die Chancen auf mehr Ärzte in der Fläche, so die Autoren der Auswertung.
„Klebeeffekt“: Ausgebildete bleiben häufiger in der Region
Laut CHE dürfen die Bundesländer berechtigt darauf hoffen, dass Medizin-Absolventen nach dem Abschluss in der Nähe ihres Studienortes bleiben. Die CHE konstatiert Hinweise auf einen „Klebeeffekt“: Demnach bleiben Ärzte dort, wo sie studiert und erste Erfahrungen gesammelt haben. In Regionen mit Medizinstudienangebot sei die Ärztedichte tendenziell höher, vor allem in Großstädten wie Berlin, Hamburg, Köln/Bonn und München oder Regionen wie Unterer Neckar (Universität Heidelberg), Südlicher Oberrhein (Universität Freiburg) oder Schleswig-Holstein Ost (Medizinische Universität Lübeck).
Die Bindung der Absolventen entstehe unter anderem durch Netzwerke im klinischen Abschnitt, im Praktischen Jahr und in der Weiterbildung. Lehrkrankenhäuser und kooperierende Praxen seien darüber hinaus attraktiv, um Talente in der Region zu halten.
Zahl der Medizinstudenten steigt: Zu wenige Plätze für den wachsenden Bedarf
Im Wintersemester 2023/24 stand Medizin mit rund 113.000 Studierenden auf Platz sieben der Studienfächer. Nach Angaben von hochschulstart.de sind zwei Drittel der Studienanfänger weiblich. Für das aktuelle Wintersemester 2024/25 haben sich gut 33.000 Abiturienten auf die 10.219 Medizinstudienplätze beworben. Somit ist nur ein Drittel der Bewerber zum Zuge gekommen.
Gleichzeitig bleibt die Zahl der Studienplätze laut CHE insgesamt hinter dem medizinischen Bedarf zurück. Die Alterung der Bevölkerung, steigende Morbidität und der bevorstehende Ruhestand vieler Fachärzte verschärfen die Lücke. Die Bilanz der Auswertung fällt entsprechend nüchtern aus: Trotz punktueller Ausbauprojekte reichen die Kapazitäten nicht aus, um den Ärztemangel zu beheben; insgesamt gebe es zu wenig Nachwuchs.










