Mehrheit sieht sich zu häuslicher Pflege nicht in der Lage

Nach Angaben des Arbeitgeberverbandes Pflege hält eine Mehrheit von 56 Prozent der Befragten die Pflege von Angehörigen für keine realistische Option – sei es aus Zeitgründen, fehlender Eignung oder fehlender Bereitschaft.

Pflege Angehöriger zuhause

Berlin. Mehr als die Hälfte der Befragten sieht sich nicht in der Lage, die häusliche Pflege von Angehörigen zu leisten. Das hat eine repräsentative Umfrage des Arbeitgeberverbandes Pflege (AGVP) ergeben. Demnach kommt die häusliche Pflege für 56 Prozent nicht infrage. Gut ein Drittel der Befragten (34,4 Prozent) begründet das mit der persönlichen Lebenssituation. Nur gut elf Prozent der Befragten lehnt es grundsätzlich ab, Angehörige häuslich zu pflegen. Ein weiteres Ergebnis der Umfrage: 43,7 Prozent der Befragten geben ausdrücklich an, sie seien bereit oder in der Lage, pflegebedürftige Angehörige selbst zu versorgen.

Andere Verpflichtungen erschweren Bereitschaft zur häuslichen Pflege

Die am häufigsten genannte Ursache für die Ablehnung der Pflege durch Angehörige ist die eingeschränkte Verfügbarkeit. Viele Befragte sehen sich durch Berufstätigkeit, Kinderbetreuung oder andere Verpflichtungen daran gehindert, regelmäßig und zuverlässig Pflege zu leisten. Darüber hinaus nannten einige Befragte ihre gesundheitliche oder psychische Belastung; andere zeigten Zweifel an der eigenen Fähigkeit, den Anforderungen einer langfristigen Pflege gerecht zu werden.

Laut Umfrage gibt es bei der Bereitschaft und Fähigkeit zur Angehörigenpflege kaum regionale Unterschiede. Auch Alter und Geschlecht haben keinen nennenswerten Einfluss. Derzeit habe jeder vierte Befragte einen nahen Angehörigen mit Pflegebedarf: Wegen der älter werdenden Gesellschaft sei von einem starken Anstieg auszugehen.

Pflegebranche: Politik muss professionelle Strukturen stärken

Nach Einschätzung des Arbeitgeberverbands Pflege geben die Umfrageergebnisse einen klaren Hinweis darauf, dass professionelle Pflege zunehmend wichtiger wird. Die Politik müsse Rahmenbedingungen schaffen, damit häusliche bzw. ambulante Pflege ausgebaut und besser unterstützt werden könnten. „Die Lösung der Pflegekrise durch eine Hausfrauen-Pflege ist eine Illusion von Leuten, die zu viele Heimatfilme aus den fünfziger Jahren geschaut haben“, so der AGVP-Präsident Thomas Greiner.  Auch AGVP-Geschäftsführerin Isabell Halletz kritisiert die Pläne der Bundesregierung, die häusliche Pflege einseitig zu fördern. Dies werde insbesondere die Frauen in den Familien belasten und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erschweren.

Auch Vertreter aus Pflegeorganisationen bewerteten die Ergebnisse als Signal, dass die familiäre Pflege strukturell nicht ausreichend sein könne, um den wachsenden Bedarf zu decken. Sie fordern einen Ausbau von Pflegeinfrastruktur, verbesserte finanzielle Anreize und stärkere Anerkennung professioneller Pflegeleistungen.

Autor:
Stand:
08.12.2025
Quelle:

Arbeitgeberverband Pflege: Umfrage: Angehörige zu pflegen, für Mehrheit der Deutschen keine Option (PDF-Download), zuletzt abgerufen am 3. Dezember 2025

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