Mehrheit junger angestellter Ärzte kann sich eine Niederlassung vorstellen

Mehr als die Hälfte der jungen angestellten Ärzte in Deutschland kann sich vorstellen eine eigene Praxis zu gründen. Das geht aus der KWEX-Studie des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung hervor. Die größten Hürden für die Niederlassung sehen die jungen Mediziner demnach in der Bürokratie und den wirtschaftlichen Risiken der Selbstständigkeit.

Hausarztpraxis Schild

Berlin. Die Mehrheit der jungen angestellten Ärzte in Deutschland kann sich vorstellen, eine eigene Praxis zu übernehmen oder zu gründen. Laut einer aktuellen Umfrage schließen nur 15 Prozent der jungen angestellten Ärzte eine spätere Niederlassung grundsätzlich aus. Rund 40 Prozent der Befragten unter 35 Jahren geben an, sich eine Tätigkeit als Vertragsarzt vorstellen zu können. Weitere rund 45 Prozent dieser Altersgruppe zeigen sich unentschlossen.

Die Ergebnisse stammen aus der KWEX-Studie des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi). KWEX steht für „Karrierewahl und Existenzgründung“. Die Studie befasst sich mit den beruflichen Perspektiven von Ärzten und Psychotherapeuten in frühen Karrierephasen.  Erfasst wurden unter anderem Beschäftigte in Kliniken, Medizinischen Versorgungszentren und Praxen. Mit der Studie will das Zentralinstitut eigenen Angaben zufolge besser verstehen, wie junge Mediziner ihre Karriere planen. 

Wirtschaftliche Risiken und Fachkräftemangel wecken viele Bedenken

Stark ins Gewicht fallen erwartungsgemäß die wirtschaftlichen Risiken einer Niederlassung. Die Befragten sehen insbesondere die Finanzierung der Praxisgründung oder einer Praxisübernahme als anspruchsvoll an. Auch die Unsicherheit über die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung des Gesundheitswesens fließt in die persönlichen Abwägungen ein.

Nach Angaben des Zentralinstituts spielt der Fachkräftemangel nicht nur für bestehende Praxen eine Rolle, sondern beeinflusst bereits die Planungen jener Ärzte, die eine Niederlassung in Erwägung ziehen. Auch die Verantwortung für Personalführung, Personalgewinnung und Personalbindung wird als anspruchsvoll eingeschätzt.

Bürokratie als zentrales Hemmnis für die Niederlassung

Als großes Hindernis auf dem Weg in die Selbstständigkeit nennen die Befragten laut KWEX-Studie die hohe bürokratische Belastung. Verwaltungsvorgaben, Dokumentationspflichten sowie Abrechnungsregeln werden von vielen jungen Ärzten als starke Belastung wahrgenommen. Zudem werden rechtliche Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Niederlassung als Problem benannt. Dazu zählen unter anderem Fragen der Vertragsgestaltung, haftungsrechtliche Aspekte sowie die Komplexität der vertragsärztlichen Zulassung.

Digitalisierung als zusätzlicher Belastungsfaktor

Auch die Digitalisierung des Gesundheitswesens wird in der Studie als Faktor genannt, der die Entscheidungsfindung beeinflusst. Digitale Anwendungen, technische Anforderungen und der Umgang mit neuen IT-Systemen werden von den Befragten teils als Chance, teils aber auch als zusätzliche Belastung beschrieben. Insbesondere die Komplexität digitaler Prozesse sowie Sicherheitsanforderungen bei Datenverarbeitung und Datenschutz werden demnach als anspruchsvoll wahrgenommen.

Vereinbarkeit von Beruf und Familie von hoher Bedeutung

Ein weiterer zentraler Einflussfaktor auf die Karriereentscheidungen junger Ärzte ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Die KWEX-Studie zeigt, dass flexible Arbeitszeiten, verlässliche Planbarkeit und familiäre Verpflichtungen eine wichtige Rolle bei der Wahl der zukünftigen beruflichen Tätigkeit spielen.

Autor:
Stand:
15.12.2025
Quelle:
  1. Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung (Zi): Karrierewahl und Existenzgründung - Eine Studie des Zentralinstituts, https://kwex.zi.de/, zuletzt abgerufen am 8. Dezember
  2. Pressemitteilung: Zi-Umfrage: Nur 15 Prozent der jungen Angestellten schließen Niederlassung aus, zuletzt abgerufen am 8. Dezember 
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