Pflanzliche Arzneimittel: Mehr politische Rückendeckung gefordert

Auf dem European Herbal Health Products Summit 2026 forderten Vertreter mehr politische Aufmerksamkeit für pflanzliche Arzneimittel. Neben ihrer Rolle in der Selbstmedikation stand vor allem ihre wirtschaftliche und strategische Bedeutung für Europa im Fokus.

Phytopharmaka

Pflanzliche Arzneimittel sind weit mehr als ein traditionelles Therapiefeld. Sie sind ein ökonomischer Faktor und eine tragende Säule der Selbstmedikation. Diese Botschaft stand im Zentrum des zweiten European Herbal Health Products Summit, der Ende Februar in Brüssel stattfand. Veranstaltet wurde das Treffen von Pharma Deutschland gemeinsam mit der Society for Medicinal Plants and Natural Product Research (GA). Mehr als 100 Vertreter aus Wissenschaft, Industrie, Behörden und Verbraucherschutz diskutierten die gesundheitspolitische und wirtschaftliche Bedeutung von Phytopharmaka für Europa und formulierten Erwartungen an die europäische Politik.

Starker OTC-Markt mit Verschiebungen

Phytopharmaka sind rezeptfrei in Apotheken erhältlich und ein wichtiger Bestandteil der Selbstmedikation. Damit tragen sie zur Entlastung der Gesundheitssysteme und zu deren Resilienz bei und das gerade in Zeiten steigender Versorgungsbedarfe. Aktuelle Marktdaten unterstreichen diese Relevanz. Nach Zahlen von IQVIA Consumer Health erreichten pflanzliche Produkte im Jahr 2025 in 23 EU-Mitgliedstaaten ein Marktvolumen von knapp 15 Milliarden Euro. Das entspricht 27 % des gesamten OTC-Marktes. Deutschland und Italien vereinen mit 26 beziehungsweise 21 % fast die Hälfte des europäischen Phytomarktes auf sich.

Gleichzeitig wurde auf eine problematische Entwicklung hingewiesen. Der Anteil registrierter Produkte – darunter Arzneimittel – nimmt ab, während nicht registrierte Produkte kontinuierlich Marktanteile gewinnen. Diese Verschiebung wirft regulatorische und qualitätsbezogene Fragen auf.

In Leitlinien verankert, in der Ausbildung unterrepräsentiert

Aus klinischer Sicht sind Phytopharmaka in Deutschland bereits in Leitlinien verankert. Dennoch wird ihr Potenzial in der praktischen Versorgung vielfach noch nicht ausgeschöpft. Vertreter aus Klinik und Wissenschaft betonten, dass das Wissen über pflanzliche Arzneimittel deutlich stärker in die Ausbildung von Heilberufen integriert werden müsse.

Die Monografien des Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC) sollten stärker in Lehre und Praxis einbezogen werden. Zudem wurde eine intensivere Forschungsförderung gefordert, auch mit Blick auf internationale Entwicklungen. Während asiatische Länder traditionelle Arzneipflanzen systematisch in ihre Gesundheitsstrategien einbinden, fehle es in Europa bislang an vergleichbarer politischer Priorisierung.

Wertschöpfung in Europa sichern

Neben der therapeutischen Bedeutung wurde auch die ökonomische Dimension hervorgehoben. Viele Hersteller pflanzlicher Arzneimittel produzieren innerhalb Europas und verfügen über überwiegend europäische Lieferketten. Damit leisten sie einen Beitrag zur industriellen Wertschöpfung und reduzieren Abhängigkeiten von Drittstaaten.

Die zentrale Forderung des Gipfels lautete daher: mehr politische Wertschätzung und regulatorische Entlastung auf europäischer Ebene. Phytopharmaka seien wirksame, sichere und systemrelevante Arzneimittel und müssten entsprechend berücksichtigt werden.

Autor:
Stand:
05.03.2026
Quelle:

Pharma Deutschland: Pressemitteilung, 26.02.2026.

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