Marburger Bund: Ein Drittel der PJ-Studierenden denkt über Ausstieg nach

Erstmals wurde im PJ-Barometer 2025 gefragt, ob Studierende im Praktischen Jahr darüber nachdenken, die kurative Medizin zu verlassen. Rund ein Drittel bejaht dies, während 52 Prozent nicht über einen Ausstieg nachdenken. 15 Prozent geben keine Antwort. Hauptgrund sind aus Sicht der Befragten die Arbeitsbedingungen.

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Berlin. Rund ein Drittel der Medizinstudierenden im Praktischen Jahr (PJ) denkt darüber nach, die kurative Medizin zu verlassen und sich beruflich neu zu orientieren. Das geht aus dem PJ-Barometer 2025 des Marburger Bunds hervor. In der aktuellen Erhebung wurde erstmals explizit gefragt, ob die Teilnehmenden darüber nachdenken, die kurative Medizin zu verlassen. Nach Angaben des Marburger Bundes antwortete ein Drittel (33 Prozent) der Teilnehmenden mit Ja. 52 Prozent gaben an, nicht über einen solchen Schritt nachzudenken. 15 Prozent machten hierzu keine Angabe.

Nach Angaben des Verbandes beteiligten sich an der Umfrage rund 1.800 Medizinstudierende im Praktischen Jahr sowie Ärzte, deren PJ nicht länger als drei Jahre zurückliegt. Knapp die Hälfte befindet sich aktuell im PJ. Zwei Drittel der Teilnehmenden sind weiblich. 

Arbeitsbedingungen im Fokus der Kritik

Als wesentlichen Grund für Ausstiegsgedanken nennen die Befragten vor allem strukturelle Belastungen im Klinikalltag. Dieser sei insbesondere durch hohe Arbeitsdichte, Zeitdruck und Personalmangel geprägt. Auch bürokratische Anforderungen werden häufig genannt. Die Befragten berichten, dass sie den intensiven Einblick in den ärztlichen

Arbeitsalltag oft als sehr belastend empfinden.

Ein weiterer Aspekt betrifft die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Viele Studierende bewerten die Planbarkeit von Arbeitszeiten und die Verlässlichkeit von Dienstplänen kritisch. Diese Erfahrungen fließen nach Angaben der Studienverantwortlichen in die Überlegungen zur späteren Berufswahl ein.

Mehr als die Hälfte der PJ-Studierenden arbeitet nach eigenen Angaben zwischen 40 und 50 Stunden pro Woche in der jeweiligen Lehreinrichtung. Nacht- und Wochenenddienste gehören demnach für viele weiterhin zum Ausbildungsalltag. Mehr als 40 Prozent der Befragten leisten solche Dienste. Diese erfolgen überwiegend ohne zusätzliche Vergütung.

Das PJ-Barometer 2025 weist darauf hin, dass die kritische Einschätzung der Arbeitsbedingungen fachübergreifend verbreitet ist. Studierende verschiedener Tertiale berichten von vergleichbaren Belastungserfahrungen.

Neben der Arbeitszeit thematisiert das PJ-Barometer auch die finanziellen Rahmenbedingungen. Demnach erhält das Gros der Studierenden keine oder nur geringe Aufwandsentschädigungen. Genaue Größenordnungen dazu nennt das Barometer nicht.

Viele Studierende kritisieren mangelnde Anleitung und nicht medizinische Tätigkeiten

Zudem üben zahlreiche Befragte Kritik an der konkreten Ausgestaltung dieser Ausbildungsphase. Nach Angaben des Marburger Bundes berichten die Studierenden beispielsweise von mitunter unzureichender Anleitung und Betreuung. Ein Teil der Befragten gibt demnach an, regelmäßig Tätigkeiten zu übernehmen, die nicht primär der Ausbildung dienen. Zudem wünschen sich viele eine strukturiertere Vermittlung von Lerninhalten mit klar definierten Ausbildungszielen.

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