Berlin. Der sogenannte Mehrumsatz durch Privatversicherte hat 2024 einen neuen Höchstwert erreicht. Der Betrag stieg im Vergleich zum Vorjahr um 1,06 Milliarden Euro oder 7,3 Prozent auf nunmehr 15,52 Milliarden Euro. Das teilte der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) unter Berufung auf den Jahresbericht seines Wissenschaftlichen Instituts (WIP) mit. Den Mehrumsatz bewertet der Verband als erheblichen Beitrag zur Finanzierung des deutschen Gesundheitswesens.
Was ist „Mehrumsatz“?
Mit dem Begriff „Mehrumsatz“ beschreibt das WIP den Betrag, der Leistungserbringern zusätzlich zur Verfügung steht, weil privat Versicherte zu anderen Vergütungsbedingungen behandelt werden als gesetzlich Versicherte. Würden diese Versicherten stattdessen zu Bedingungen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) versorgt, würden entsprechende Einnahmen entfallen. Der PKV-Verband sieht darin einen finanziellen Beitrag der privaten Krankenversicherung zur Finanzierung der medizinischen Versorgung in Deutschland.
Ambulante Versorgung generiert den größten Anteil
Der größte Anteil des Mehrumsatzes entfällt laut Angaben des PKV-Verbandes auf die ambulant-ärztliche Versorgung. Nach den aktuellen Berechnungen beläuft sich der Mehrumsatz in diesem Bereich auf 8,76 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Anstieg um rund 9,6 Prozent. Damit bleibt die ambulante Versorgung der Bereich, in dem die finanziellen Effekte privatversicherter Patienten am deutlichsten sichtbar sind.
Die Analyse des WIP zeigt zudem, dass Privatversicherte einen überproportionalen Anteil an den Einnahmen niedergelassener Ärzte haben. Demnach entfallen 21,8 Prozent der Einnahmen in der ambulanten ärztlichen Versorgung auf Privatpatienten, obwohl ihr Anteil an der Bevölkerung lediglich rund 10,5 Prozent beträgt. Diese Differenz ergibt sich aus den unterschiedlichen Vergütungsregelungen zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung.
Während Leistungen für gesetzlich Versicherte überwiegend nach dem einheitlichen Bewertungsmaßstab abgerechnet werden, erfolgt die Abrechnung für Privatversicherte in der Regel auf Grundlage der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ).
Zusatzeinnahmen pro Arztpraxis deutlich gestiegen
Auch auf Ebene einzelner Arztpraxen wird der finanzielle Effekt deutlich. Nach Angaben des PKV-Verbandes und der zugrunde liegenden WIP-Analyse ergibt sich aus der Behandlung privatversicherter Patienten ein durchschnittlicher Mehrumsatz von mehr als 82.000 Euro pro Praxis und Jahr. Dieser Wert ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. 2023 lag der durchschnittliche Mehrumsatz je Praxis noch bei rund 73.800 Euro, im Jahr 2022 bei etwa 64.000 Euro.
Der PKV-Verband verweist darauf, dass diese zusätzlichen Einnahmen zur Finanzierung von Personal, medizinischer Ausstattung und Praxisinfrastruktur beitragen können. Nach Angaben des Verbandes können dadurch auch Investitionen in technische Ausstattung oder organisatorische Strukturen in Arztpraxen ermöglicht werden.
Mehrumsatz auch in weiteren Leistungsbereichen
Neben der ambulanten Versorgung entstehen zusätzliche Einnahmen durch Privatversicherte auch in anderen Bereichen des Gesundheitswesens.
- In der zahnärztlichen Versorgung summiert sich der Mehrumsatz nach Angaben des PKV-Verbandes auf 3,22 Milliarden Euro pro Jahr.
- Im Arzneimittelbereich beläuft sich der Mehrumsatz inzwischen auf rund 1,13 Milliarden Euro. Damit hat dieser Bereich erstmals dauerhaft die Marke von einer Milliarde Euro überschritten.
Darüber hinaus profitieren auch weitere Leistungsbereiche wie Heilmittel, Hilfsmittel oder diagnostische Leistungen von zusätzlichen Einnahmen durch Privatversicherte. Die Analyse zeigt, dass der Finanzierungsanteil der PKV-Versicherten in allen betrachteten Leistungsbereichen über ihrem Bevölkerungsanteil liegt.
Entwicklung der Leistungsausgaben in beiden Versicherungssystemen
Der Jahresbericht des Wissenschaftlichen Instituts der PKV untersucht neben dem Mehrumsatz auch die Entwicklung der Leistungsausgaben pro Versicherten in der privaten und gesetzlichen Krankenversicherung.
Demnach sind die Pro-Kopf-Ausgaben in beiden Systemen in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Im Zeitraum von 2014 bis 2024 erhöhten sich die Leistungsausgaben je Versicherten in der privaten Krankenversicherung um 54,4 Prozent. In der gesetzlichen Krankenversicherung lag der Anstieg im gleichen Zeitraum bei 50,3 Prozent.










