Die Diskussion um eine zeitweise Leitung von Apotheken durch Pharmazeutisch-technische Assistenten (PTA) erhält Gegenwind. Die ABDA - Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände und der Bundesverband Pharmazeutisch-technischer AssistentInnen e.V. (BVpta) sprechen sich gemeinsam gegen entsprechende Modellprojekte im geplanten Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) aus. Konkret fordern beide Verbände die ersatzlose Streichung der vorgesehenen Regelungen. Ein Apothekenbetrieb ohne anwesende Apotheker – auch nur vorübergehend – sei mit dem heilberuflichen Anspruch und der bestehenden Struktur nicht vereinbar.
PTA als tragende Säule der Versorgung
Mit rund 72.000 Beschäftigten stellen PTA die größte pharmazeutische Berufsgruppe in den etwa 16.600 öffentlichen Apotheken dar. Ihre Rolle geht längst über klassische Assistenz hinaus: Sie sichern die Arzneimittelversorgung, unterstützen bei pharmazeutischen Dienstleistungen und tragen zunehmend zur niedrigschwelligen Primärversorgung bei. „PTA sind für öffentliche Apotheken unverzichtbar“, sagt Thomas Preis, Präsident der ABDA. Angesichts steigender Anforderungen und Fachkräftemangel sehen beide Verbände jedoch dringenden Handlungsbedarf zur Weiterentwicklung des Berufsbildes.
Weiterqualifizierung statt Rollenverschiebung
Im Zentrum des gemeinsamen Positionspapiers steht eine strukturierte, bundesweit einheitliche Weiterqualifikation für PTA. Ziel ist ein klar definiertes Kompetenzprofil mit erweiterten Befugnissen. Geplant sind zusätzliche Aufgaben etwa in:
- pharmazeutischen Dienstleistungen
- Präventions- und Screeningangeboten
- digitalen Versorgungsprozessen
- Programmen zur Arzneimitteltherapiesicherheit
Die erweiterte Qualifikation soll nicht nur neue Tätigkeitsfelder eröffnen, sondern auch rechtlich verankert und finanziell aufgewertet werden. Anja Zierath, Vorsitzende des BVpta, sagt dazu: „‘Vertreten‘ zu dürfen war nie unser eigentliches, alleiniges Ziel. Uns geht es darum, echte Entwicklungsmöglichkeiten für PTA zu schaffen.“
Neue Karrierewege und bessere Ausbildung
Darüber hinaus schlagen ABDA und BVpta mehrere strukturelle Reformen vor:
- Einführung erfahrener PTA als Praxisanleiter für Auszubildende
- erleichterter Zugang zum Pharmaziestudium, etwa durch Anrechnung von Ausbildungsinhalten
- Abschaffung von Schulgeld und Einführung einer Ausbildungsvergütung
Gerade die finanziellen Rahmenbedingungen gelten als wichtig, um die Attraktivität des Berufs langfristig zu sichern und dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.
Gemeinsames Signal der Verbände
Das Positionspapier zeigt deutlich, dass beide Organisationen auf Qualifizierung und Entwicklung statt auf eine Verschiebung von Verantwortlichkeiten setzen. Die Weiterentwicklung des PTA-Berufs soll neue Perspektiven schaffen, ohne die klare Trennung der heilberuflichen Verantwortung in der Apotheke aufzuweichen.








