Berlin. In der Debatte über Krankschreibungen und Fehlzeiten hat sich die Techniker Krankenkasse (TK) zu Wort gemeldet. Die Debatte „über die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung für leichte Erkrankungen wie beispielsweise Erkältungen setzt einen falschen Schwerpunkt“, sagte Dr. Jens Baas bei der Präsentation des Fehlzeiten-Reports der TK für 2025. Langfristige gesundheitliche Probleme wie Rückenschmerzen oder psychische Erkrankungen seien zwar seltener, fielen aber „bei den Fehltagen deutlich mehr ins Gewicht“, so der Vorstandsvorsitzende der TK.
Krankenstand bei TK-Versicherten Erwerbstätigen sinkt auf 18,6 Tage
Nach Angaben der Techniker Krankenkasse ist der durchschnittliche Krankenstand der bei der TK versicherten Erwerbstätigen im Jahr 2025 erneut leicht gesunken – und zwar um einen halben Tag. Demnach wurde jede bei der TK versicherte Erwerbsperson im Jahr 2025 durchschnittlich 18,6 Tage krankgeschrieben. In den Jahren zuvor lagen die Werte höher (2024: 19,1 Fehltage; 2023: 19,4 Fehltage; 2022: 19 Fehltage).
Es sei ein Rückgang erkennbar, insgesamt bleibe das Niveau der Fehlzeiten jedoch deutlich über dem Stand von vor der Pandemie. Nach dem deutlichen Anstieg während der Corona-Pandemie gehe der Krankenstand nur langsam zurück.
Nach Angaben der TK entfielen die meisten Krankheitstage auf Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems, darunter vor allem Rückenleiden. An zweiter Stelle folgten psychische Erkrankungen. Atemwegserkrankungen nahmen zwar einen hohen Anteil an den Krankheitsfällen ein, verursachten jedoch im Durchschnitt kürzere Fehlzeiten als lang andauernde gesundheitliche Beeinträchtigungen.
Langzeiterkrankungen verursachen überproportionalen Anteil der Krankheitstage
Die TK hebt hervor, dass langfristige gesundheitliche Probleme den Krankenstand stärker prägen als akute Infekte. Während Erkältungen oder grippale Infekte häufig nur wenige Tage Arbeitsunfähigkeit verursachen, führten Rückenprobleme oder psychische Erkrankungen oftmals zu mehreren Wochen oder sogar Monaten Fehlzeit. Nach Angaben der Kasse verursachten diese Diagnosen einen überproportionalen Anteil der gesamten Krankheitstage.
Der Fokus der aktuellen politischen Debatte liege aus Sicht der TK zu stark auf kurzfristigen Erkrankungen, sagte der Vorstandsvorsitzende Jens Baas bei der Vorstellung des Fehlzeiten-Reports. Die telefonische Krankschreibung betreffe vor allem leichtere Erkrankungen mit kurzer Dauer. Diese machten zwar einen großen Teil der Fallzahlen aus, seien aber für den hohen Krankenstand insgesamt weniger ausschlaggebend als langwierige Krankheitsverläufe.
Überdurchschnittlich hohe Fehlzeiten in Dienstleistungsberufen und der Pflege
Die TK sieht daher die Notwendigkeit, Prävention und frühzeitige Behandlung insbesondere bei Rückenbeschwerden und psychischen Erkrankungen zu stärken. Nach Angaben der Kasse sei hier das größte Potenzial vorhanden, um Fehlzeiten nachhaltig zu reduzieren. Dies gelte vor allem in Dienstleistungsberufen und im Pflegebereich mit ihren überdurchschnittlich hohen Fehlzeiten. Hier spielten sowohl körperliche Belastungen als auch psychischer Druck eine Rolle. Die TK spricht sich daher für betriebliche Gesundheitsförderung und präventive Maßnahmen aus, die gezielt auf diese Belastungen reagieren.
TK: Ursachen für hohe Fehlzeiten liegen nicht in der Form der Krankschreibung
Die TK verweist darauf, dass die telefonische Krankschreibung vor allem für klar definierte Krankheitsbilder vorgesehen ist, etwa für unkomplizierte Erkältungen. Sie sei zeitlich begrenzt und müsse bei Fortbestehen der Symptome durch eine persönliche ärztliche Untersuchung ergänzt werden. Nach Angaben der Krankenkasse trage dieses Instrument dazu bei, Arztpraxen zu entlasten und unnötige Kontakte zu vermeiden, ohne die medizinische Versorgung zu verschlechtern.
In der aktuellen Diskussion wird dennoch gefordert, diese Regelung wieder einzuschränken oder ganz abzuschaffen. Befürworter einer Abschaffung argumentieren, dass eine persönliche Untersuchung die Hemmschwelle für eine Krankschreibung erhöhe und Missbrauch vorbeugen könne. Die TK hält dem entgegen, dass die Ursachen für hohe Fehlzeiten nicht in der Form der Krankschreibung, sondern in der Häufung bestimmter Erkrankungen zu suchen seien.
Nach Darstellung der Kasse liege der Schwerpunkt daher auf strukturellen Problemen wie Arbeitsbelastung, Bewegungsmangel und psychischer Beanspruchung. Diese Faktoren wirkten sich langfristig auf die Gesundheit der Beschäftigten aus und führten zu längeren Krankheitsphasen.










