Mit dem Start der Online-Plattform TrumpRx verschärft die US-Regierung ihre Strategie zur Senkung von Arzneimittelpreisen. Über das neue Portal sollen Patienten in den USA künftig günstiger an ausgewählte Präparate gelangen. Zum Auftakt sind 40 Arzneimittel gelistet, weitere sollen folgen.
Die Plattform ist Teil einer umfassenden Reformagenda. Bereits im Mai 2025 hatte die US-Regierung angekündigt, ein „Most Favored Nation“-Prinzip einzuführen. Künftig sollen sich die Preise für Medikamente in den Vereinigten Staaten an denen vergleichbarer Industrienationen orientieren und dabei ausdrücklich auch an Deutschland. Damit wird der deutsche Markt de facto zur Referenzgröße für die US-Preisbildung.
Referenzpreise mit globaler Wirkung
Aus Sicht des Branchenverbandes Pharma Deutschland ist das Tempo der Umsetzung bemerkenswert und problematisch. Hauptgeschäftsführerin Dorothee Brakmann warnt vor erheblichen Folgen für Unternehmen mit starkem US-Geschäft. Die Exportabhängigkeit sei so groß, dass sich die amerikanische Preispolitik unmittelbar auf deutsche Hersteller auswirke.
Wenn niedrige deutsche Preise künftig als Referenz für den lukrativen US-Markt dienen, geraten Unternehmen unter strategischen Druck. Preis- und Markteintrittsentscheidungen müssen neu kalkuliert werden. Aus ökonomischer Sicht könnte es attraktiver werden, innovative Arzneimittel zunächst in Hochpreismärkten einzuführen oder eine Markteinführung in Ländern mit strenger Preisregulierung ganz zu verschieben.
Innovationsrückstand droht sich zu verschärfen
Schon heute besteht zwischen den USA und Europa ein spürbarer Unterschied bei der Verfügbarkeit neuer Wirkstoffe. Seit 2015 wurden mehr als 100 Substanzen nicht in Europa zugelassen. Besonders deutlich wird der Abstand bei Arzneimitteln mit „Breakthrough“-Status: Aktuell sind 19 dieser Präparate in den USA verfügbar, jedoch nicht in Deutschland.
Wenn Deutschland als Preisanker für den US-Markt fungiert, könnte sich dieser Innovationsrückstand weiter vergrößern. Hersteller könnten aus strategischen Gründen auf eine frühe oder überhaupt eine Einführung in Deutschland verzichten, um niedrigere Referenzpreise zu vermeiden und den US-Preis zu schützen.
Pharmadialog gefordert
Pharma Deutschland fordert deshalb eine ressortübergreifende Antwort der Bundesregierung. Die Entwicklungen in den USA und ihre Rückwirkungen auf den Pharmastandort Deutschland müssten im laufenden Pharmadialog eine zentrale Rolle spielen. Im Kern geht es um eine strategische Frage: Wie lässt sich ein solidarisch finanzierter Arzneimittelmarkt mit internationaler Referenzpreislogik vereinbaren, ohne die Versorgung mit Innovationen zu gefährden?









