„IndiQ“-Studie: 24 häufig erbrachte Leistungen als fragwürdig identifiziert

Welche Untersuchungen sind medizinisch sinnvoll – und welche nicht? Die „IndiQ“-Studie identifiziert 24 Leistungen mit fraglichem Nutzen. Die dadurch entstehenden Kosten stuft sie als erheblich ein.

GKV Ausgabe Medikamente

Berlin. Durch den Verzicht auf medizinisch fragwürdige Untersuchungsleistungen könnten in der Gesetzlichen Krankenversicherung Kosten in mindestens zweistelliger Millionenhöhe eingespart werden, ohne die Versorgungssicherheit zu beeinträchtigen. Das ist das Ergebnis der „IndiQ“-Studie der Technischer Universität (TU) Berlin, der Techniker Krankenkasse (TK) und des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi). Insgesamt identifizierte die Untersuchung 24 medizinische Leistungen, deren Nutzen als fragwürdig eingestuft wird. 

Messung von Schilddrüsenhormonen oder Tumormarken in vielen Fällen fragwürdig

Als hervorstechendes Beispiel nennt die Studie die Messung der Schilddrüsenhormone fT3 und fT4 bei Patienten mit bekannter Schilddrüsenunterfunktion. Obwohl der TSH-Wert als aussagekräftiger Indikator gilt und zusätzliche Messungen von fT3 und fT4 keine weiteren diagnostischen Erkenntnisse liefern, sei die Messung der Schilddrüsenhormone in 315.622 Fällen bei 214.347 Patienten abgerechnet worden. Jeder dieser Tests verursachte laut Studie Kosten von mindestens 3,70 Euro. Allein daraus ergäben sich vermeidbare Ausgaben in Höhe von 2,15 Millionen Euro. 

Als weiteres Beispiel führt die Studie die Bestimmung von Tumormarkern ohne bestehende Krebsdiagnose an. Diese Tests dienten primär der Verlaufskontrolle bei Krebserkrankungen und nicht der allgemeinen Diagnostik. Dennoch würden jährlich 50.000 bis 60.000 solcher Tests ohne vorliegende Krebsdiagnose durchgeführt – mit vermeidbaren Kosten von rund 520.000 Euro pro Jahr.

Abrechnungsdaten aus mehr als 10 Mio. Fällen der Techniker Krankenkasse untersucht

Für die Studie untersuchten die Autoren Abrechnungsdaten der Techniker Krankenkasse für insgesamt 10,6 Millionen Leistungen. Dabei habe man zwischen 430.000 (4 %) und 1,1 Millionen Fällen (10,4 %) als medizinisch wenig wertvoll einstufen können. Dies entspreche allein im ambulanten Sektor der TK direkten Kosten in Höhe von zehn bis 15,5 Millionen Euro jährlich. 

ZI: Gezieltes Monitoring steigert Effizienz und optimiert Patientenversorgung

„Das Wirtschaftlichkeitsgebot sieht vor, dass Leistungen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein sollen“, so Dr. Dominik von Stillfried, der Vorstandsvorsitzende der ZI. Gerade in Zeiten knapper finanzieller und personeller Ressourcen sei die kritische Indikationsstellung von besonderer Bedeutung. Der zurückhaltende Einsatz fragwürdiger Leistungen könne dazu beitragen, Ressourcen für wichtigere Aufgaben in der ambulanten Versorgung freizusetzen und die Honorarverteilung zu entlasten.

Die Studie unterstreiche die Notwendigkeit eines kontinuierlichen Monitorings, um Überversorgung zu reduzieren und die Qualität der medizinischen Versorgung zu verbessern. Durch die Identifikation von Leistungen mit geringem medizinischem Nutzen könnten gezielte Maßnahmen ergriffen werden, um die Effizienz im Gesundheitssystem zu steigern und gleichzeitig die Patientenversorgung zu optimieren.

Forschungsprojekt „IndiQ“ vom Gemeinsamen Bundesausschuss gefördert

Das Forschungsprojekt „IndiQ – Entwicklung eines Tools zur Messung von Indikationsqualität in Routinedaten und Identifikation von Handlungsbedarfen und -strategien“ wurde vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses mit etwa 800.000 Euro gefördert und lief von Mai 2020 bis April 2024. Geleitet wurde das Projekt von Prof. Dr. Verena Vogt, die mittlerweile am Universitätsklinikum in Jena tätig ist.

Autor:
Stand:
18.03.2025
  • Teilen
  • Teilen
  • Teilen
  • Drucken
  • Senden
Orphan Disease Finder
Orphan Disease Finder

Hier können Sie seltene Erkrankungen nach Symptomen suchen: