Zi meldet 23,5 Millionen Hausbesuche

Im vergangenen Jahr haben Arztpraxen bundesweit 23,5 Millionen ärztliche Hausbesuche bei gesetzlich Versicherten abgerechnet. Das zeigt eine Auswertung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi). Davon wurden 19,4 Millionen von Hausärzten durchgeführt. Etwa 3,1 Millionen entfallen auf nichtärztliche Praxisassistenten (NäPas). Hinzu kamen laut Zi eine Million Fahrdienst-Hausbesuche im Rahmen des ärztlichen Bereitschaftsdienstes. Die Daten belegen nach Einschätzung des Zi-Vorstandsvorsitzenden Dominik von Stillfried den hohen Stellenwert von vertragsärztlichen Hausbesuchen in der Regelversorgung.

Hausbesuch

Wachsende Bedeutung von Hausbesuchen für vulnerable Gruppen

Hausbesuche sind laut Zi besonders wichtig für Personen, die nicht mehr oder nur eingeschränkt für einen Praxisbesuch mobil sind: ältere Menschen, chronisch Kranke oder Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Für diese Gruppen ermöglichen die Besuche im häuslichen Umfeld eine niedrigschwellige, bedarfsgerechte Versorgung – mit Diagnostik, Behandlung und Beratung vor Ort.

Gerade vor dem Hintergrund einer alternden Bevölkerung gewinnen solche Versorgungsformen an Bedeutung. Für viele Patienten kann ein Hausbesuch die einzige praktikable Möglichkeit sein, medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen, bevor gesundheitliche Probleme eine stationäre Behandlung erforderlich machen. Das kann Belastungen vermeiden und Krankenhäuser entlasten.

Zi-Kritik an geplanten Reformen: Risiko von Doppelstrukturen

Die Daten zeigen laut Zi, dass Hausbesuche bereits heute eine erhebliche Versorgungslast tragen. Im Vergleich zu aufwendigen Notdienst- oder Rettungsdienstmodellen sieht das Zi Hausbesuche als effizienten und etablierten Bestandteil der Regelversorgung. Besonders in Regionen mit geringer ärztlicher Dichte oder bei Patienten mit eingeschränkter Mobilität bewähre sich dieses Modell. 

Für das Gesundheitssystem insgesamt bedeute das: Es sei sinnvoll, die vorhandenen Strukturen zu erhalten und auszubauen, statt neue Dienste zu schaffen.

In diesem Zusammenhang kritisiert das Zi den Entwurf des Gesetzes zur Reform der Notfallversorgung. Dieser sieht unter anderem vor, dass Kassenärztliche Vereinigungen künftig rund um die Uhr sowohl telemedizinische Versorgung als auch einen aufsuchenden Dienst bereitstellen sollen – wenn eine sofortige medizinisch erforderliche Behandlung notwendig ist und andere Optionen nicht greifen. Das Zi warnt, dass dadurch „ineffiziente Doppelstrukturen“ entstehen könnten. Gerade weil Hausbesuche im Rahmen der Regelversorgung bereits etabliert und effizient organisiert seien, sei der zusätzliche Aufwand fraglich. Der Vorstandsvorsitzende von Stillfried befürchtet, dass neue Dienste neben bestehenden Praxen und Bereitschaftsdiensten sowohl personell als auch finanziell aufwendig seien, ohne dass zwingend ein spürbarer Versorgungsaufschlag entstehe. 

Kosten: Ärztliche Hausbesuche viel günstiger als alternative Modellversuche

Nach Zi-Angaben wird „ein ärztlicher Hausbesuch in der Regelversorgung mit rund 26 Euro vergütet.“ Das sei etwa ein Zehntel dessen, was in Modellversuchen zu Hausbesuchen durch Gemeindenotfallsanitäter berechnet worden sei. Anstatt neue Parallelsysteme von aufsuchenden Diensten einzuführen, sei es zielführender, den vertragsärztlichen Hausbesuch zu stärken, auch in Delegation an Fachpersonen. 

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