Warum Patienten oft auf medizinische Leistungen ohne belegbaren Nutzen bestehen

Eine systematische Übersichtsarbeit untersucht Faktoren, die zur Forderung ineffektiver Therapien führen. Erkenntnisse daraus könnten die Arzt-Patienten-Kommunikation verbessern.

Patienten-Forderungen

Eine systematische Übersichtsarbeit hat die Ergebnisse von 47 Arbeiten zum Thema Einflussfaktoren auf Patienten-Forderungen untersucht, um die Ursachen solcher Patientenwünsche besser zu verstehen und Lösungsansätze zu entwickeln.

Im Fokus stehen Forderungen nach Leistungen, die keinen belegbaren klinischen Nutzen bieten und sogar Risiken mit sich bringen können (engl. low-value care).

Eigenschaften von low-value care

  1. Kein nachweisbarer Nutzen durch Verbesserung von Gesundheit oder Wohlbefinden.
  2. Unverhältnismäßige Kosten-Nutzen-Bilanz.
  3. Potenzielle Schäden durch unnötige Eingriffe, Komplikationen oder Fehlinterpretationen von Screening-Ergebnissen.
  4. Überversorgung durch Diagnostik oder Therapien ohne klare medizinische Indikation.

Häufige Beispiele sind routinemäßige Vitamin-D-Tests bei gesunden Erwachsenen ohne Risikofaktoren, Antibiotika gegen virale Infekte oder MRT bei unspezifischen Rückenschmerzen ohne Hinweise auf schwerwiegende Ursachen.

Ursachen der Patientenwünsche

Acht zentrale Einflussfaktoren und 33 Subthemen, welche die Patientenwünsche nach low-value care beeinflussen, wurden identifiziert.

  • Kognitive Verzerrungen, wie der Bestätigungsfehler oder asymmetrische Nutzen-Risiko-Bewertung.
  • Behandlungsbezogene Aspekte, z. B. Leichtigkeit der Umsetzung der Therapie.
  • Wissensbezogene Faktoren, z. B. Unwissenheit oder Überinformiertheit.
  • Kommunikation zwischen Arzt und Patient, z. B., ob ein Vertrauensverhältnis etabliert ist.
  • Soziale und kulturelle Faktoren, z. B. Lebensphase und soziales Netzwerk.
  • Ökonomische Faktoren, z. B. Finanzierungsmöglichkeiten und Versicherungsstatus.
  • Emotionale Faktoren, z. B. Unsicherheiten und Ängste.
  • Erwartungen und Präferenzen, wie z. B. Glaube und Erfahrungen.

Wege zur Optimierung der Versorgung

Die Ergebnisse der Studie zeigen die Komplexität, die hinter scheinbar einfachen Patientenwünschen steckt. Durch Einblicke in die Dynamik der Arzt-Patienten-Kommunikation und die Rolle psychologischer, kultureller und wirtschaftlicher Faktoren eröffnet sich die Möglichkeit, die Lücke zwischen evidenzbasierter Medizin und der tatsächlichen Versorgungspraxis weiter zu schließen.

Konkret könnte eine Verbesserung der Kommunikation in Form von Schulungen für medizinisches Personal, Stärkung der Patientenaufklärung und systemische Anpassungen in durch Reduktion finanzieller Anreize für niedrigwertige Leistungen und Förderung qualitätsorientierter Versorgung. Um die Perspektive der Patienten besser zu verstehen, sollte sich die zukünftige Forschung auf die Interaktion zwischen diesen Faktoren und deren Bedeutung in verschiedenen Versorgungskontexten konzentrieren, so die Autoren der Studie.

Autor:
Stand:
17.01.2025
Quelle:

Fraser et al. (2024). Factors associated with patients’ demand for low-value care: a scoping review. BMC Health Services Research. DOI: 10.1186/s12913-024-12093-7

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