Hypochondrie unterdiagnostiziert und unterschätzt
Krankheitsängste sind weit verbreitet, doch die Hypochondrische Störung, eine pathologische Ausprägung dieser Ängste, wird oft nicht ernst genommen. Betroffene fürchten, an schweren Krankheiten zu leiden, und zeigen Verhaltensweisen wie exzessives Überprüfen und Rückversicherung suchen. Trotz der potenziellen Vorteile einer frühen Krankheitserkennung, deutet vieles darauf hin, dass Hypochondrie mit einem erhöhten Risiko für stressbedingte Erkrankungen und Suizidalität verbunden ist. Bisher fehlten jedoch Studien, die sich spezifisch mit den Mortalitätsrisiken bei Hypochondrie befassen.
Erste Studie zur Mortalität
Skandinavische Forscher haben nun erstmals die Gesamtmortalität und spezifische Todesursachen bei Personen mit Hypochondrie untersucht. Sie nutzten dafür Daten aus verschiedenen schwedischen Registern und schlossen Personen ein, bei denen zwischen 1997 und 2020 Hypochondrie diagnostiziert wurde. Personen mit Dysmorphophobie wurden aufgrund einer Besonderheit im schwedischen ICD-10 ausgeschlossen. Die Studie verglich 4.129 Personen mit Hypochondrie mit einer demographisch angepassten Kontrollgruppe von 41.290 Personen.
4-fach erhöhtes Risiko für suizidalen Tod
Die Studie ergab, dass Menschen mit Hypochondrie ein signifikant höheres Risiko für natürliche und unnatürliche Todesursachen haben. Besonders auffällig war das viermal höhere Risiko für suizidalen Tod in der Hypochondrie-Kohorte im Vergleich zur Kontrollgruppe. Diese Ergebnisse blieben auch nach Anpassung um psychiatrische Störungen im Lebensverlauf bestehen.
Versorgung bei Hypochondrie verbessern
Die Ergebnisse der Studie unterstreichen die Dringlichkeit, Hypochondrie ernster zu nehmen und die psychiatrische sowie somatische Versorgung der Betroffenen zu verbessern. Viele der Todesfälle in der Studie hätten potenziell verhindert werden können. Eine wichtige Einschränkung der Studie ist jedoch, dass Hypochondrie in Schweden wahrscheinlich unterdiagnostiziert ist, was bedeutet, dass die Kontrollgruppe auch Personen mit nicht diagnostizierter Hypochondrie enthalten könnte. Autor: Barbara Welsch, Medizinjournalistin










