Kinder und Jugendliche müssen besser vor den negativen Folgen sozialer Netzwerke geschützt werden. Diese Forderung ist nicht neu. In den USA fordern Experten der National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine (NASEM) nun verbindliche Standards, um die mentale Gesundheit der Jugendlichen vor den schädlichen Einflüssen von Social Media zu schützen. Gleichzeitig sollen positive Effekte der sozialen Netzwerke gestärkt werden. Unter dem Vorsitz von Dr. Sandro Galea, Universität Boston, hat ein Experten-Komitee in einem ausführlichen Bericht den aktuellen Stand zu Social Media und mentaler Gesundheit von Jugendlichen zusammengetragen und zentrale Forderungen formuliert [1].
Zunahme der Smartphone-Nutzung bei Jugendlichen und die Folgen
Die Nutzung von Smartphones durch junge Menschen hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen, zusammen mit einer gleichzeitigen Verschlechterung der mentalen Gesundheit in dieser Altersgruppe. Dazu tragen verschiedene negative Aspekte sozialer Medien und der Smartphonenutzung an sich bei. Die Autoren zitieren verschiedene Studien, die zeigen, dass Social Media schädliche, zwischenmenschliche Vergleiche fördert. Das hat in dieser kritischen Entwicklungsphase teils dramatische Auswirkungen, beispielsweise auf das eigene Körperbild der Jugendlichen und damit einhergehenden Essstörungen. Weitere negative Auswirkungen sind:
- Cybermobbing
- Sexuelle Ausbeutung
- Ablenkung von Schlaf, Sport, Lernen oder anderen Tätigkeiten
- Reduzierte Aufmerksamkeitsspanne.
Die Experten des Berichts fordern daher bessere Regularien und dadurch mehr Sicherheit für Jugendliche in den sozialen Netzwerken.
Konkrete Maßnahmen zum Schutz von Jugendlichen
Das Komitee empfiehlt, Standards zu entwickeln, welche die Social Media-Nutzung nach und nach mit dem Schutz der mentalen Gesundheit in Einklang bringen. Darüber hinaus sollen Pädagogen ermutigt werden, die Jugendlichen in Medienkompetenz zu schulen. Maßnahmen zur Prävention von Online-Missbrauch sind ebenso notwendig.
Die Experten thematisieren auch den Forschungsbedarf, um kausale Zusammenhänge zwischen bestimmten Merkmalen von Social Media und der mentalen Gesundheit besser zu verstehen und daraus gezielte Schutzmaßnahmen abzuleiten. Dazu braucht es beispielsweise Daten aus Langzeit-Kohorten und die Prüfung von Algorithmen hinter Social Media. „Eine der größten Lücken momentan ist, dass wir diese Zusammenhänge erst nach dem Auftreten von Problemen und nach der Entwicklung der Social Media-Nutzung anschauen“, sagt Dr. Kara Bagot, Kinder- und Jugendpsychologin and der University of California in Los Angeles [2].
Mediziner schulen und sensibilisieren
Neben Eltern und Pädagogen, sollten laut den Experten auch Pädiater und medizinisches Fachpersonal geschult werden, etwa über die Implementierung von Lerninhalten zu den Effekten sozialer Medien auf die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Ausbildung bzw. Studium. Zusätzlich brauche es Tools, mit deren Hilfe Pädiater das Nutzungsverhalten der Jugendlichen analysieren können.
Social-Media-Plattformen in der Pflicht
Bei der Verbesserung der aktuellen Situation sind natürlich auch die Social-Media-Plattformen selbst gefragt. Hier fordern die Experten die Entwicklung von Kriterien für das Design der Social-Media-Plattformen, Transparenz und Datennutzung. Nur so kann gewährleistet werden, dass Jugendliche online sicher sind und von den positive Aspekten der Social-Media-Nutzung profitieren können. Positiv sieht das Experten-Komitee beispielsweise, dass Social Media zu einer besseren Vernetzung mit Freunden und Familie beitragen kann und dass Kinder aus Randgruppen eher Kontakt zu Gleichgesinnten aufbauen können.
Hilft der Digital Services Act?
Auch hierzulande ist der Schutz von Kindern und Jugendlichen im Netz ein großes Thema. Der Digital Services Act der EU soll vor allem Minderjährige im Internet schützen. Große Netzwerke müssen bestimmte Risikominderungsmaßnahmen vornehmen. In der Praxis wird dies nicht ausreichend umgesetzt. Die großen Social-Media-Plattformen scheinen nachlässig zu moderieren, nur jeder dritte problematische Inhalt wird gelöscht, berichtet die ARD [3].
Insgesamt braucht es gemeinsame Anstrengungen von den Social-Media-Plattformen, der Politik sowie dem Gesundheits- und Bildungswesen, um Kinder und Jugendliche besser vor den negativen Folgen auf ihre mentale Gesundheit zu schützen. Der umfassende Bericht der Expertengruppe um Galea zeigt hierfür diverse Lösungsvorschläge auf und analysiert die aktuelle Situation.











