Menschen, die horten, haben häufig keine andere Zwangserkrankung, berichtete Professor Dr. Ulrich Voderholzer von der Klinik Roseneck in Prien am Chiemsee beim DGPPN Kongress 2024.
Sie häufen zuhause Dinge an, an denen sie emotional hängen („das ist Teil meines Lebens“), die eine Funktion haben („das könnte ich nochmal gebrauchen“) oder die für sie persönlich wichtig sind („das ist so schön“).
Kriterien für Horten nach ICD-11
Nach dem ICD-11 sind Kriterien für das Horten eine Anhäufung von Besitztümern oder Schwierigkeiten, sich von Besitztümern zu trennen, unabhängig von deren tatsächlichem Wert. Diese Anhäufung führt zu einer Beeinträchtigung von Nutzung und Sicherheit der eigenen Lebens- und Wohnräume.
Es kann auf den ersten Blick wie ein Messie-Syndrom aussehen, wenn Küche, Wohn- oder Schlafzimmer nicht mehr benutzbar sind. Tatsächlich weisen Messies im Vergleich zu Hortenden jedoch eine breiter angelegte Desorganisation auf, die auch das Einhalten von Terminen, die soziale Eingebundenheit und die Umsetzung von Handlungsplänen betrifft. Die Besitztümer haben bei Messies nicht die Bedeutung wie bei einem Hortenden, betonte Voderholzer. Messie-Hilfsorganisationen finden bei gut 12% der vermüllten Wohnungen, zu denen sie gerufen werden, ein pathologisches Horten von Gegenständen mit vermeintlichem Wert und keine desorganisierte Vermüllung.
Horten beginnt oft früh
Nach einer Metaanalyse beginnt das Horten bereits in der Adoleszenz, wird aber meist erst zwischen dem 30. und 70. Lebensjahr klinisch auffällig. Es ist die heimlichste der Zwangsspektrum-Störungen, erklärte Voderholzer.
Die Störung wird mit höherem Lebensalter häufiger, wobei es keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt. Ein Sonderfall ist das Animal Hoarding, besonders häufig mit Katzen, das bis zu einer völligen Verwahrlosung gehen kann.
Eine Hypothese ist, dass dem Horten eine pathologische Objektbindung zugrunde liegt, die eine Kompensationsstrategie bei unsicherer Bindung darstellt. Häufige psychische Komorbiditäten sind pathologisches Kaufen, Depression und eine Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) vom unaufmerksamen Typ.
Therapie mit Exposition
Aufgrund der Bindung an die Objekte macht es keinen Sinn, die Therapie mit Wegwerfen zu beginnen, betonte Voderholzer. Er empfahl die manualisierte Therapie nach Steketee und Frost mit 26 Sitzungen über ein halbes Jahr, wobei jede 4. Sitzung in der Wohnung des Patienten stattfinden soll. Die Therapie besteht aus vier Elementen:
- Entwicklung eines hilfreichen Systems zur Ordnung und Organisation.
- Training der Widerstandsfähigkeit gegenüber Verlockungen, wie beispielsweise auf dem Flohmarkt.
- Kognitive Umstrukturierung zur Distanzierung von emotionalisierten Überzeugungen bezüglich der Besitztümer.
- Graduierte Exposition gegenüber den aversiven Gefühlen bei der Entscheidung über das Entsorgen. Die Exposition sollte per Video begleitet werden.
Besserung ist realistisch
Die Effektivität der kognitiven Verhaltenstherapie ist moderat, Remissionen sind allerdings eher selten. Evidenz für die Wirksamkeit medikamentöser Alternativen gibt es kaum.
„Ich setze das nicht ein“, stellte Voderholzer klar. Er empfahl, sich zur Unterstützung an die regionalen Messie-Hilfsorganisationen zu wenden, die viele Einblicke auch bei „Hortern“ haben.










